Gambit 7

eine Spielerezension von Frank Biesgen - 16.10.2009
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Gambit 7 von Reich der Spiele

Und nun etwas Neues aus der Abteilung “Unnützes Wissen”: Gambit 7 konfrontiert die bis zu sieben Spieler oder Teams mit Fragen, die sich kein nomaler Mensch stellt, geschweige denn beantworten kann. Also ist wieder einmal Schätzen angesagt, denn nicht jeder weiß zwingend, wann die erste Tupperschüssel auf den Markt kam oder wie viele Elefanten zu Hannibals Armee gehörten. Die Antworten werden zunächst nach der Höhe des abgegebenen Wertes sortiert. Je extremer der Wert ist, umso höher kann theoretisch später die Ausbeute an Punkten sein ...

... denn im zweiten Schritt dürfen die Spieler ihre Wettchips (jeder hat deren zwei) auf den Antworten platzieren – sowohl der eigenen als auch fremden. Danach wird ausgewertet: Alle Tipps mit höheren Werten als dem richtigen sind aus dem Spiel. Jetzt erhält der Spieler Punkte, welcher am nächsten an der korrekten Antwort liegt. Ausserdem gibt es natürlich Punkte für das Wetten, wobei es besser ist, alleine auf eine Antwort gesetzt zu haben. Auch kann man darauf tippen, dass alle mit ihrer Antwort zu hoch liegen. Schließlich darf man noch pokern und statt der normalen Wettchips seinen Gambit-7-Chip einsetzen. Den Tipp auf die richtige Antwort vorausgesetzt, wird der aktuelle Punktestand versiebenfacht; bei einem falschen Tipp fängt man wieder bei Null an. Nach sieben Fragerunden, die in entsprechend viele Themengebiete wie Kunst, Geschichte, Popkultur oder Sport eingeteilt sind, ist Schluss.

Gelungene Einschätzspiele beruhen auf dem sympathischen Prinzip, dass niemand sich für sein Nicht-Wissen schämen muss. Gambit 7 setzt hier noch einen drauf und belohnt das Vertrauen auf eventuelle Kenntnisse der Mitspieler. An den Fragen gibt es dabei wenig zu mäkeln, und die handwerkliche Umsetzung mit abwischbaren Plättchen und Folienstiften geht soweit in Ordnung, wenn auch alles für ein Spiel von Days of Wonder ungewohnt billig wirkt. So auch und in erster Linie die Verpackung, die kaum unfallfrei zu öffen und wieder zu schließen ist (hoffentlich macht das Beispiel nicht Schule). Dass die gelegten Wettchips während des Ablaufs einer Sanduhr weiterhin umgelegt werden dürfen, ist eher eine Spielerei als ein taktisches Mittel zur Verwirrung der Gegner. Was aber haben die Verantwortlichen sich wohl mit dem Gambit-7-Chip gedacht? Natürlich steht bei diesem Spiel nicht das Gewinnen, sondern der Spaß beim Raten im Mittelpunkt, doch so kann ein einziger Glückstreffer (oder auch mal Detailwissen in speziellen Bereichen) den Spielstand kippen. Diese Tatsache führte in den verschiedenen Runden zu Achselzucken und Unverständnis.

Besser gelöst war das im amerikanischen Original Wits & Wagers. Hier gibt es keinen Gambit-7-Chip; dafür ist jeder selbst seines Glückes Schmied, da er seine gewonnenen Punkte nach eigenem Gutdünken als Wetteinsatz für die späteren Runden verwenden darf. Dabei kommt richtige Poker-Atmosphäre auf, und wer die Chance hat, nach den originalen Regeln zu spielen, sollte diese unbedingt nutzen. Gambit 7 bietet dagegen zwar immer noch überdurchschnittliche Unterhaltung für zwischendurch, aber der richtig große Wurf wurde leider nicht daraus.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
7
Spieldauer (Minuten): 
15
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
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