Die hängenden Gärten

eine Spielerezension von Michael Weber - 12.10.2008
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Die hängenden Gärten von Reich der Spiele

Auf dem ersten Blick ist das Bemerkenswerteste an diesem Spiel, dass es von einem taiwanesischen Autor stammt. Höchst exotisch also. Das Thema dagegen ist eher Standard. Einen Garten sollen die Spieler bauen. Ähnliche Konzepte gab es immer mal wieder. Doch dieses hier ist irgendwie anders. Zwar hängt der Garten am Ende nicht, aber der überraschend simple Mechanismus sorgt dafür, dass es zumindest so scheint. Denn Karten, auf denen sechs Gartenelementfelder abgebildete sind, von denen die meisten leer sind, müssen versetzt übereinander gelegt werden. Dabei sollen möglichst häufig möglichst viele gleiche Elemente nebeneinander liegen. Das wiederum ist nicht so einfach, weil eine versetzt auf eine andere Karte gelegte Karte eben ein paar Gartenelemente verdecken muss. Durch die Anhäufung der Karten kommt es zum Eindruck des "Hängens". Das hat allerdings den unschönen Nebeneffekt, dass die Karten mitunter schon einmal aus der Lage rutschen.

Wer am Zug ist, muss eine von vier ausliegenden Karten nehmen und auf seinem bisherigen Garten platzierten. Dabei müssen jedoch auf der Karte abgebildete Elemente stets auf einer bereits liegenden Karte platziert werden. Das ist beim Auslegen genau der Knackpunkt, denn nicht immer kann man die neue Karte platzbringend oder die Elemente gar effektiv neben bereits liegende Elemente anlegen. Häufig genug muss man in den sauren Apfel beißen und eine kurz vor der Wertung stehende Elementgruppe überbauen.

Wertung? Sobald mindestens drei gleiche Elemente eine wagerecht oder/und senkrecht miteinander verbundene Gruppe bilden, darf man werten. Als Belohnung bekommt man eine Punktetafel, die unterschiedliche Motive zeigen und für die Schlusswertung unterschiedlich viel wert sein können. Je mehr Gartenelemente aber nebeneinander Gruppiert sind, desto größer wird die Zahl der ausliegenden  Punkteplättchen, aus der man wählen darf. Da die Wertigkeit der Punkteplättchen mit steigender Anzahl gleicher Plättchen stark ansteigt (Beispiel Kelchplättchen: eins bringt nur drei Punkte, zwei schon sieben, drei sind 12 wert und für vier gibt es ganze 20 Punkte), versuchen die Spieler, passende Plättchen zu bekommen. Dafür ist es aber mitunter notwendig, mehr als drei Gartenelemente nebeneinander zu gruppieren, was ein gewisses Risiko darstellt, überbauen zu müssen, und die Häufigkeit der möglichen Wertung tendenziell verringert.

Eine gewertete Gruppe wird übrigens durch das Setzen eines Tempels gekennzeichnet. Das bedeutet auch, dass alle so verbundenen Elemente erst dann noch einmal gewertet werden können, wenn der Tempel nicht mehr mit ihnen verbunden ist. Also ist man bestrebt, das eine oder andere Element geschickt wieder durch Überbauen abzutrennen, um eine gute Ausgangsbasis für das weitere Anlegen zu haben, was schwerer gesagt, als getan ist. So ein Tempel stört also die weitere Expansion, zumal er nicht überbaut werden darf.

Nach recht kurzer Zeit sind alle Karten verbaut (oder Wertungsplättchen aufgebraucht, was in unseren Testrunden aber nie vorkam) und gewonnen hat, wer die meisten Punkte durch die Plättchen nach Hause bringen konnte. Etwas nur eine halbe Stunde dauert der Spaß in geübten Runden, was einem immer viel zu kurz vorkommt und Lust auf eine zweite Partie macht.

Der Glücksfaktor durch die ausliegenden Karten ist nicht gerade gering, jedoch eröffnet das Spiel genug taktische Möglichkeiten, um sich nicht nur mit Pech oder Glück der anderen herausreden zu können. Nein, Die hängenden Gärten ist ein feines Spiel, das schnell, leicht und dennoch anspruchsvoll gespielt werden kann. Einziger spielerischer Kritikpunkt ist, dass die Wertungsplättchen zwar eine große Bedeutung haben, aber durch die zufällige Auslage auch hier ein nicht unerheblicher und vielleicht unnötiger Glücksfaktor ins Spiel kommt. Alternativ hätte man eine Regel finden können, nach der die Plättchen nach Wertigkeit gestaffelt nur für das Werten von Gartenelementgruppen einer bestimmten Größe zugänglich werden. Das soll aber nicht darüber hinweg täuschen, dass Die hängenden Gärten ein sehr interessantes und reizvolles Spiel ist, das mit dem Überbaumechanismus eine frisch wirkende Komponente enthält, die einfach Spaß macht.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
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