Dilluvia Project

eine Spielerezension von Olaf Bormann - 02.02.2016
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Dilluvia Project - Foto von Spielworxx

Am schwefelgelben Himmel stehen giftgrüne Wolken. Dazwischen schwebt dunkelgrau die Wolkenstadt. Da wollen wir hin? Weg von der überbevölkerten Erde? Diese Zukunftsversion vermittelt der Kartondeckel des Gesellschaftsspiels von Spielworxx namens Dilluvia Project von Alexandre Garcia.

So wird Dilluvia Project gespielt

In mittlerweile klassischer Manier setzt jeder Spieler anfangs seine sechs Arbeiter ein, um Rohstoffe, Geld, Bauplätze und Bauaktionen zu erwirken. Oha, wird so mancher kundiger Leser denken, wirbt doch Spielworxx damit, das anspruchsvolle Spiel für den anspruchsvollen Spieler zu bieten. Ich setzte voraus, dass der anspruchsvolle Spieler so manches Spiel hat oder zumindest kennt. Arbeiter-Einsetz-Spiele gibt es seit vielen Jahren zuhauf, also ein gewagter Versuch in einem gesättigten Bereich.

Die Grafik ist ungewöhnlich, aber hübsch. Das soll heißen, mit vielen Details stimmig und stimmungsvoll zum Thema. Auf den Marktplättchen sowie den Gebäuden sind manche Symbole arg klein geraten mit dem Risiko, sie schlicht zu übersehen. Die Farbwahl der Klötzchen ist grenzwertig, Weiß und Beige sowie Rot und Violett sind kaum zu unterscheiden.

Am Anfang jedes der sieben Züge können die Spieler von einem gesonderten Bereich Marktplättchen erwerben, die einmalige oder dauerhafte Effekte erzeugen. Diese sind nicht zu unterschätzen und geben mitunter auch die Richtung vor, in der sich das eigene Spiel entwickeln wird. Zu Spielbeginn sind Geld und Rohstoffe knapp. Ihnen Namen zu geben, ersparte sich der Autor, das ist auch okay so. Erst einmal gebaut, erzeugen die Gebäude der Spieler weitere Arbeiter, Geld, Rohstoffe oder Hebelpunkte. Die Gebäude differieren nach Baukosten, Größe und Output.

Wie gut ist das Brettspiel Dilluvia Project?

Sitzen die Regeln erst einmal, dann ist der Spielablauf eingängig, auch wenn es viele Ausnahmemomente durch die Sonderfigur jedes Spielers gibt. Die Konkurrenz ist weniger vorhanden gewesen, als erwartet, nur sehr selten sind in einer Reihe für die Arbeiter alle Plätze belegt. Dass überhaupt einmal die Strafgebühr für den Späteinsetzenden zu zahlen war, kam kaum vor. Ein Platz weniger pro Aktionsfeld würde den Druck deutlich erhöhen.

Zwei spannende Mechanismen

Spannend finde ich das neu geschaffene Hebelgesetz in diesem Spiel: Jedes Gebäude, egal wie groß und teuer, schafft einen Punkt. Diese werden aber nur dann in Siegpunkte umgemünzt, wenn die schon erwähnten Hebelpunkte bestimmte Auslösefelder erreichen. Pro zehn Hebelpunkte werden die Gebäudepunkte in Siegpunkte gewandelt. Bis die Hebelwirkung verinnerlicht war, dauerte es oft das ganze Spiel über. Die Komplexität von Dilluvia Project macht erst die zweite Partie relativ kurz nach der ersten zum Genuss.

Der zweite neue Aspekt dieses Spiels ist die wechselnde Funktion der Gebäude. Als eine Aktion kann der Wert, den ein Gebäude erzeugt, umgestellt werden. Hierfür den richtigen Zeitpunkt zu finden, das macht ein wesentliches Spannungselement von Dilluvia Project aus.
Wie bei Arbeiter-Einsetz-Spielen üblich, ist der Wettlauf um Bauplätze oder Marktplättchen die Berührungsfläche zu den Mitspielern. Es wird nichts verhandelt oder sich weggenommen.

Wie viele Spieler sind optimal?

Das Spiel zu zweit geht natürlich deutlich zügiger, als mit vier Spielern. Mit 90 bis 120 Minuten steht es 180+ Minuten gegenüber. Es verliert nichts an Spannung und wurde von meinen Mitspielern gleichermaßen geschätzt. Zu viert kann sich eine Partie zur Gradwanderung entwickeln und als zäh empfunden werden. Das ist nichts spezifisches von Dilluvia Project, sondern ein mögliches Problem aller komplexen Strategiespiele. So erscheint mir die Partie zu dritt als optimal.

Grundsätzlich bekannte Grundmechanismen, Arbeiter einsetzen, Rohstoffe verbauen, Einnahmen optimieren. Trotzdem spannend. Ob jeder Regelschlenker nötig ist, bleibt aber fraglich. Das Dilluvia Project bietet eine ansprechende Spieltiefe. Es kann viel variiert werden und spricht Freunde von anspruchsvoller Kost an. Die Eingängigkeit der Zugmöglichkeiten gefällt mir besonders. Den Eingangs erwähnten Versuch halte ich für gelungen, es ist ein außerordentliches Brettspiel, hebt sich allerdings nicht übermäßig von anderen komplexen Spielen ab.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
90-180
Jahrgang: 
2015
Spielkategorisierung
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