Farmerama

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 05.12.2012
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Farmerama von Ravensburger

Durch die diversen „Sozialen-Netzwerke“ erfahren einfache kleine Online-Spiele einen extrem großen Zuspruch. Aber auch sonst wenden immer mehr Computer-Spieler durch den von den großen Publishern durchgedrückten Online Aktivierungszwang brüskiert, den normalen Vollpreisspielen den Rücken zu und greifen lieber zu schnell gespielten Browser-Games. Eines dieser Spielchen ist Farmerama und laut Angaben des Publishers spielen es weltweit geschätzte 39 Millionen registrierte Spieler.

Anscheinend aufgrund dieses hohen Bekanntheitsgrads hat sich Ravensburger dazu entschlossen, die entsprechende Lizenz zu erwerben und aus dem Browser-Game ein  Brettspiel zu stricken. Als Autor wurde Deutschlands Experte Nr. 1 in Sachen Brettspiel-Bauernhof verpflichtet. Uwe Rosenberg hat u.a. mit seinem Spiel Agricola in diesem Genre die Meßlatte extrem hoch gesetzt.

Bis zu vier Spieler eifern nun also in Farmerama um den bestbestellten Bauernhof. Zu diesem Zweck hat ein jeder Spieler ein eigenes Farm-Tableau mit einem Aktionsrad, einen Satz von fünf Aktionskarten, sowie zwei weitere Tableaus jeweils für Zierpflanzen und Punkte. Zusätzlich noch einen Grundvorrat an Futterpflanzen und schon kann das Spiel starten. Es wird rundenbasiert gespielt, wobei jede Runde aus den vier Phasen: Aktionskarten auswählen, Zierbauten vergeben, Aktionen ausführen und Ausmisten besteht.

Zu Beginn einer jeden Runde wählt jeder Spieler aus seinen fünf Karten verdeckt eine davon als Aktion für diese Runde aus. Haben sich zwei oder mehrere Spieler für eine identische Aktion entschieden, bekommt der Spieler der aktuell die wenigsten Zierplättchen auf seinem Tableau hat ein weiteres. Im Anschluss daran werden die gewählten Aktionen ausgeführt. Das große Aktionsrad in der Mitte der Spieler gibt dabei vor wie oft die jeweilige Aktion ausgeführt werden darf. Mit der ersten möglichen Aktion: Aussäen können auf leeren Äckern der Spieler der eigene Vorrat an Futterpflanzen vermehrt werden. Durch die Aktion: Ernten können die vermehrten Futterpflanzen von den Feldern zurück in die Scheunen genommen werden. Eine dritte Option ist: Wasser besorgen. Dabei bekommen die Spieler Wasserplättchen aus dem Vorrat. Diese werden benötigt, um das Aktionsrad bewegen zu können. Durch das Verfüttern von bestimmten Kombinationen aus Futterpflanzen für die unterschiedlichen Tierarten kann man während der Aktion: Tiere füttern diese vom Stall auf die Weide stellen. Als fünfte Aktion steht noch: Sämereien auswählen zur Verfügung. Hierbei darf man sich Futterpflanzen die aktuell nicht in der eigenen Scheune vorhanden sind, in dieselbige legen. Haben alle Spieler ihre jeweilige Aktion ausgeführt, nehmen sie die ausgespielten Aktionskarten in der Phase Ausmisten wieder auf die Hand. Das Brettspiel endet wenn keine Zierplättchen mehr ausgelegt werden können. Jetzt gibt es Punkte, pardon Sternchen für erwirtschaftete landwirtschaftliche Produkte (bzw. Tiere), sowie für ausliegende Futterplättchen, Zierplättchen und Tiere.

Die Spielregel von Farmerama ist zwar nicht sehr lang, leider aber auch umständlich geschrieben, so dass mindestens eine Partie lang „learning by doing“ angesagt ist. Die Grafik von Farmerama ist der des Browser-Games entliehen und auf Wiedererkennungswert gebürstet, vermittelt jedoch im Medium Brettspiel keinerlei Atmosphäre. So drängt sich hier leider sehr schnell der Eindruck eines Auftragsspiels auf, mit welchem die Lizenz des Browser-Games optimal ausgenutzt werden soll.

Jeder Spieler verwaltet seinen Bauernhof und optimiert ein wenig vor sich hin. Eine Interaktion mit anderen Spielern findet fast gar nicht statt. Zwar präsentiert das Spiel viele Stellschrauben, wirklich wichtig ist keine davon. Durch die vorgenannten Punkte ist es auch nicht möglich eine bestimmte Zielgruppe auszumachen die der Verlag bei der Produktion im Auge gehabt haben könnte. Für Familienspieler bietet Farmerama zu wenig Interaktion, für Wenigspieler einen zu komplizierten Einstieg. Vielspieler hingegen fühlen sich unterfordert. Und diejenigen die das Browserspiel mit Hingebung spielen bzw. arbeiten werden sich von einem Brettspiel wahrscheinlich nicht aus ihrer vertrauten Umgebung reißen lassen. So zeigt sich auch hier wieder einmal dass aus guten Zutaten, wie der Lizenz des Browse-Games und einem bekannten Spiele-Autor nicht unbedingt ein perfektes Endprodukt entstehen muss. Nicht falsch verstehen: Farmerama ist kein schlechtes, sondern ein solides Brettspiel. Das allerdings reicht heutzutage leider nicht mehr gegen eine mächtig Konkurrenz anderer Gesellschaftsspiele zu bestehen. Deshalb kann ich das Spiel guten Gewissens auch nur Fans des Autors oder des Browser-Games empfehlen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
1 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
90
Jahrgang: 
2012
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Mehr zum Spiel
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