Abenteuer Menschheit

eine Spielerezension von Frank Biesgen - 15.02.2008
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Abenteuer Menschheit von Reich der Spiele

Der eingefleischte Fan wusste es schon immer: Die Geschichte der Siedler begann nicht erst mit der Entdeckung Catans. Bereits in der Steinzeit wurde fleißig getauscht und gebaut, und das nicht nur beschränkt auf eine kleine Insel, sondern weltweit! Die Beweise liefern Klaus Teuber und der Kosmos-Verlag mit Abenteuer Menschheit. Eine selbstverständlich aus Sechseck-Feldern bestehende Weltkarte mit starrer Zuordnung der Landschaften und Zahlen bildet den Spielplan. Den historischen Wahrheiten gemäß, gründet jeder Spieler zunächst drei Stämme auf dem afrikanischen Kontinent. Diese versorgen ihn Siedler-gewohnt per Würfelwurf mit Rohstoffen, hier Fleisch, Fell, Knochen und Feuerstein. Zusätzlich setzt jeder einen Nomaden, welcher sich in die weite Welt aufmacht, um den Stamm seines Spielers auszubreiten. Erreicht er eine ihm genehme Stelle, lässt er sich nieder und bringt eine Ansiedlung sowie, als positiven Nebeneffekt, einen Siegpunkt. Weitere Nomaden können nun auch von diesem Ort ausgesandt werden. Auf jeder Seite des Spielbretts verläuft eine separate "Fortschrittsleiste", welche die Entwicklung jedes Stammes in so wichtigen Gebieten wie Nahrungszubereitung oder der Herstellung von Waffen festhält. Prosaischer ausgedrückt: Ein Spieler kann Rohstoffkarten abgeben und dafür auf der gewünschten Leiste mit seinem Marker ein Feld vorrücken. Dies führt wahlweise zu höherer Laufbereitschaft der Nomaden des Spielers, oder er darf einmal den Räuber versetzen, der hier je nach Kontinent vom Neandertaler oder Säbelzahntiger dargestellt wird. Die übrigen beiden Leisten stehen für Fortschritte in Kleidung und Bootsbau, welche erst die Übersetzung nach Amerika oder Australien ermöglichen. Über den ganzen Plan verteilt sind Felder mit Ereignischips, die ein Spieler erringen kann, sobald sein Nomade dort eintrifft und die entsprechenden Entwicklungsstufen aufweist. Ähnlich der Rittermacht im normalen Die Siedler von Catan, erhält derjenige mit den meisten Chips zwei Siegpunkte, die er aber wieder verlieren kann, sollte ihn jemand übertrumpfen. Hinzu kommen die normalen Ereignisse der Chips, die von direkten Siegpunkten über das Versetzen der Räuber-Figur bis zur Versandung Afrikas reichen. Im letzteren Fall wird ein Wüstenchip auf ein Feld in Afrika gelegt, welches nachfolgend keine Rohstoffe mehr abwirft - die Sahara beginnt sich auszubreiten. Weitere Siegpunkte gibt es im Übrigen für die Spieler, deren Stämme als erste oder zweite auf allen Kontinenten vertreten sind, und die eine Fortschrittsleiste als erste komplett bewältigt haben. Sieger ist wie im Grundspiel der Spieler, wer zehn Siegpunkte erreicht; die zu Beginn gegründeten Stämme zählen hierbei nicht mit. Nach Ausflügen zu den Sternen und in die Antike begeben sich Die Siedler von Catan nun also zu unser aller Wurzeln - in Zusammenarbeit mit dem Magazin "Stern" und angelehnt an eine dort erschienene Artikelserie. Herausgekommen ist eine Mischung aus bekannten (die Bewegung der Nomaden entspricht der der Raumschiffe aus Sternenfahrer) und neuen Zutaten (die Fortschrittsleisten und die Verödung). Allerlei Möglichkeiten werden geboten, um Siegpunkte zu erringen, doch wer zu spät kommt, den bestrafen die Mitspieler, indem sie alle günstigen Bauplätze und nahe gelegenen Ereignischips bereits abgeräumt haben. Und hier liegt die Crux: Ohne Fleisch bewegt sich der Nomade keinen Millimeter; wem hier in den ersten Runden die Würfel nicht gewogen sind, der bekommt später im wahrsten Sinne kaum noch ein Bein auf die Erde. Öfter als bei anderen Siedler-Varianten scheinen bei Abenteuer Menschheit ein oder gar zwei Spieler bereits frühzeitig abgeschlagen. Wer mit diesem erhöhten Glücksfaktor leben kann, erhält eine hübsch aufgemachte, gut ausgestattete und thematisch wunderbar eingebettete Alternative zum Grundspiel. Allerdings auch zu dessen Preis, womit die Frage gestattet sei, ob das Ganze nicht auch als nur halb so teures Historisches Szenario III hätte veröffentlicht werden können.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
75
Jahrgang: 
2003
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
Spielethema: 
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