Burg der 1000 Spiegel

Das Spiel mit Spiegeln

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 18.09.2009
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Burg der 1000 Spiegel von Kosmos

Der Vampir Victor ist ein sehr kleiner und sehr, sehr vergesslicher Vampir, der auf der Burg seiner Ahnen lebt. Da seine Familie recht groß war, ist logischerweise auch die Burg riesengroß und hat entsprechend viele Zimmer. Da kann es schon mal passieren, dass er etwas von seinen wichtigeren Sachen in irgendeinem dieser Zimmer liegen lässt und auf einmal gar nicht mehr so genau weiß, wo er es hingelegt hat. Nun wäre eigentlich guter Rat teuer. Aber zum Glück gibt es ja die mitspielenden Kinder oder gar erwachsene Mitspieler, die ganz uneigennützig dem armen Viktor helfen wollen, seine verschusselten Sachen wiederzufinden.

Zu diesem Zweck haben die Mitspieler vier Spiegel zur Verfügung. Mit ihrer Hilfe kann man in die entferntesten Ecken der Burg spähen und die verlegten Dinge hoffentlich ans Kerzenlicht holen, denn Vampire mögen ja kein Sonnenlicht.

Der Aufbau des Spiels geht recht leicht von statten, denn der Karton selbst verwandelt sich mit wenigen Handgriffen in Victors Burg. Am Rand werden die zwölf Fensterkarten eingesteckt, wovon allerdings lediglich eine Karte eine Sichtöffnung hat. Auf den anderen sind innenseitig die gesuchten Gegenstände aufgedruckt. Über alles wird der Fußboden ausgelegt, auf dem Victor seine Rundgänge macht. Dieser Fußbodenplan ist zweiseitig verwendbar, einmal mit Hilfslinien für die Spiegelungen und einmal ohne diese. Im 45 Grad Winkel sind im Fußboden Schlitze angeordnet, in welche die vier Spiegel eingeschoben werden können. An die insgesamt zwei bis vier Mitspieler werden zudem „Ja/Nein“ Tippkärtchen verteilt. Zum Schluss wird Victor noch auf eines seiner Lauffelder gestellt, sowie die zur Belohnung vorgesehenen „Blutdrops“ bereit gelegt und schon kann das Spiel beginnen.

Die Fensterkarten wurden zu Beginn des Spiels für alle sichtbar in ihre Positionen gesteckt und die Mitspieler konnten sich merken, wo in etwa welche Gegenstände positioniert sind. Wenn nun ein Spieler am Zug ist, muss er als erstes die Fensterkarte mit dem „Gucklochfenster“ mit einer beliebigen anderen Fensterkarte für alle sichtbar austauschen. Anschließend wird Victor per Würfelwurf bewegt. Jedem Lauffeld ist dabei eine Gedankenblase zugeordnet. Wenn Victor zum Stehen kommt, können damit auch alle Mitspieler sehen, welchen Gegenstand er also gerade sucht.

Nun muss der aktive Spieler versuchen, Victor zu helfen, indem er sich daran zu erinnert, wo die verlegte Sache stecken könnte. Dazu hat er drei Versuche, um durch das Umstecken der vier Spiegel mittels Spiegelung bzw. Strahlengang die von Victor vermisste Sache im Gucklochfenster sichtbar zu machen. Schafft er dies, erhält er zur Belohnung von Victor einen „Blutdrops“. Parallel dazu haben die Mitspieler mittels ihrer Tippkärtchen verdeckt getippt, ob der aktive Spieler die Aufgabe gemeistert hat. Wer richtig getippt hat, erhält ebenfalls einen Drops. Der aktive Spieler hat jetzt noch die Möglichkeit einen zusätzlichen Drops zu erhalten, wenn er das korrekte Fensterplättchen, auf welchem der Gegenstand abgebildet ist, innerhalb der Burg bezeichnen kann. Danach endet diese Spielrunde und der nächste Spieler ist an der Reihe. Das Spiel insgesamt ist zu Ende, wenn ein Mitspieler eine vorher definierte Anzahl von „Blutdops“ vorweisen kann.

Um das Spiel für erfahrene Spieler schwieriger zu machen, kann die Fußbodenplatte ohne eingezeichnete Lichtstrahlen oder eine zusätzliche, geschlossene Tür zum Einschieben verwendet werden, welche den Strahlengang unterbricht und verkomplizieren kann.

Das Spiel ist wunder-, wunderschön gestaltet, das Spielmaterial stimmig und die kuffigen Grafiken von Michael Menzel passen dazu, wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Dazu kommt noch das relativ neue Spielelement mit den Strahlengängen und der Lichtspiegelung. Allein hier hat sich der Verlag allerdings keinen Gefallen getan, ein zu niedriges Einstiegsalter anzugeben. Sechsjährige sind mit dem sicheren Umgang dieser physikalischen Prinzipien sichtlich überfordert. Mindestens acht Jahre sollten die Mitspieler schon sein. Hinzu kommt noch das Problem mit dem Memoeffekt. Hier müssen die Fensterplättchen beim Umstecken beobachtet werden. Und so wird der Frustfaktor manchmal in nicht zu unterschätzende Höhen getrieben.

Leider kann das Spiel nicht dauerhaft begeistern, was aus der Mischung der unterschiedlichen Spielelemente resultiert, wird aber in regelmäßigen Abständen immer wieder gern aus dem Schrank geholt. Unabhängig davon, ist es schön zu sehen, dass es sehr wohl möglich ist, Kindern spielerisch physikalische Phänomene nahe zu bringen und dem Experimentierdrang freien Lauf zu lassen. Schon dafür gebührt dem Autorenteam größter Respekt.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
6
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2009
Spielkategorisierung
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