Euphoria: Build a Better Dystopia

eine Spielerezension von Hendrik Breuer - 12.08.2014
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Euphoria: Build a Better Dystopia, Spielszene, Foto: Hendrik Breuer

Ein Arbeiter-Einsetz-Spiel, bei dem man sich irgendwann entscheiden muss, ob man A) ein Buch verbrennt, somit das System unterstützt und dafür eine kurzfristige Belohnung einsackt oder lieber B), das Regime unterminiert, ein Buch liest und mit Glück längerfristig besser dasteht, ja, so ein Spiel sollte man sich mal genauer ansehen. Es kommt ja nicht oft vor, dass ein großes Brettspiel mit vielen Mechanismen, die eher dem „Euro-Spektrum“ zugerechnet werden können, in einer dystopischen Zukunft angesiedelt ist.

Die Zukunft ist kein Ponyhof

Euphoria: Build a Better Dystopia ist ein Spiel mit durchaus literarischen Qualitäten, wenngleich es sich dabei um einen ziemlich düsteren Zukunftsroman handelt. Damit setzt sich das Spiel, soviel kann schon einmal verraten werden, wohltuend von den romantisierten Mittelalterwelten ab, in denen so viele moderne Spiele verortet sind.

Wie funktioniert Euphoria: Build a Better Dystopia?

Vier Zivilisationen (u. a. Subterrans und Wastelanders) kämpfen auf dem Planeten um die Vorherrschaft und um Ressourcen. Die Spieler können die Zivilisationen mit ihren Arbeiter-Würfeln unterstützen und etwa beim Bau von Tunneln oder Märkten helfen. Je nach gewürfelter Augenzahl sind die Arbeiter unterschiedlich kompetent. Des Weiteren können die Arbeiter zur Gewinnung von Rohstoffen oder Gütern bzw. zum Tausch eingesetzt werden. Es gibt sehr viele mögliche Einsatzstellen und immer ist etwas zu tun. Ist doch mal ein Plätzchen besetzt, können Würfel meist auch verdrängt werden. Pro Zug wird normalerweise nur ein Würfel eingesetzt, sodass es schnell vorangeht.

Ziel des Spiels ist es, zehn Einflussmarker auf dem Spielbrett unterzubringen. Es gibt genügend verschiedene Möglichkeiten, seine Marker loszuwerden, sodass unterschiedliche Strategien zum Ziel führen können. Dass es nur um zehn „Siegpunkte“ geht, ist eine nette Abwechslung zu den vielen „Siegpunkte-Salat“-Spielen: Man sieht immer auf einen Blick, wie man gerade dasteht.

Es gibt noch eine Reihe an Einfluss- und Punkteleisten, die verschiedene Entwicklungen abbilden. Interessant ist insbesondere, dass man Arbeiter verlieren kann, wenn diese zu viel Wissen anhäufen. Man sieht dies an der Gesamtaugenzahl. Thematisch passt das sehr gut: Sobald die Arbeiter das System durchschauen, machen sie sich vom Acker!

Wie gut ist Euphoria: Build a Better Dystopia?

Wie gesagt, thematisch ist das Spiel ganz vorne mit dabei. Allerdings hat Euphoria: Build a Better Dystopia auch einige Schwächen. Es gibt für meinen Geschmack zu viele verschiedene Rohstoffe und Güter (insgesamt acht, dazu kommen sechs Leisten, die man auch im Auge behalten sollte). Viele Züge verbringt man damit, irgendwie Ressourcen hin- und herzutauschen, ohne genau vor Augen zu haben, was man eigentlich erreichen will. Man braucht einige Erfahrung, um zielgerichtet spielen zu können. Gerade Neulinge verlieren leicht mal den Überblick. Das sehr schöne (aber dann eben doch nicht ultra-funktional) gestaltete Spielbrett tut sein übriges, uns vom eigentlichen Spiel abzulenken. Bestimmte Effekte wie das Vorrücken auf dem „Allegiance Track“ wurden in unseren Runden häufiger vergessen.

Im Gegensatz zu anderen Spielen, bei denen man Würfel als Arbeiter einsetzt, lassen sich in Euphoria: Build a Better Dystopia die Augenzahlen nicht manipulieren, was tückisch wird, sobald man mehr als zwei Würfel hat und Gefahr läuft, bei hohen Augenzahlen Arbeiter zu verlieren. Man ist seinem Schicksal ausgelieferter als etwa bei einem klassischen Feld-Spiel. Und ob die 48 verschiedenen Rekruten-Karten einem wirklich ähnlich gute Fähigkeiten geben, sei auch mal dahingestellt. (Einige sind auf jeden Fall weitaus nützlicher als andere.)

Wir mäkeln allerdings auf sehr hohem Niveau an Euphoria: Build a Better Dystopia herum. Das Spiel ist wirklich gut und das Thema erfrischend; Zumindest wenn man einigermaßen gut Englisch versteht und sich darauf einlässt, in eine ganz neue Brettspielwelt abzutauchen. Und ja: Auch ich habe ein Buch verbrannt, um meinen letzten Marker loszuwerden. Hat sich überraschend gut angefühlt.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
13
Spieldauer (Minuten): 
60-120
Jahrgang: 
2013
Spielkategorisierung
Auszeichnungen: 
Spielegattung: 
Fotos
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Kommentare

Thanks for posting your review of Euphoria! These are some great thoughts about the game, and I particularly enjoyed the second-to-last line: " And yes, I too have burned a book to get rid of my last marker. " :)

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