Dominion

eine Spielerezension von Michael Weber - 25.04.2009
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Dominion von Reich der Spiele

Monarch! Ja, wer will das nicht sein. Und dann natürlich Regent über unendliche Gebiete: Anwesen, Herzogtümer, Provinzen. Einfach mal Herr der Lande! Und genau das erwartet die Spieler bei Dominion von Donald Vaccarino (Hans im Glück).

Was zunächst so großartig nach Spiel um Krone und Land klingt, ist auf dem ersten Blick ein einfaches Kartenausspielen ohne allzu großen Bezug zum Thema. Na, ja, eigentlich doch. Es gibt eben kein Spielbrett mit kleinen Ritterfiguren, schönen Burgen, bösen Überfällen oder Feuer speienden Drachen. Und doch ist das alles nicht fern. Bis auf den Drachen vielleicht (noch).

Wie wird Dominion gespielt?

Dominion ist ein Kartenspiel. Und so wird alles über verschiedene Kartenmechanismen gesteuert, die nicht allzu neu sind, aber in der Kombination äußerst frisch und unverbraucht wirken. Im Spiel geht es darum, mit Geld besondere Karten zu erwerben, die Aktionen ermöglichen, mit denen letztlich wieder Geld oder endlich die nötigen Siegpunkte durch Ländereien zu erlangen. Dafür erhält jeder Spieler zu Beginn ein paar Karten Geld und ein paar Karten Siegpunkte. Dummerweise stören die Siegpunkte überraschend und das Geld reicht nicht aus.

Wesentlicher Mechanismus ist, dass die Spieler jeweils ihren Kartenstapel nutzen, um ihre Kartenhand aufzufüllen, von der sie Karten ausspielen. Siegpunkte auf der Hand sind unnütz und nehmen nur Aktionsmöglichkeiten weg, werden aber dennoch für den Sieg benötigt. Geld nutzt nur beim Kauf und stört in Kleinbeträgen (Kupfer) spätestens im Enddrittel des Spiels so sehr wie die Siegpunkte. Dafür darf man Geld immer wieder benutzen. Es wandert nach dem Kauf einer anderen Karte nämlich auf den eigenen Ablagestapel, der irgendwann gemischt wird und wieder zum eigenen Nachziehstapel wird. Insgesamt geht es also darum, aus gleichen Startbedingungen möglichst mehr zu machen als die Mitspieler, eben würdiger Monarch zu sein.

Der Mechanismus von Dominion

Aber wie funktioniert es denn nun? Wer an der Reihe ist, spielt von seinen fünf Handkarten genau eine Aktionskarte aus, was in der ersten Runde schlicht nicht möglich ist. Anschließend kann der Spieler mit ausreichend Geld genau eine Karte kaufen (Geld, Aktion oder Siegpunkte). Alle genutzten oder gekauften Karten wandern auf den eigenen Ablagestapel und vom eigenen Nachziehstapel wird bis auf fünf Handkarten nachgezogen. Fertig. 

Wirklich? Mitnichten! Denn nach zwei, drei Runden fängt das Spiel erst richtig an. Die gekauften Aktionskarten ermöglichen es, die Spielregeln zu durchbrechen. Das Dorf erlaubt zum Beispiel, sofort eine Karte nachzuziehen und zusätzlich weitere zwei Aktionskarten auszuspielen. Das kann sogar eine Kettenreaktion zufolge haben. Der Markt als weiteres Beispiel sorgt für sofortigen Kartennachschub, ermöglicht eine weitere Aktion und erlaubt es, eine zusätzliche Karte in der Kaufphase zu erwerben, die sogar um eins günstiger wird - eine starke Karte. Dazu gibt es interaktive Karten wie Miliz, Spion und Dieb oder auch Karten, mit denen die eigene Kartenhand weiter optimiert werden kann oder eine Gefahr abgewehrt wird. Im Grunde läuft aber alles darauf hinaus, möglichst viel Geld, und zwar wertvolle Geldkarten, zu sammeln, um damit möglichst gute Siegpunktkarten zu bekommen.

