Batavia

eine Spielerezension von Michael Weber - 12.10.2008
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Batavia von Reich der Spiele

Batavia ist die Neuauflage des völlig zu Unrecht kaum beachteten Spiels Moderne Zeiten, dessen Spielanleitung nur ein Wort verdiente: katastrophal. Statt um Aktien und Moderne geht es in Batavia aber um die ostindischen Handelswege des 17. Jahrhunderts. Der Spielablauf wurde nur wenig verändert, an einigen Stellen aber verfeinert, was dem Spiel sehr gut bekommt. Es ist jetzt zu einer runden Sache geworden mit einer Anleitung, die keine Fragen offen lässt.

Zu Beginn einer Runde wird eine zufällig ermittelte Anzahl von Schiffskarten versteigert, die zu den fünf bedeutenden Handelsnationen England, Dänemark, Frankreich, Niederlande und Schweden gehören. Das Gebot des siegreichen Spielers geht reihum verteilt an die Mitspieler (die benutzten Wechselscheine gibt es nur mit dem Wert eins). So muss man bei den Auktionen überlegen, ob man die passenden Karten findet und wie viel man bereit ist, den Mitspielern an Wechseln zu geben.

Anschließend hat reihum jeder Spieler die Möglichkeit, entweder zwei Schiffskarten verdeckt zu ziehen oder eine Aktion auszuführen. Diese setzt sich zusammen aus dem Ausspielen wenigstens einer Schiffskarte, wobei man in dieser Art dann die einfache Mehrheit haben muss, dem Vorrücken der eigenen Kaufmannsfigur auf eine auf dem Brett befindliche Station der Länder, in denen man eine Mehrheit an Schiffskarten hat, dem Platzieren einer eigenen Warenkiste in das Kontor der zu dieser Station gehörenden Warenart sowie dem eventuellen Eintauschen von Stationsplättchen in Goldstücke, was auf einer Wertungsleiste festgehalten wird. Fazit: Ohne eigene Mehrheit mit Schiffskarten, kann man nichts machen. Hat man wenigstens eine Mehrheit, eröffnen sich alle Möglichkeiten.

Wesentlich für das Spiel sind zwei Aspekte. Zum einem muss man genau schauen, welche Mehrheiten man auslegt, damit man bestimmte Stationen erreichen kann, die den gewünschten Kontoren zugeordnet sind. Denn eine Mehrheit oder zumindest die zweitgrößte Anzahl von Kisten im Kontor, bringt am Spielende wichtige Goldstücke für die Endabrechnung. Doch dazu muss man zunächst die passende Mehrheit erreichen. Das klingt auf dem ersten Blick leicht, ist aber einerseits von den bei den Auktionen angebotenen Karten und den mitbietenden Spielern abhängig, andererseits davon, ob ein Piratenüberfall droht. Dieser trifft bei einer bestimmten Gesamtzahl von vor allen Spielern zusammen ausliegenden Schiffskarten ein und vernichtet alle Schiffskarten der Länder, von denen die meisten Karten ausliegen. Dieser Piratenüberfall muss aber nicht nur beim Auslegen beachtet werden, sondern lässt sich prima als taktisches Mittel nutzen, um Mehrheiten zu zerstören. Da jedem Warenkontor genau einmal eine Station eines Landes zugeordnet ist, hat dies indirekt Einfluss auf die möglichen Mehrheiten in den Kontoren, denn nur wer eine Mehrheit an passenden Schiffskarten hat, darf die Handelsstationen der Länder betreten.

Der Ablauf des Spiels ist nach wenigen Runden begriffen und dank der hervorragenden Anleitung lassen sich Fragen schnell klären. Die Möglichkeiten, die das Spiel bietet sind jedoch tiefgründiger, sprechen aber dennoch auch "Normalspieler" an. Der Zufall ist ganz sicher vorhanden, doch wird er als Glückskomponente meiner Meinung nach deutlich überschätzt. Man hat immer Möglichkeiten, aus seinen Schiffskarten etwas zu machen, wenn man weiß, wie es anzustellen ist. Zudem kann man auch Mitspieler bei Aktionen bewusst in die Höhe treiben, um selbst von dessen Gebot beim Verteilen der Wechsel zu profitieren. Und der Piratenüberfall bringt letztlich einen taktischen Zug mit großem Ärgerfaktor ins Spiel. Alles zusammen macht Batavia zu einem optisch ansprechenden Spiel mit beliebtem Thema und einem gar nicht mal kleinen Spielreiz. Kein Überflieger, aber ein solides und gutes Spiel, das eine breite Gruppe von Spielern anspricht.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
3 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
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