Attika

eine Spielerezension von Silke Groth - 31.10.2005
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Attika von Hans im Glück

Wir befinden uns auf der griechischen Halbinsel Attika. Hier gilt es, den Aufbau eines Stadtstaates zu übernehmen, indem wichtige Infrastrukturen wie Tempel, Theater und Orakel, ein Hafen mit Schiffen und einiges mehr geschaffen werden. Spielziel ist es, alle 30 eigenen Gebäude zu verbauen oder die sich ebenfalls auf der Insel befindlichen Heiligtümer miteinander zu verbinden.

Zunächst erhält jeder der Mitstreiter einen der Stadtstaaten in Form eines Bauplans, auf dem alle Gebäude gegliedert in sieben thematische Gruppen, wie Seefahrt oder Verteidigung, abgebildet sind. Der Spielplan ist mit unterschiedlichen Ressourcen belegt, an den gegenüberliegenden Ecken befinden sich die Heiligtümer. Vor Spielbeginn legt jeder Spieler seine Gebäude verdeckt in vier Stapeln vor sich ab. Sodann erhalten die Spieler von jedem ihrer Stapel jeweils das oberste Gebäude zur Ablage auf ihrem Bauplan und außerdem Ressourcen in Form von Landschaftskarten. Der aktive Spieler hat nun folgende Möglichkeiten: Er kann erstens entweder von seinen Gebäudestapeln zwei Gebäude aufdecken, um diese sofort auf dem Spielplan zu verbauen oder zur späteren Verwendung auf seinem Bauplan abzulegen. Die zweite Möglichkeit besteht darin, bis zu drei Gebäude vom eigenen Bauplan auf den Spielplan zu legen. Drittens schließlich können schlicht drei Landschaftskarten nachgezogen werden.

Die Baukosten sind auf den jeweiligen Gebäudeplättchen abgebildet, die mit den entsprechenden Landschaftskarten bezahlt werden müssen. Da das Bauen teuer ist, empfiehlt es sich, jede Chance zur Senkung der Baukosten zu nutzen. Dies kann beispielsweise erreicht werden, indem man die auf dem Spielplan vorhandenen Ressourcen einsetzt. Noch effektiver ist es jedoch, die auf dem Bauplan festgelegte Reihenfolge einzuhalten. Dann nämlich darf man sogar ganz umsonst bauen. Gelingt es, alle Gebäude einer thematischen Gruppe untereinander verbunden zu bauen, zum Beispiel im Bereich der Versorgung Brunnen, Kornfeld, Mühle und Dorf, erhält man als Bonus eine Amphore, die als zusätzliche Aktion eingesetzt werden kann, um beispielsweise ein Gebäude mehr zu verbauen. Wem es durch geschicktes ökonomisches Bauen und ein wenig Glück gelingt, eine der beiden oben genannten Bedingungen zu erfüllen, dem ist schließlich der Sieg gewiss.

Attika ist ein absolut großartiges und spannendes Städteausbauspiel mit extrem großem Suchtfaktor, das insbesondere durch seine brillante Mischung aus Aufbau- und taktischen Legeelementen besticht. Spannend wird es nicht zuletzt durch das winzige Quäntchen Glück, das darüber entscheidet, welches Gebäude man als nächstes aufdeckt. Dann nämlich steht man vor der Entscheidung, entweder sogleich zu bauen und damit zu riskieren, dass später die sinnvolle Baureihenfolge nicht mehr eingehalten werden kann, oder das Gebäude zunächst auf seinem Bauplan abzulegen und damit wiederum zu riskieren, dass der Gegner einem die fruchtbarsten Landstriche vor der Nase wegschnappt oder gar die Heiligtümer miteinander verbindet. Da der Platz auf der Insel begrenzt und das Bauen teuer ist, ist es wichtig, hier stets eine wohl überlegte Entscheidung zu treffen. Und wie riesig ist erst die Freude, wenn man es dann tatsächlich geschafft hat, eine der Themengruppen untereinander zu verbauen, während die Mitspieler womöglich noch verzweifelt nach einem Platz suchen, um etwa endlich ihre Hauptstadt bauen zu können. Und ist die Partie dann beendet und der Sieger gekürt, möchte man sofort wieder von vorne loslegen, weil es einfach unglaublich viel Spaß macht zu bauen, zu taktieren oder einem Mitspieler den Weg vor dem Heiligtum gerade noch so eben abzuschneiden.

Bleibt noch zu loben, dass Attika in jeder Besetzung gleich viel Spaß macht, insbesondere aber für das Spiel zu zweit sehr gut geeignet ist. Alles in allem hat Attika das Zeug zum Klassiker à la Carcassonne oder Alhambra, gerade weil es, wie eben jene, trotz weniger einfacher Regeln zu maximalem Spielspaß führt. Ein Meisterwerk!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2003
Spielkategorisierung
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