Die Speicherstadt

... so mok wi dat

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 27.06.2010
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Die Speicherstadt von eggertspiele

Hamburg um 1900, die Speicherstadt mitten im Hafen der alten Hansestadt pulsiert. Ständig legen Schiffe aus allen Ländern der großen weiten Welt an oder brechen dorthin wieder auf. Die unterschiedlichsten Güter und Handelswaren werden umgeschlagen, in Lagerhäusern eingelagert oder gleich an die entsprechenden Händler weiterverkauft. Große und wichtige Gebäude entstehen und versprechen Ansehen, Reichtum und Macht. Aber Vorsicht, wenn nicht rechtzeitig in eine gute Feuerwehrtruppe investiert wird, können sich schnell alle Träume von Ruhm und Reichtum in ein Häufchen Asche verwandeln.

Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Kaufleuten, welche jeweils ein großes Handelshaus in Hamburg leiten. Ein Jahr lang haben sie Zeit, der Konkurrenz zu zeigen, wie man richtig wirtschaftet. Dazu müssen sie Handelskarten ersteigern, welche ihnen verschiedenste Möglichkeiten eröffnen. So können Gebäude gebaut, spezielle Händler eingestellt, eine funktionsfähige Feuerwehr ausgebildet und natürlich die Ladung von einlaufenden Schiffen aufgekauft werden, um diese dann speziellen Warengeschäften zuzuordnen.

Mit ein wenig Kapital, ein paar Arbeitern und einer Markthalle startet jeder Spieler in diese Unternehmung. Mit Hilfe der Arbeiter wird auf die Handelskarten geboten. Dabei kommt ein interessanter und trickreicher Mechanismus zum Tragen. So wird jeweils der einzelne Arbeiter derjenigen Karte zugeordnet, auf welche man bieten will. Der Preis allerdings richtet sich nach der Gesamtzahl der Arbeiter aller Spieler, welche auf diese Karte bieten. Das erste und damit höchste Gebot hat der Spieler, welcher den ersten Arbeiter platziert hat. Ist ihm der Preis zu hoch und er steigt aus der Auktion aus, kommt der zweite Arbeiter mit einem um eins reduzierten Angebot zum Tragen. Gleichzeitig aber werden die Auktionen der einzelnen Karten nacheinander abgearbeitet. Da die Barschaft der Kontrahenten jederzeit offen liegt, kommt hier ein schönes Zockermoment zum Tragen. So ist man immer wieder im Zwiespalt, vielleicht doch noch auf eine zusätzliche Karte bieten zu wollen oder den Preis für eine Karte, welche ein Mitbewerber unbedingt haben möchte, durch den Einsatz zusätzlicher Arbeiter künstlich nach oben zu treiben.

Die Handelskarten sind den einzelnen Jahreszeiten zugeordnet und es ist zwar bekannt, welche Karten in welchem Quartal erscheinen werden, nicht aber wann genau, denn ein Quartal kann je nach Anzahl der Mitspieler durchschnittlich zwischen zwei und vier Runden beinhalten. Deshalb kann man sich nie sicher sein, ob auch die Karten, welche in der eigenen Strategie eine Rolle spielen, rechtzeitig versteigert werden oder ob man zum Zeitpunkt des Erscheinens der Karte überhaupt in der Lage ist, diese zu ersteigern. Letztendlich läuft das Spiel auf eine optimale Abstimmung der eigenen Karten hinaus. Das Wichtigste ist und bleibt aber, dass die Ladungen der Schiffe zu Geld oder besser noch, direkt zu lukrativen Siegpunkten gemacht werden müssen.

Leider gibt es neben den bereits erwähnten auch noch einen zusätzlichen Unsicherheitsfaktor im Spiel. In schöner Regelmäßigkeit kommt es nämlich in der Speicherstadt zu unangenehmen Bränden, und das trifft vor allem denjenigen Spieler sehr hart, welcher zu wenig in die Feuerwehr investiert hat und unterstützt im Gegenzug den Spieler, welcher sich die beste Feuerwehrtruppe geleistet hat.

Speicherstadt, ist ein kleines, aber sehr feines und vor allem schnelles Spiel mit einem ungewöhnlichen, aber sehr gut funktionierenden Mechanismus. Das Spiel ist stimmig und verbreitet viel Atmosphäre, unterstützt von der sehr gut angepassten Grafik und dem schönen Material, es passt einfach alles wunderbar zusammen. Fast wähnt man sich wirklich an einer Waren-Termin-Börse um 1900. Die Regel ist gut geschrieben und schnell verinnerlicht, allerdings sollte man trotzdem mindestens eine Proberunde einplanen, um alle Handelskarten und ihre Wirkungsweise in ausreichendem Maße kennen zu lernen. Aufgrund der recht kurzen Spieldauer wird jedoch schnell der Ruf nach einer Revanche-Partie laut. In den Testrunden konnte das Spiel in jeder Besetzung überzeugen, dabei spielt sich eine Zweipersonen-Partie natürlich deutlich grüblerischer und taktischer als eine Partie in voller Besetzung zu fünft.

Kurzes und knappes Fazit: Absolute Kaufempfehlung! Vor diesem Hintergrund ist es für mich allerdings absolut unerklärlich, warum das Spiel weder auf den Empfehlungs- noch auf den Nominierungslisten für das Spiel des Jahres 2010 auftaucht.

Video: 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2010
Spielkategorisierung
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