Carcassonne - Die Burg

eine Spielerezension von Silke Groth - 31.10.2005
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Carcassonne - Die Burg von Anita Borchers

Carcassonne - eine Stadt erstrahlt im Licht der untergehenden Sonne. Während Ritter und Knappen ihre Pferde versorgen, Händler laut schreiend ihre Ware anpreisen und Herolde zum Palas eilen, erhebt sich hinter der Stadt hoch aufragend und schier uneinnehmbar mit ihrer mächtigen Mauer die Burg. Dies ist das Ambiente in dem uns Altmeister Reiner Knizia sein zwei-Personen-Taktik-Spiel nach dem Carcassonne-Spielsystem von Klaus-Jürgen Wrede präsentiert.

Und das geht so: Die Spieler legen Zug um Zug die Burgkarten innerhalb der Burgmauer aus. Hier besteht bereits der erste Unterschied zu den anderen Spielen aus der Carcassonne-Familie. Während dort von innen nach außen in einen unbegrenzten Bereich gebaut wird, ist das Spielfeld hier durch die Burgmauer begrenzt und es wird nach innen gebaut. Dabei entstehen verschieden lange Wege, unterschiedlich große Türme, Häuser und Höfe.

Die Spieler erhalten sieben Gefolgsleute und den Palas. Je ein Gefolgsmann wird als Zählstein auf die Burgmauer gestellt, auf der sich die Wertungsleiste befindet. Auf den Ecktürmen der Burgmauer liegen verdeckt Mauerplättchen aus, die den Spielern durch ihre besonderen Eigenschaften Vorteile verschaffen können (zum Beispiel fünf Extrapunkte bei der Schlusswertung). Ein Mauerplättchen erhält der Spieler, der nach einer Wertung genau das entsprechende Feld erreicht. Es kann daher durchaus sinnvoll sein, durch das Errichten kleinerer Gebiete schnell Punkte zu sammeln, um so eines der begehrten Mauerplättchen zu ergattern.

Der Spielablauf gleicht im Wesentlichen dem der anderen Carcassonne-Spiele: Der Spieler muss eine Burgkarte vom verdeckten Stapel ziehen und anlegen. Er kann dann einen seiner Gefolgsleute auf die soeben gelegte Burgkarte setzen. Sind durch das Anlegen der Burgkarte fertige Wege, Türme oder Häuser entstanden, müssen diese jetzt gewertet werden. Für die einzelnen Gebiete gelten verschiedene Wertigkeiten, so bringt zum Beispiel ein fertiges Haus pro Gebietsteil nur einen Punkt, ein Turm hingegen zwei Punkte.

Am Schluss werden das größte fertige Haus (auch Palas genannt) und die Höfe (sind hier die Wiesen, auf denen sich Märkte befinden) gewertet. Für unfertige Gebiete gibt es im Gegensatz zum Original-Carcassonne keine Punkte, es sei denn, man konnte während des Spiels ein entsprechendes Mauerplättchen einheimsen. Der Spieler mit dem größten Palas erhält zusätzlich die Anzahl der Punkten, die sich aus dem größten zusammenhängenden Gebiet der noch freien Felder ergibt. Es gewinnt der Spieler mit den meisten Punkten.

Carcassonne - Die Burg ist ein wirklich großartiges Spiel das sich nahtlos in die Spiele-Familie einfügt. Die Idee, das Ambiente in die Burg außerhalb der Stadt zu verlegen und durch einen anderen Autor ein Spiel nach seinen Vorstellungen, aber mit dem Carcassonne-Spielsystem gestalten zu lassen, ist geradezu brillant gelungen. Reiner Knizia hat hierbei seine ganz persönliche Note hinterlassen, sodass sich das Spiel trotz des gleichen Systems ganz anders als seine Vorgänger spielt.

Man mag geteilter Meinung darüber sein, ob es wirklich sinnvoll ist, immer neue Ableger von Carcassonne auf den Markt zu bringen und dabei auf die Verkaufswirksamkeit des Namens zu setzen. Vereinzelt hört man ja bereits Stimmen, die das Ganze als "Ausbeutung des Erfolges" werten. Warum aber sollte es nicht verschiedene Varianten desselben Themas geben? Carcassonne - Die Burg ist wirklich ein völlig eigenständiges Taktikspiel, das - und hierin unterscheidet es sich wiederum nicht von seinen Verwandten - einen sehr hohen Suchtfaktor birgt. Man möchte es einfach immer wieder spielen. So soll es doch wohl sein oder? Spitzenklasse!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spielerzahl: 
2
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
30 - 45
Jahrgang: 
2003
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
Spielegattung: 
Fotos
Carcassonne - Die Burg von Anita Borchers
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