Kartenkombos sind das A und O

Schnell lassen sich Kartenkombos finden, mit denen man erst den eigenen Nachziehstapel auf die Hand bekommt und dann mehr und günstig einkauft. Mehr Karten auf der Hand sind grundsätzlich mehr Möglichkeiten. Aber ein wachsender Kartenstapel erfordert auch mehr Glück, um die wichtigen Karten passend hintereinander auf die Hand zu bekommen, zumal die im Laufe des Spiels größere Anzahl von Siegpunktkarten die Kartenhand lähmen. Hier ist die Reduzierung auf das Wesentliche ein Schlüssel zum Erfolg. Und wenn mal kein lukrativer Kauf möglich ist, kann man einen Mitspieler noch mit einem einen Minuspunkt zählenden und in dessen Kartenhand zukünftig störenden Fluch beglücken, der ganz kostenlos ist.

Das Spiel ist zuende, wenn keine Provinzkarten mehr vorrätig sind oder drei beliebige Kartenarten aus der Tischmitte ausverkauft sind. Sieger ist der Spieler mit den meisten Siegpunkten.

Wie gut ist das Spiel Dominion?

Dominion enthält viele verschiedenen Kartenarten, von denen pro Partie nur ein Teil genutzt werden kann. Damit sind je nach Kartenzusammenstellung abwechslungsreiche Runden möglich. Die Anleitung empfiehlt zum Beispiel die Kartensätze "Erstes Spiel", "Großes Geld", "Interaktion", "Im Wandel" und "Dorfplatz". Dieses Baukastensystem lässt zudem für Fans und natürlich auch Verlag Erweiterungen zu diesem Spiel wahrscheinlich werden.

Das Abspielen des eigenen Kartenstapels lässt das Spiel beinahe wie miteinander verknüpfte Solopartien der Mitspieler wirken. Eine echte Interaktivität ist selbst bei dem vorgegebenen Kartenset kaum vorhanden. Das ist ein großer Minuspunkt des Spiels. Aber wen interessiert denn schon, was die Mitspieler machen, wenn man selbst Monarch sein darf und das eigene Kartendeck wie in einem Sammelkartenspiel verbessert? Und das macht ja den Reiz aus: Es gibt viele Möglichkeiten, an Siegpunkte zu kommen, und somit viele Möglichkeiten, Strategien und Karten auszuprobieren. Das beschäftigt eine Weile und es fällt gar nicht auf, dass bei Dominion alle nebeneinanderher spielen. Manchmal im wahrsten Sinne des Wortes, denn wer mag schon abwarten, bis der Mitspieler seine Karten nachgezogen hat, wenn man selbst endlich loslegen will.

Zwar dauert es eine Weile, die Möglichkeiten der Karten alle zu verstehen, gleichzeitig sind die Regeln aber schnell erklärt und ein Losspielen ist problemlos möglich. Somit hat Dominion das Zeug zum Knaller: Ein gängiges Thema, frische Mechanismen, der ständige Reiz zur Verbesserung und einfache Regeln, die durch Kartentexte durchbrochen werden. Das ist schon bei Sammelkartenspielen ein Erfolgsrezept und das macht Dominion zum Spieletipp für eigentlich alle Spielerunden. War es jemals schöner, Monarch im Reich der Spiele zu sein? Auf geht's, zur nächsten Runde ...

Vertriebswechsel

Wichtiger Hinweis für alle Käufer in der Zeit nach dieser Rezension: Dominion hat mit ASS inzwischen einen neuen Vertrieb in Deutschland. Was das für die Preise bedeutet, lässt sich hier herausfinden.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
Fotos
Dominion - neue Schachtelgrafik von Hans im Glück
Dominion - alte Schachtelgrafik von Hans im Glück
Dominion - Karten von Hans im Glück
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