Das Schwarze Auge - Basisbox 4. Auflage

ein spielerischer Artikel von Cornelia Simon - 31.08.2001

Die Ausstattung der Basisbox zur vierten Auflage des Rollenspiels Das Schwarze Auge ist geradezu reichhaltig. Neben der obligatorischen Farbkarte und einer Hand voll Würfel gibt es Kurzübersichten, Heldendokumente, eine Völkerkarte, ein kleines Heft mit aventurischen Archetypen (typische Heldenfiguren) und eine Gebrauchsanleitung (!), die Um- beziehungsweise Neueinsteiger an die Hand nimmt. Dazu liegt ein Band mit zwei Kurzabenteuern bei, die in die neue Regelwelt einführen. Eine Kurzübersicht gibt alle wesentlichen Änderungen zur dritten Regelauflage wieder. Herz der Box ist aber das 160 Seiten dicke Regelheft.

Inhaltlich hat sich einiges getan. Die Heldenerschaffung ist mit den neuen Regeln wesentlich komplexer und komplizierter geworden. Wichtig ist zunächst, dass Heldenfiguren nicht ausgewürfelt werden, sondern im Baukastenprinzip je nach Wunsch des Spielers ausgestaltet werden können. Dazu stehen Generierungspunkte zur Verfügung. Die Herkunft, Eigenschaftswerte, Vor- und Nachteile, Talentpunkte - all das gibt es nach wie vor, nur dass diese Dinge bei der Erschaffung nun "gekauft" werden.

Das Spiel ist zwar das Alte geblieben, doch haben sich allein mit der Charaktererschaffung so viele Dinge geändert, dass Neueinsteiger ältere Abenteuer nur unter Schwierigkeiten spielen können, Umsteiger sich an viele Dinge - zum Teil mit schwerem Herzen - gewöhnen müssen. Letztlich haben es Aventurien-Erfahrene aber etwas einfacher. Sie können sich aus den alten und neuen Regeln das für sie Beste heraus picken und nach einer eigenen Mixtur spielen.

Eines der größten Probleme der Basisregeln ist die Beschränktheit auf das Wesentliche. Zwar gibt es mit Schwerter und Helden, Zauberei und Hexenwerk sowie Götter und Dämonen für die verschiedenen Heldentypen eigene ausführliche Regelboxen, doch dürften besonders Anfänger an einigen Stellen der Basisbox weiterführende Informationen vermissen.

Neue Regeln schaffen Probleme. Wie bereits angedeutet sind die verschiedenen Regelauflagen nur unter Anstrengungen miteinander vereinbar. Durch die nun niedrigere Lebensenergie und erschwerten Talentproben sind Abenteuer aus jeweils anderen Regeleditionen als die, mit der die Helden geschaffen wurden, nur mit mühsamen und vorsichtigen Umrechnungen spielbar. Letztlich bleiben aber auch in einer detailliert beschriebenen Welt wie Aventurien auch Regelboxen nur Vorschläge, an denen man sich orientieren soll. Man darf ja Regeln weglassen, modifizieren oder durch alte ersetzen. Allerdings sollte dabei im Fall der Neuauflage ganz besonders darauf geachtet werden, die bestehende (Spiel-)Welt nicht aus dem Regelgleichgewicht zu bringen.

Insgesamt ist die Basisbox aber eine lohnende Anschaffung, die Änderungen sind weitreichend und überwiegend sinnvoll. Neueinsteiger wie alte Hasen werden aber nicht darum herum kommen, sich intensiver mit den Inhalten der ergänzenden Boxen auseinander zu setzen.

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