Aronda

eine Spielerezension von Jörg Deutesfeld - 27.09.2008
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Aronda von Clemens Gerhards Holzwaren

Dekorative Brettspiele aus Holz sind meistens etwas Besonderes für die Sinne und erfreuen das Auge. Wenn sie dann aber auch noch durch ihren Spielreiz überzeugen und unheimlich viel Freude bereiten, dann hat man sicherlich ein Qualitätsprodukt in Händen.

In dem mittlerweile fast schon zum Markenzeichen des Herstellers Gerhards Spiel und Design gewordenen, recht nüchternen naturbelassenen braunen Pappkarton mit einem unscheinbaren Aufkleber, der auf den Inhalt hinweist, befindet sich das wunderschön gearbeitete und aus Massivholz gefertigte 25 mal 25 Zentimeter große „Spielbrett“, sowie die 32 Setz- beziehungsweise 36 Besitzsteine, die ebenfalls aus Holz und in dezenten Rot und Schwarz gehalten sind. Praktischerweise gibt es für die Spielsteine direkt einen kleinen verschnürbaren Leinensack dazu - da dürfte zumindest in Sachen handwerklicher Qualität und Sorgfalt nichts mehr schief gehen und dem Anspruch von Ludwig Gerhards - dem kreativen Kopf des Herstellers - an eine hochwertige Verarbeitung seiner Produkte in Verbindung mit einem gewitzten Design als wesentlichem Teil seiner Unternehmensphilosophie Rechnung getragen worden sein.

Die Entwickler von Aronda

Michail Antonow und Jens-Peter Schliemann sind im Brettspielbereich längst ein Begriff. Gemeinsam haben sie bereits das Spiel Karibik entwickelt und können auf eine ganze Reihe von Preisen und Nominierungen für ihr bisheriges Schaffen zurückschauen. So wurde Michail Antonow unter anderem mit dem Strategiespiel Conhex für den International Gamers Award und Jens-Peter Schliemann mit dem Mensa Select nominiert, um nur einige zu nennen.

Die Idee und Entwicklung von Aronda

Michail Antonow war es, der die grundlegende Idee von Aronda mit der „Eroberung von Außen“ hatte. Übersetzt bedeutet das, wenn ein Spieler die Mehrheit der Nachbarfelder eines Spielfeldes besitzt, gewinnt er dieses Feld dazu. Allerdings arbeitet man sich von außen zum Zentrum vor und dabei können interessante Kettenreaktionen auf dem Spielfeld ausgelöst werden, für die sich nun nicht mehr nur die beiden Autoren begeistern können.

Für Aronda wurden von den Machern viele verschiedene Ideen für Spielpläne ausprobiert und wieder verworfen. Hierbei hat Jens-Peter Schliemann mit mathematischen Tricks immer wieder versucht, möglichst viele Felder mit ungerader Nachbarzahl sowie ein Spielbrett mit einer ungeraden Anzahl an Spielfeldern zu entwickeln. Da es allerdings mathematisch beweisbar unmöglich, ein Spielfeld zu entwerfen, welches eine ungerade Anzahl an Feldern hat und bei dem gleichzeitig alle Felder eine ungerade Anzahl an Nachbarfeldern aufweisen, hat bei Aronda nur das Mittelfeld eine gerade Nachbarzahl - doch nun genug von der mathematischen Theorie und mittenrein in ein spannendes Spiel für Zwei.

Aronda - so wird es gespielt

Wie bereits erwähnt steckt bei “Aronda“ die Grundidee in der Eroberung der Spielfelder von außen, die sich wie folgt gestaltet: Auf dem Spielbrett befindet sich das kreisförmige Spielfeld, welches in vier unterschiedliche konzentrische Kreise mit weiteren Feldern unterschiedlicher Wertigkeit unterteilt ist, die es durch das Aufstellen der eigenen 16 Setzsteine zu erobern gilt.

Pro Zug dürfen je Spieler zwei Setzsteine gespielt werden, wobei es egal ist, ob diese nun gemeinsam auf ein Feld oder auf zwei verschiedene Felder gesetzt werden. Wichtig ist lediglich, dass man immer mit den äußeren Feldern anfangen muss und nur Felder, die mit denen der eigenen Farbe nach außen verbunden sind, zum weiteren Setzen benutzt werden dürfen.

Im Laufe des Spieles gilt es jetzt, die Felder durch geschicktes Platzieren der Setzsteine zu erobern. Für die unterschiedlichen Felder benötigt man zwischen zwei, drei oder auch vier Setzsteine, je nach Wertigkeit des Feldes. Besitzt man die notwendige Anzahl von Setzsteinen auf einem Feld, so tauscht man diese gegen einen Besitzstein der eigenen Farbe aus. Außerdem wird überprüft, ob man nicht vielleicht auch noch Nachbarfelder mit einem Besitzstein für sich gewinnen kann. Sobald ein Spieler zwei Nachbarfelder eines Zweier-Feldes, drei Nachbarfelder eines Dreier-Feldes oder vier Nachbarfelder eines Vierer-Feldes besitzt und das Feld noch nicht im Besitz des gegnerischen Spielers ist, darf er dort einen weiteren Besitzstein platzieren. Dies kann unter Umständen zu der bereits oben erwähnten „Kettenreaktion“ von auszulegenden Besitzsteinen führen und macht einen nicht unerheblichen Reiz dieses Spieles aus.

Solange aber durch die Setzsteine noch keine Mehrheit auf einem Feld entstanden ist, können beide Spieler Setzsteine in dieses Feld setzen. Ist allerdings erst einmal ein Besitzstein platziert worden, so dürfen auf diesem Feld keine weiteren Setzsteine mehr platziert werden. Ziel des Spiels ist es letztlich, von den 25 vorhandenen Feldern am Ende mehr Felder zu besitzen als der Gegner - also mindestens 13.

Auch wenn sich das alles jetzt sehr kompliziert anhört, so gestalten sich doch die Regeln dieses Spiels in der Praxis als sehr einfach und schnell umsetzbar. Innerhalb kürzester Zeit hat man die grundlegenden Mechanismen verstanden und kann bereits an seiner „Taktik“ arbeiten.

Wie gut ist Aronda?

Die Spielidee von Aronda ist zeitlos und erfrischend - da gibt es für mich keine Zweifel. Durch die zahlreichen verschiedenen Vorgehensweisen, um an sein Ziel zu gelangen, wird dieses Spiel immer wieder anders und neu erlebbar - insbesondere da man bei wechselnden Spielern immer wieder neue Varianten entdeckt und seine Taktik überarbeiten muss.

Zwar mag der Grundmechanismus auf den ersten Blick an Klassiker wie Mühle erinnern und oftmals entscheidet nur ein Feld über den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage, doch gerade dies macht das schnelle und dennoch taktisch kniffelige Spiel für mich interessant. Zudem muss man sich auch nicht lange mit aufwendigen Regeln auseinandersetzen und kann jederzeit munter drauf los spielen. Der Preis mag zwar vielleicht den einen oder anderen abschrecken, doch dürfte dieses Spiel nie in die Verlegenheit geraten Knicke im Spielplan aufzuweisen oder sich beim Verschütten von Getränken in seine Bestandteile aufzulösen. Für mich eine absolute Kaufempfehlung!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spielerzahl: 
2
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
Fotos
Aronda von Clemens Gerhards Holzwaren
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