Bootleggers

eine Spielerezension von Frank Biesgen - 31.10.2005
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Bootleggers von Eagle Games

Schauplatz: die USA in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Es ist die Zeit der Prohibition: Produktion, Vertrieb und Konsum von alkoholischen Getränken sind landesweit per Gesetz verboten. Doch die damit verbundene Hoffnung, die Kriminalität zu verringern und die Sterblichkeitsrate zu senken, werden in ihr Gegenteil verkehrt. Illegale Schnapsbrennereien und geheime Kneipen schießen wie Pilze aus dem Boden. Das Verbrechen organisiert sich und kassiert riesige Gewinne.

Hier treten die Spieler auf den Plan, um als Alkoholschmuggler (Bootleggers) Whiskey zu brennen und für den Transport zum Endverbraucher zu sorgen. Dazu haben die angehenden Mobster anfänglich eine kleine Destille und ein paar ergebene Handlanger. In jeder der bis zu zwölf Runden ermitteln die Spieler per Würfel ihre private Whiskeyproduktion. Der Schnaps wird daraufhin mittels LKW in eine der möglichen Kneipen befördert. Wiederum entscheidet ein Würfelwurf, wie viel Alkohol in den einzelnen Kneipen konsumiert wird, und die Spieler kassieren Bares, das in der nächsten Runde investiert werden kann.

Soweit das nackte Handlungsgerüst. Entscheidend für den Ablauf von Bootleggers sind aber zwei Kartensätze. Die „Muscle Cards“ entscheiden über die Spielreihenfolge einer kompletten Runde. Alle erhalten zu Beginn zwölf davon, eine für jede Runde, und spielen gleichzeitig eine verdeckt aus. Je höher die Karte, desto teurer auch die damit verbundenen Kosten. Aber das Privileg, frühzeitig handeln zu können, wiegt dies in der Regel wieder auf. Denn jetzt kommen die „Thug Cards“ ins Spiel: Mit ihrer Hilfe lässt sich beispielsweise die eigene Brennerei aufrüsten oder gar eine weitere eröffnen. Man kann für gesteigerte Nachfrage in den Kneipen sorgen. Und es gibt viele unterschiedliche Aktionskarten, die man zum späteren Einsatz auf die Hand nehmen kann. Der Höchstbieter hat den ersten Zugriff auf eine dieser Karten, die übrigen Spieler folgen in der zuvor ermittelten Reihenfolge.

Wichtig ist außerdem, in welche Kneipen man seine Männer schickt, denn ein Spieler mit Mehrheit erlangt höheren Profit und kann obendrein bestimmen, welcher seiner Konkurrenten ebenfalls dort verkaufen darf – natürlich gegen eine angemessene Beteiligung. So wird Runde um Runde produziert, transportiert und abkassiert, und am Ende gewinnt selbstredend derjenige mit den meisten Dollars.

Bootleggers überzeugt zunächst einmal durch seine verlagstypisch gelungene Ausstattung: Sorgfältig modellierte Figuren, die als Besitzmarker dienen, ein hübsch düsterer Spielplan, zahlreiche unterschiedlich gestaltete Karten sowie Spielgeld, das seinen Namen auch verdient hat. Im Gegensatz zu einigen anderen Spielen des Herstellers stimmt hier aber auch der Spielwitz. Der Ablauf jeder Runde ist unkompliziert, dabei aber nicht simpel, die Wartezeiten sind angenehm kurz, und obwohl viel gewürfelt wird, bleibt Einiges an Freiraum für Entscheidungen. Selbst die Handelsphase, die nach Lektüre der Anleitung etwas nach gewollter Interaktivität klingt, funktioniert überraschend gut. Hier kann wirklich mit allem ein Geschäft gemacht werden, einschließlich Drohungen und leerer Versprechungen. Wie sehr das klappt, hängt natürlich auch von der Bereitschaft der Spielerunde ab, ein paar Rollenspiel-Elemente einfließen zu lassen – versagt das Handeln, dann hängt der Spielreiz schon etwas durch.

Ein paar Tatsachen trüben den Spaß jedoch leicht. So wären LKW unterschiedlicher Größe praktikabler gewesen, nicht mit nur einer schwarz auf schwarz eingeprägten Zahl, die schon der jeweilige Besitzer kaum erkennen kann. Auch mehr Geld, gerade bei voller Besetzung, wäre durchaus sinnvoll gewesen. Und eine gewisse Vorsortierung der Karten, denn wer zu Beginn in den Besitz einer zweiten Destille oder mehrerer zusätzlicher Marker kommt, während die Mitspieler Runden lang darauf warten müssen, der kann schon einen ordentlichen Vorsprung erringen, der nur schwer wieder aufzuholen ist. Genauso kann umgekehrt ein einzelner Spieler unverschuldet schon zu Beginn ziemlich zurückfallen.

Trotzdem bleibt insgesamt ein positiver Eindruck zurück. Wer ein Faible für das Thema hat und die Glückskomponente nicht scheut, der sollte einen Blick riskieren und sich dabei nicht von der Anleitung abschrecken lassen. Die ist zwar (wie die Spielkarten) auf englisch und wirkt zunächst recht umfangreich, ist aber schon mit normalem Schulenglisch verständlich und mit vielen anschaulichen Beispielen ausgestattet. Wobei ehrlicherweise erwähnt werden muss, dass man die ganze Atmosphäre des Spiels nur auskosten kann, wenn man auch die zahlreichen Slang-Ausdrücke versteht.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
3 - 6
Spieldauer (Minuten): 
90
Jahrgang: 
2004
Fotos
Bootleggers von Eagle Games
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