Archaeology

eine Spielerezension von Wolfram Troeder - 16.10.2010
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Archaeology von Z-Man Games

Es gibt Gelegenheiten, die sich nicht für ein "großes" Spiel eignen. Manchmal fehlt einfach nur die Zeit oder die Mitspieler lassen sich nur für etwas Leichteres begeistern. Mein derzeitiger Favorit für diese Anlässe ist Archaeology von Z-Man Games. Die Regeln sind einfach genug, um Gelegenheitsspieler nicht abzuschrecken, bieten aber dem Vielspieler genug Spieltiefe.

Die 87 Karten sind ansprechend gestaltet und aus stabilem Karton, aber nicht überfrachtet. Die scheinbare Sprachhürde, die Titel sind in Englisch, verflüchtigt sich bei näherem Hinsehen, da die Karten im Prinzip sprachunabhängig gestaltet sind und eine gute deutsche Regel beiliegt. Das Packmaß ist noch dazu erfreulich klein, sodass es sich auch in fast jeden Urlaub mitnehmen lässt.

Das Spielprinzip ist simpel; man muss möglichst viele gleiche Fundkarten sammeln und auslegen. Diese Fundkarten repräsentieren je ein archäologisches Objekt, vom Pergamentschnipsel bis hin zur Pharaonenmaske. Jede Karte hat neben einer gelungen Illustration zum Kartentitel die spielrelevanten Werte aufgedruckt. Da ist zum einen die Gesamthäufigkeit einer Karte sowie deren Handelswert, zum anderen am unteren Rand eine Leiste, die das Verhältnis zwischen Anzahl gleicher, ausgelegter Karten und Siegpunkten angibt. Grundsätzlich gilt: je mehr gleiche, desto besser. Der Pferdefuß ist nicht nur, dass das Verhältnis nicht linear ist, sondern auch bei maximal 4 oder 5 Karten abbricht.

Die restlichen Karten bringen Aktion ins Spiel. Der gerade gezogene „Dieb“ erleichtert einen Mitspieler um eine Handkarte. Der „Sandsturm“ hingegen betrifft alle Spieler und reduziert ihre Kartenhand auf die Hälfte. Die verlorenen Karten verschwinden nicht auf einen Ablagestapel, sondern ergänzen den offen ausliegenden Markt. An der Pyramidenkarte warten drei Stapel von drei, fünf und sieben Fundkarten auf den Besitzer von einer, zwei und drei „Landkarten“. Dass die Landkarten nicht nur einen hohen Handelswert haben, sondern auch noch Siegpunkte einbringen, macht das Dilemma für den glücklichen Besitzer nicht kleiner.

Die Spielvorbereitungen sind simpel. Die Fundkarten werden gemischt, und jeder Spieler erhält vier Karten. Die Stapel an der Pyramidenkarte werden gebildet und fünf Karten als Markt offen in die Mitte gelegt. Danach werden die acht „Dieb“-Karten, die vier bis sechs „Sandsturm“-Karten (abhängig von der Spielerzahl) und die sechs „Landkarten“ in den verbleibenden Stapel gemischt.

Beginnend beim Startspieler wird im Uhrzeigersinn gespielt. Jeder Spieler muss eine Karte ziehen und ggf. gezogene Aktionen durchführen. Danach kann er in beliebiger Reihenfolge und mehrfach Karten mit dem Markt tauschen, Pyramidenstapel über Landkarten erwerben und Karten auslegen. Grundlage des Tauschs mit dem Markt sind die Handelswerte der Karten. Der Spieler legt eine Anzahl Werte in den Markt und kann sich bis zu dieser Höhe wieder Karten von dort nehmen. Für die Pyramidenstapel legt er die geforderte Anzahl „Landkarten“ dort ab. Die Stapel werden nicht wieder aufgefüllt. Stapel abgelegter Karten sind sicher vor Dieb und Sandsturm, dürfen aber auch nicht mehr erweitert werden. Mehrere Stapel gleicher Karten sind dabei möglich.

Ist der Talon leer, kommt es zum Endspiel. Nun muss jede Runde mindestens eine Karte ausgelegt werden. Sind die Hände schließlich auch leer, kommt die Endabrechnung. Jeder Spieler erhält für seine ausgelegten Karten die entsprechenden Punkte. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Die thematische Tünche ist bei Archaeology dünn, das tut dem Spielspaß aber wenig Abbruch. Die Spannung ist bei dem erheblichen Glücksanteil hoch, Vielspieler können aber durch Abschätzen von Wahrscheinlichkeiten, dem Zählen von Karten und dem Beobachten und Einschätzen der Mitspieler die Kontrolle erhöhen. Die Lernkurve ist nicht übermäßig steil und die Spieldauer überschaubar, was zu erfreulich niedrigen Einstiegshürden und schnellen Erfolgen führt. Der Wiederspielfaktor ist ist aufgrund des Glückselements, der Interaktivität und der gelungenen Gestaltung hoch. Einzig Ägyptologen werden ihre professionellen Erwartungen enttäuscht sehen. Bei mir gehört Archaeology zu fast jeder Spielrunde als Füller, wenn mal wieder nicht alle pünktlich sind.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2009
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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