Black Box +

eine Spielerezension von Carsten Pinnow - 30.09.2007
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Black Box + von Franjos

Neuauflagen sind ja so eine Sache: Handelt es sich dabei nur um einen einfachen Reprint, sodass man seine eigene Ausgabe behalten kann? Oder ist das neue Design soooo viel besser, dass man die alte besser noch schnell gebraucht verkauft? Bei Black Box + stellt sich zumindest letztere Frage nicht, da sich optisch nicht viel verändert hat. Dafür wird als „+“ aber eine Erweiterung des alten Spiels mitgeliefert, die es separat nie zu kaufen gab: Auf der Rückseite des schachbrettartigen Spielplans befindet sich nun ein zweiter, der aus sechseckigen Feldern besteht.

Das Spielprinzip ist das gleiche wie bei der Urfassung: Einer der beiden Spieler versucht als „Forscher“ herauszufinden, wo sich die Atome befinden, die der „Molekülbauer“ zuvor auf einem Blatt Papier markiert hat. Der Spielplan stellt die „Black Box“ dar, in die der Forscher Elektronen hinein schießen kann. Diese werden an den Atomen reflektiert und bei direktem Aufprall auch absorbiert. Mittels farbiger Holzsteine, die sich farblich gut voneinander unterscheiden lassen, markiert der Forscher seine Versuche, bis er genau weiß, wo sich die Atome befinden.

Oder sagen wir besser: Bis er glaubt, es zu wissen. Denn manche Atom-Anordnungen lassen sich leider nicht eindeutig bestimmen, sodass der Forscher in solchen Fällen raten muss. Die Anleitung empfiehlt, solche Konstellationen grundsätzlich zu vermeiden, verzichtet aber auf Beispiele. Wer gerne eins hätte, muss aber eigentlich nur daran denken, dass Atome Elektronen reflektieren und folglich ein Atom so platzieren, dass es von den anderen quasi „geschützt“ ist.

Doch egal, ob man mit vier, fünf oder sechs Atomen spielt: Der sechseckige Spielplan ist nicht nur etwas größer, er ist auch kniffliger. Und das aus zwei Gründen: Zum einen gibt es nicht mehr eine einfache Reflektion nach links oder rechts, sondern zwei verschiedene Reflektionswinkel. (Wer sich an seinen Physikunterricht noch erinnern kann, hat aber mit der einfachen Formel Einfallswinkel = Ausfallswinkel kein Problem!) Und zum anderen kommt es schlichtweg zu mehr Reflektionen. Diese sind besonders fies, wenn ein Elektron gleich mehrfach abgelenkt wird. Mit etwas Pech kann der Forscher natürlich auch genau die falsche Stelle auswählen, an der das Elektron über mehrere Atome so reflektiert wird, dass es auf der anderen Seite der Black Box genau so wieder rauskommt, als wäre es überhaupt nicht reflektiert worden.

Ist der Forscher also zu forsch, kann es durchaus zu falschen Schlussfolgerungen kommen. Das ist zwar nicht weiter schlimm, da diese Fehler auffallen, wenn die Ergebnisse der Folgeversuche unerwartet sind, doch manchmal kann es ein wenig dauern, bis man einen solchen Fehler verstanden –und korrigiert - hat. In den allermeisten Fällen ist das Spiel jedoch schnell vorbei, weshalb es sich nach ein paar Partien mit vier Atomen auf dem alten Brett empfiehlt, zu den organischer wirkenden Sechseckfeldern mit fünf oder sechs Atomen zu wechseln.

Das Spielgefühl erinnert an Mastermind: Der Mitspieler konstruiert irgendeine abstrakte Kombination, die es durch Ausprobieren und Logik zu ermitteln gilt. In der Plus-Version zieht Black Box an seinem Konkurrenten aber zumindest optisch vorbei und ist ein ausgezeichnetes Knobelspiel, das jeden Mastermind-Fan begeistern dürfte. Wer Black Box noch nicht sein Eigen nennt, sollte schnell zugreifen, bevor auch diese Auflage wieder vergriffen ist.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2007
Spielkategorisierung
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