Candamir

Die ersten Siedler

eine Spielerezension von Silke Groth - 31.10.2005
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Candamir von Reich der Spiele

Mit Candamir erzählt uns Klaus Teuber die Vorgeschichte seiner Siedler von Catan, wir erleben also quasi die "Episode 0" der sagenumwobenen Insel. Mittellos gestrandet an der Küste Catans versuchen die Spieler nun sich hier eine Existenz aufzubauen, sprich: Ein Haus zu errichten, eine Schafherde zu züchten und den eigenen Acker zu bestellen. So möge das Abenteuer also beginnen.

Die zentrale Aufgabe der Spieler ist die Ausführung der Wünsche der Dorfbewohner, für deren Erfüllung Siegpunktsteine in den entsprechenden Wunschlisten platziert werden dürfen. Hierzu müssen entweder Rinder oder Bergziegen entdeckt oder mittels gesammelter Rohstoffe Waren hergestellt werden. Da bei jeder Wanderung Gefahren lauern und Abenteuer bewältigt werden müssen, ist der Ausbau des eigenen Charakters von großer Bedeutung. Wie in einem "richtigen" Rollenspiel besitzt jeder Charakter Grundwerte in den vier Bereichen Charisma, Geschick, Kampf und Stärke, die im Laufe des Spieles durch Erfahrung oder Gegenstände verbessert werden können. Zusätzlich hat jeder Charakter noch zwei individuelle Charakterfähigkeiten, die ihm besondere Aktionen erlauben.

Zu Beginn jeder Runde darf mit Rohstoffen, Naturalien und Tränken gehandelt werden, auch untereinander. Ansonsten stehen grundsätzlich immer zwei Aktionsmöglichkeiten zur Auswahl: Entweder wird die eigene Spielfigur auf Wanderung geschickt oder es darf "gebaut und gebraut" werden. Bei einer Wanderung wird nun zunächst das Ziel in Form eines verdeckten Zielplättchens festgelegt. Für jeden Schritt auf dem Spielplan muss eine Wegekarte aufgedeckt werden, die maximale Zugweite richtet sich nach dem Konditionswert des eigenen Charakters. Jede Wegekarte markiert sozusagen den aktuellen Standort der Spielfigur, von dem aus in eine der vier Richtungen gezogen und gegebenenfalls ein Ereignis durchgeführt werden muss. Je nachdem für welche Richtung der Spieler sich entscheidet, können Kämpfe gegen Bären, Wölfen oder Schlangen ausgefochten, Candamir beim Holzfällen geholfen, ein Abenteuer bestanden oder Naturalien gefunden werden. Entscheidet sich der Spieler zu kämpfen oder stellt er sich der Herausforderung eines Abenteuers, muss er eine Würfelprobe erfolgreich bestehen. Dafür muss ein bestimmter Herausforderungswert einer Charaktereigenschaft mit einem Würfel erreicht oder übertroffen werden. Zum Würfelwurf wird hierbei noch der entsprechende Charakterwert addiert. Das bedeutet natürlich, dass ein erfahrener Charakter bessere Chancen hat , eine Probe erfolgreich zu bestehen. Bei Misserfolg verliert der Spieler Konditionspunkte, bei einem Erfolg winken Rohstoffe, bei Abenteuern sogar Erfahrung und Tränke.

Erreicht der Spieler sein Zielplättchen, erhält er die darauf abgebildete Belohnung. Das sind in allgemeinen Rohstoffe und Erfahrungspunkte, können aber auch Gegenstände oder Tiere sein.

Um die zweite Aktionsmöglichkeit ,das Bauen und Brauen, nutzen zu können, muss sich die Spielfigur immer im Dorf befinden. Hierbei werden Rohstoffe zu Waren (Schwert, Pergamentfenster und Truhe) und Naturalien zu Tränken (Met, Heiltrank und Brigittas Trank) verarbeitet. Waren dürfen jedoch nur dann gebaut werden, wenn hierfür auch Bedarf besteht. Die produzierte Ware kann dann bei den Dorfbewohnern eingetauscht werden. Hat ein Spieler einem Dorfbewohner die meisten Wünsche erfüllt, darf er einen Sondersiegpunkt setzen, der jedoch wieder verloren gehen kann, falls ihn ein Mitspieler noch übertrifft. Gleiches gilt für den Titel "Held Catans", den derjenige erhält, der die meisten Abenteuer erfolgreich bestanden hat.

Das Spiel endet sobald ein Spieler seinen zehnten Siegpunktstein setzen konnte. Dieser Spieler hat dann das Spiel gewonnen.

Candamir ist ein faszinierendes und spannendes Spiel, das durch seine sehr gute Kombination aus neuen, nämlich Rollenspielflair a la Rückkehr der Helden, und bereits aus anderen Teuber-Spielen bekannten Elementen besticht. Der Reiz liegt hauptsächlich in der Entwicklung des eigenen Charakters und in dem spannenden Abenteuergeschehen, das maßgeblich durch die Wegekarten gesteuert wird. Diese Wegekarten ermöglichen dem Spieler, selbst zu entscheiden, welchen Herausforderungen er sich auf seinem Weg stellen will. So kann es beispielsweise vernünftiger sein, einen Umweg in Kauf zu nehmen, wenn auf dem direkten Weg ein Gegner lauert, dem der Charakter nicht oder noch nicht gewachsen ist.

Spannend wird der Wettlauf um die Siegpunkte auch durch die Sondersiegpunkte, da diese im Laufe des Spiels öfter ihren Besitzer wechseln können und einem Spieler somit seine Führungsposition niemals sicher ist. Durch den Einsatz von Met können zurückliegende Spieler immer noch darauf hoffen aufzuholen, da hierdurch Spieler mit mehr Siegpunkten kurzfristig ausgebremst werden können und sie so an Kondition und damit an Zugweite verlieren. Positiv soll an dieser Stelle auch einmal angemerkt werden, dass man bei Candamir nie ganz aus dem Spiel ausscheidet, da stets die Möglichkeit des Ausheilens besteht.

Alles in allem ist Candamir ein tolles Spiel mit großem Suchtfaktor, das in jeder Besetzung Spaß macht, insbesondere aber zu zweit. Einige mögen vielleicht den relativ großen Glücksfaktor und die verhältnismäßig wenig vorhandene Interaktion bemängeln, was aber aufgrund der stimmigen Umsetzung dem Spielreiz keinerlei Abbruch tut. Darüber hinaus sind natürlich durchaus taktische Erwägungen vonnöten. Candamir ist somit sowohl für Viel- als auch für Gelegenheitsspieler gleichermaßen gut geeignet und sollte eigentlich jedem gefallen. Und noch etwas ist Klaus Teuber gelungen: Das doch sehr spezielle Element des Rollenspieles einem größeren Spielerkreis zugänglich zu machen. Chapeau!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
60 - 120
Jahrgang: 
2004
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
Spielethema: 
Fotos
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