Aquaretto

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 28.01.2009
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Aquaretto von Reich der Spiele

Eine der ganz großen Spezialitäten und Fähigkeiten von Michael Schacht ist es offensichtlich, bestehende Spielideen mit neuen, interessanten Mechanismen zu versehen, um daraus etwas Verwandtes, aber durchaus Individuelles entstehen zu lassen. Ein anschauliches Beispiel dieses Talents ist Coloretto, ein kleines, aber feines Kartenspiel, das die Grundlage bildete für Zooloretto, welches bekanntlich zum Spiel des Jahres 2007 gewählt wurde und bereits mehrere "kleine" Erweiterungen erhalten hat.

Mit Aquaretto folgt nun gewissermaßen ein nächster größerer Ausbauschritt, mit dem der ganzen Entwicklung die Krone aufgesetzt wird. Konzipiert als absolut eigenständiges Spiel führt Aquaretto das bekannte und bewährte Konzept des Tieresammelns weiter, führt es aber in neue Dimensionen mit größeren Freiheiten und zusätzlichen Anforderungen.

Erneut sind die Spieler Eigentümer eines Tierparks. Sie legen in dieser Eigenschaft reihum knudelig illustrierte Tierplättchen auf die bereitstehenden Transportwagen, um einen davon in einem passenden Moment zu sich zu nehmen. Gleich geblieben ist zudem die Notwendigkeit, die so erworbenen Tiere im eigenen Zoo unterbringen zu können. Dieser ist als Wasserpark konzipiert mit Bassins für die einzelnen Tiergattungen.

Neu gibt es allerdings keine vorgefertigten Gehege mehr. Vielmehr können die Spieler relativ frei entschieden, welche Tierarten sie wo konkret platzieren wollen. Einzig ein genügender Mindestabstand muss gewahrt bleiben, indem Plättchen unterschiedlicher Tierarten nicht unmittelbar waag- oder senkrecht aneinander angrenzen dürfen. Das große Startbassin bietet dabei Platz für maximal drei Tierarten, doch können im Verlauf des Spiels zusätzliche Becken für weitere Arten erworben werden.

Alles übrige ist gleich geblieben. Sogenannte Geldaktionen erlauben das Erwerben, Versetzen oder Abgeben von Spielplättchen und auch der Ausbau des Zoos muss mit (raren) Münzen bezahlt werden. Tierpärchen sorgen für Nachwuchs, der seinerseits Platz im jeweiligen Becken beansprucht. Ist dieser nicht vorhanden, muss das Plättchen zusammen mit allen anderen überzähligen, die über einen der Transportwagen den Weg in den Park gefunden haben, ohne Änderung ihrer Reihenfolge in ein Depot gelegt werden, wo sie am Spielende Minuspunkte verursachen.

Dies alles ist von Zooloretto her bereits bekannt und wenig aufregend. Hingegen sind die Belohnungen für volle Gehege und die Verkaufsstände gestrichen und durch Mitarbeiter ersetzt worden, die mit jedem fünfte oder zehnte Plättchen einer Tierart hinzukommen. Sie können als Tierpfleger, Kassierer oder Trainer eingesetzt werden, die zusätzliche Siegpunkte in der Schlussabrechnung für Münzen oder bestimmte Tierplättchen im Wasserpark abwerfen oder aber die Minuspunkte für Plättchen im Depot halbieren.

Aquaretto bietet das selbe leichtfüßige und flüssige, aber alles andere als anspruchslose oder gar beliebige Spielgefühl wie Zooloretto und wird dessen Liebhaber auf Anhieb begeistern. Ob man beide Spiele braucht, ist Ansichtssache. Als Variante gibt es zwar die Möglichkeit einer Kombination beider, die aber eher als Nebeneinander funktioniert und primär die Gesamtspieldauer anwachsen lässt. Im Direktvergleich schwingt hingegen eher Aquaretto obenaus, das interessantere Handlungsspielräume eröffnet und mehr Flexibilität bietet. Ein Spiel also, welches besser ist als das Spiel des Jahres - diese Auszeichnung muss erst noch geschaffen werden!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
Auszeichnungen: 
Spielefamilie: 
Spielegattung: 
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