Asteroyds

eine Spielerezension von Silke Groth - 09.10.2010
  Spiel bewerten Spiel kaufen kommentieren
Asteroyds von Reich der Spiele

Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis. Rennen, in diesem Fall das griffig formulierte "Todesrennen des Verlorenen Schwarms im Ujitos-System", wurden nicht in Formel-1-Boliden ausgetragen, sondern in Raumschiffen, die ungefähr wie eine Mischung aus Rasenmäher und Damenschuh aussahen. Rennfahrer hießen nicht Schuhmacher, Vettel oder Hamilton, sondern M'handa M'hand, Yayenek oder Mastress Dolkorosa Guell. In diese Zeit katapultiert es bis zu sechs Spieler, die in besagtem Rennen als erster alle Zieltore durchfliegen wollen.

Zu Beginn herrscht auf dem Spielplan noch die unendliche Leere des Hex-Weltalls. Da ein Rennen ohne Hindernisse aber langweilig ist, werden nach Vorgabe verschiedene Asteroiden, Zuschauertribünen und Plattformen verteilt. Die zu durchfliegenden Tore dürfen natürlich auch nicht fehlen. Beginnend von den Plattformen in der Mitte geht die Reise los. Zu Rundenbeginn rollen aber erst einmal drei verschiedenfarbige Würfel, die Bewegung auf die Spielfläche bringen, denn die sechseckigen Tore und Asteroiden sind bewegliche Objekte. Der Würfelwurf gibt an in welche Richtung sich das Objekt in der Farbe des Würfels bewegt. Einige Asteroiden besitzen zwei Farben und bewegen sich daher zweimal pro Runde. Jede Farbe verhält sich dabei anders und sie unterscheiden sich in ihrer "Flugweite" (bis zu zwei Felder) beziehungsweise darin,  ob sie andere Objekte vor sich herschieben oder von ihnen aufgehalten werden.

Jeder Spieler programmiert nun unter Zeitdruck (ein Asteroyds-Timer liegt dem Spiel bei) seine Flugroute, dabei stehen nur vier rudimentäre Befehle zur Verfügung. Bis zu sechs Mal kann das Raumschiff entweder ein Feld geradeaus, im 90-Grad-Winkel abbiegen oder eine Wende in die entgegengesetzte Richtung durchführen. Ein siebter Befehl kann unter Wegfall eines Schutzschildes optional programmiert werden. Wer bremst, hat Angst! Nach Ablauf des Timers bewegen sich zunächst die Asteroiden, danach erst die Raumschiffe. Hier zeigt sich nun wer die Bewegung der Flugkörper richtig eingeschätzt hat. Jedwede Kollision sollte vermieden werden, da die Bewegung sofort beendet wird und dies Schadenspunkte kostet, von denen ein Raumschiff nur fünf Punkte verkraften kann, bis es einen Dauerparkplatz auf dem Raumschifffriedhof erhält. Zusammenstoßen können die Flieger hingegen nicht, da ein Feld Platz für mehrere bietet. Durchfliegt ein Raumschiff ein Tor, bekommt der Spieler als Belohnung ein entsprechenden Marker. Sobald ein Spieler alle vier Tore durchflogen hat, ist das Spiel beendet. Neben diesem "normalen" Rennen bietet das Spiel noch weitere Varianten, bei denen zum Beispiel auf Objekte geschossen wird und die unterschiedlichen Piloten eine Spezialfähigkeit besitzen, die sie einmal pro Spiel einsetzen können.

Der Ersteindruck von Asteroyds ist eigentlich durchweg positiv. Schönes Material, ein Gimmick, wie den kleinen Timer, an Stelle der sonst meist verwendeten Sanduhr und ein Mechanismus der positive Erinnerungen an Robo Rally aufkommen lässt. Im Grunde ist Asteroyds eine vereinfachte Version dessen unter verstärktem Zeitdruck. Es gibt weniger Bewegungsmöglichkeiten, zudem ist man hier nicht seiner Kartenhand ausgeliefert, kann also immer dorthin fliegen, wo man denn hin möchte. Auch Mitspieler können einem nicht in Quere kommen und so die Programmierung durcheinander bringen. Der Spielplan ist variabel, das Spiel durch die Asteroidenbewegungen immer anders.

Die ersten Zweifel treten aber schon während des Spielaufbaus auf. Dieser ist bereits sehr zäh: 36 Plättchen wollen auf dem Plan nach Anleitung untergebracht werden. Diese sind beidseitig bedruckt, was die Suche nach den richtigen Teilen erschwert. So geht einige Zeit ins Land bis alles an seinem Platz liegt. Der Mechanismus der beweglichen Asteroiden klingt in der Theorie sehr interessant ist in der Praxis aber unausgereift. Die Durchführung erfordert einen zu großen Verwaltungsaufwand, die den Großteil des Spieles verbraucht. Auch die Farbgestaltung der Asteroiden wird zum Problem, da die zweifarbigen Exemplare kaum als solche identifizierbar sind. Die Spielregel lässt an mehreren Stellen einen gewissen Interpretationsspielraum hinsichtlich der Asteroidenbewegung zu. Das eigentliche Interessante, die Programmierung und die Durchführung des Fluges, rückt durch diese Mängel zu sehr in den Hintergrund, das Spiel ist einfach nur anstrengend.

Robo Rally mag chaotisch und fast unplanbar gewesen sein, aber es war schnell, nie langweilig und ein richtiges Spaß-Spiel (zumindest wenn man dem Mechanismus der programmierten Bewegungen generell etwas abgewinnen kann). Asteroyds (Ystari Games) schafft es zu keinem Zeitpunkt diesen Spielreiz zu entfachen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spielerzahl: 
2 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
40
Jahrgang: 
2010
Spielkategorisierung
Mehr zum Spiel
Brettspiele-Newsletter von Reich der Spiele abonnieren