Don Peperoni

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 31.08.2007
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Don Peperoni von Reich der Spiele

Der Wahltag als Zahltag! Dabei soll es landläufigen Klischees zufolge im mexikanischen Hinterland (und möglicherweise auch andernorts) durchaus möglich und Praxis sein, Wählerstimmen durch Zuwendungen finanzieller Art in eine gewünschte Richtung zu kanalisieren. Und genau darum geht es bei diesem hübschen Bluff- und Schmierspiel: Die Spieler lassen Wahlhelfer durch das Dörfchen Peperoni streifen, um ihre Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters durch den Kauf der Stimmen der jeweiligen Hausbewohner zu unterstützen. Neben mehr oder weniger viel Geld kommen dabei weitere Instrumente und "Motivationsmittel" wie Pistolen, Gesetzesparagraphen oder Fegbürsten zum Einsatz, was den Wahlkampf reichlich undurchschaubar, aber umso spannender macht.

Der ansprechend gestaltete Spielplan zeigt das Dörfchen aus der Vogelperspektive mit seinen Gebäuden und Verbindungssträßchen. Ausgespielt werden die letzten acht Tage vor der Wahl. Dabei stehen je acht Einzelschritte zur Verfügung, um Gebäude zu betreten, verdeckt einen beliebigen Geldschein im Betrag von eins bis 500 abzulegen und gleich weiter zu einem anderen Haus zu eilen. Sobald in einem Gebäude zwei (bei den wertvollsten drei) Geldscheine deponiert sind, werden diese aufgedeckt und ausgewertet. Der Meistbietende sichert sich (zumindest vorläufig, siehe weiter unten) die Stimmen der Hausbewohner und hinterlässt eines seiner Wahlplakate zur Markierung des Gebäudes. Bei einem Patt können die beteiligten Spieler ihr Angebot nachträglich aufbessern, wenn sie ein weiteres Mal ins Haus zurückkehren. Wer so nach Ablauf der acht Tage die meisten Wählerstimmen gesammelt hat, gewinnt das Spiel.

Es geht also angesichts der begrenzten Anzahl Geldscheine darum, diese möglichst optimal einzusetzen. Dabei muss versucht werden, bei der laufenden Auswertung der Stimmenkäufe in den einzelnen Gebäuden Rückschlüsse auf die Strategie der Konkurrenten zu ziehen, was allerdings nur eingeschränkt möglich ist und viel Raum für Zufall bzw. Glück offen lässt. Sicherer ist es unter diesen Umständen, neben den Geldscheinen auch Agenten in die Gebäude einzuschleusen, um allenfalls eine nachträgliche Änderung der bereits vollzogenen Zuteilung einzelner Wählerstimmen zu bewirken.

Auf diese Weise können beispielsweise mit Anwälten und Pistoleros die Stimmabgabe für den eigenen Kandidaten erzwungen und mit einem Bodyguard genau solche Manöver der Gegner verhindert werden. Andererseits erlaubt der Einsatz eines Spitzels das einmalige Anschauen der bereits bei einem Gebäude hinterlegten Geldscheine, um so einen hilfreichen Überblick über die aktuellen Kaufangebote zu erhalten. Selbst Putzfrauen wirken mit und stören insbesondere die auf Diskretion angewiesenen Anwälte. Und wenn schließlich die Polizei auftaucht, erweist sich diese ebenfalls als bestechlich, sodass sie zum vorübergehenden Blockieren (gegnerischer) Wahlhelfer oder gar zum Sperren ganzer Straßenzüge eingesetzt werden kann, um so den Aktionsradius der davon Betroffenen im Kampf um die letzten Wählerstimmen entscheidend zu begrenzen.

Don Peperoni besticht durch ein einfach verständliches Spielprinzip und seine witzige Karikatur sämtlicher Vorurteile und Klischees in Bezug auf die Prinzipien und Mechanismen des südländischen (Polit-) Alltags. Dank der Möglichkeit der nachträglichen Übernahme bereits gewerteter Gebäude durch den geschickten Einsatz von Agenten bleibt der Ausgang des Spiels bis zum Aufdecken des letzten Agentenplättchens offen und spannend. Allerdings bleiben die Möglichkeiten einer wirksamen Umsetzung strategischer Vorhaben doch stark limitiert, weshalb das Spiel viel eher locker vom Hocker und mit der nötigen (mexikanischen) Sonne im Gemüt angegangen werden sollte, als mit der Absicht, das Geschehen von A bis Z planen und steuern zu wollen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
50
Jahrgang: 
2006
Spielkategorisierung
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