Byzanz

eine Spielerezension von Michael Weber - 09.10.2008
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Byzanz von Amigo Spiele

Manchmal sind es die kleinen Freuden, die das Leben versüßen. So ist es auch mit Byzanz. Das fast schon unscheinbare, wenn auch gut illustrierte, Kartenspiel sorgt anfangs für überraschend viel Spielspaß. Das hätte man dieser kleinen Schachtel nicht zugetraut.

Im Grunde ist Byzanz zunächst ein simples Versteigerungsspiel. Warenkarten werden feil geboten. Jeder Spieler darf pro Runde einen Satz ersteigern, indem er darauf Handkarten bietet. Das Problem ist nur, dass in jedem Versteigerungsgang weniger Karten zu bekommen sind. Während es anfangs je nach Spielerzahl um fünf oder sechs Karten geht, darf sich der letzte Spieler immerhin noch über ein oder zwei, dann mangels Konkurrenz günstige, Karten freuen. Doch nicht immer ist die größte Kartenzahl auch die mit den für die eigenen Wünsche passendsten Warenkarten. Andererseits kann man doch nicht viele Karten kampflos einem Mitspieler überlassen. So ist allein die Bietrunde schon von Taktik und etwas Spannung geprägt. Hinzu kommt, dass neben dem eigenen Gebot aus Warenkarten der eigenen Hand auch eine der ersteigerten Karte auf den Markt von Byzanz wandert.

Die Karten auf dem Markt werden im Laufe der Versteigerung nach Warensorten gruppiert. Das hat einen entscheidenden Zweck, denn am Ende der Versteigerung dürfen die Spieler in umgekehrter Reihenfolge der ersteigerten Kartenzahl (also der mit den wenigsten ersteigerten Karten zuerst) eine Warengruppe aus dem Markt auswählen und auf die Hand nehmen. Wer anfangs eine große Zahl von Karten erzockt hat, geht zum Beispiel leer aus, wenn die Mitspieler alle mit ähnlichen Warenkarten bezahlen und die letzte Warensorte genommen wird, bevor er wählen darf. Wer die letzten Karten ersteigert hat, geht zwar bei der Versteigerung fast leer aus, darf aber nach Herzenslust eine Warensorte vom Markt nehmen, was je nach Spielerzahl und vorherige Gebotshöhen eine Menge passender Karten bedeuten kann.

Doch wozu das Ganze? Es geht bei Byzanz darum, dass man die Warensorten in Punkte umwandelt. Dazu müssen drei Karten der gleichen Sorte abgelegt werden, was allein wegen des Limits von nur sieben Handkarten häufiger passieren muss, als man eigentlich möchte. Die Karte mit dem höchsten Wert darf man als Punktwert behalten. Dazu gibt es noch Händlerkarten, die eine Jokerfunktion beim Ablegen haben, aber bei drei abgelegten Händlerkarten fünf Punkte bringen - und damit einen mehr, als man im Idealfall für eine eingetauschte Warensorte erhalten kann. Am Ende des Spiels, wenn alle Warenkarten versteigert wurden, siegt der Spieler mit den meisten Punkten.

Es ist schon erstaunlich, wie aus einem simplen Versteigerungsmechanismus noch ein pfiffiges und durchaus anspruchsvolles Spiel werden kann. Zwar lässt sich Byzanz locker-flockig nebenher spielen und dürfte damit "kneipentauglich" sein, aber die taktischen Überlegungen sind nicht zu verachten. Auch wenn die einzelnen Komponenten nicht neu sind: Gebotshöhe, Timing und die Wahl der richtigen Warenkartensorte sowie der Blick auf die Mitspieler und die Entscheidung, Karten mit einem höheren Wert für die Versteigerung oder das Eintauschen zu verwenden, lassen Byzanz zu einem kurzweiligen, leichten, aber keinesfalls seichten Vergnügen werden. Das Spiel ist ideal für größere Runden, macht aber auch zu dritt Spaß.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
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