Dos Rios

eine Spielerezension von Michael Weber - 31.10.2005
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Dos Rios von Reich der Spiele

Das Land liegt friedlich da, die Felder beginnen zu sprießen, was noch fehlt ist das Wasser. Denn Wasser macht die Felder und damit die Ernte erst ertragreich und zu Geld. Geld benötigt man, um sich einen herrlichen Landsitz, die Hazienda zu bauen und ein paar Finkas noch dazu. Wer als erster eine Hazienda und vier Finkas gebaut hat oder eine bewässerte Hazienda und drei bewässerte Finkas, gewinnt Dos Rios.

Dos Rios. Zwei Flüsse. Diese fließen von Nord nach Süd und vom Gebirge zum Hügel zum Wald runter auf die Felder. Alles ganz natürlich. Nun liegen die Felder nicht immer besonders günstig. So schicken die Spieler ihre Campesinos (Bauern) nicht nur zum Bewirtschaften von Feldern und Wäldern, sondern auch mal zum Dammbau. Damit ist es ein leichtes, dem Flusslauf ein wenig nachzuhelfen und die eigenen Felder zu bewässern. Doch der gerade trocken gelegte Spieler wird sich mit seinen Leuten sicher rächen. Vielleicht legt er den Flussverlauf wieder mit Dämmen um, vielleicht vertreiben seine Campesinos auch die der Mitspieler von besonders lukrativen Feldern. Dazu müssen sie aber in Überzahl kommen oder von einer höheren Landschaft. Ein bisschen Taktik ist hier möglich. Vertriebene Figuren kommen in die Stadt, von wo aus sie wieder in das Spiel eingreifen können.

Mit nur sechs Bewegungspunkten ist es nicht so einfach, die eigenen Campesinos immer dorthin zu bewegen, wo man Gebäude bauen möchte, Gebiete besetzen oder einfach mal dem Flusslauf nachhelfen will. So optimiert man immer, so gut es geht, für die aktuelle Situation. Eine langfristige Planung ist zwar möglich, mit zunehmender Spielerzahl aber schneller überholt als umgesetzt.

Diese kurzfristige Optimierung ist aber dennoch bitter nötig, denn mit jedem Zug wird eine Wertung ausgelöst. Mal werden die bewässerten Felder am Grünen, mal am Braunen Fluss, mal die eine Anbausorte, mal die andere oder mal die Wälder gewertet. So kommt man nur selten in den Genuss die Spielsituation vor einer Wertung zu verändern. Gut, dass immer genau eine Runde im voraus klar ist, welche Wertungen anstehen. Wenn nicht ein Mitspieler eine Wertung auslässt und diese nach hinten in die Reihe schiebt. Bei der Wertung bekommt man 100 Rios pro bewässertes mit eigenen Gebäuden oder Figuren besetztes und bewässertes Feld oder einen Baumstamm für jedes entsprechende Waldfeld, mit dem man dann wieder Dämme bauen kann. Das Geld sammelt man, bis man sich Finkas oder gar die teure Hazienda leisten kann. Die bringen nicht nur Erträge und später möglicherweise den Sieg, sondern schützen auch mehr oder weniger gut die eigenen Campsinos.

Ein irres Spiel. Ständig ändert sich der Flusslauf, ständig werden die eigenen Figuren zurück in die Stadt vertrieben. Lediglich zu zweit kann man etwas behutsamer planen und Gebiete zumindest mittelfristig absichern. Doch auch hier ist Dos Rios hauptsächlich ein Ärgerspiel. Ein Ärgerspiel, bei dem man dem Mitspieler böses tun muss, um selbst nicht zu verlieren. Das muss man als Spieler mögen. Abgesehen davon ist das Spiel äußerst reizvoll. Selten hat es so viel Spaß gemacht, richtig baden zu gehen - besser gesagt mangels Wasser eben nicht. Ein Manko ist allerdings die kurzfristige Optimierung der Züge auf die aktuelle Wertung. Das ist nichts für Strategen. Wohl aber macht dieses Manko Dos Rios so überaus dynamisch und deshalb interessant. Man wird nach einer kompletten Runde eigentlich nie immer noch die gleiche Situation auf dem Spielbrett vorfinden. Ständig ändern sich die Flussläufe, die Positionen der Campesinos und die eigenen Chancen auf eine lukrative Wertung. Ein spannendes Gezerre um die besten Positionen auf dem Spielbrett.

 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
70
Jahrgang: 
2004
Spielkategorisierung
Spielethema: 
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