Feudalherren

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 06.01.2013

Hier findest du eine Spielerezension zum Gesellschaftsspiel Feudalherren. Entdecke mehr zu den Spielregeln und finde heraus, welche Erkenntnisse unser Spieletest mit Feudalherren brachte, ob es Spaß macht und für wen es besonders gut geeignet ist. Am Ende des Textes kannst du das Spiel bewerten.

Feudalherren von Lookout Spiele

Der Vorgang war derart aufsehenerregend, dass er ausdrücklich auf der Schachtel vermerkt werden wollte: Lookout, sonst Inbegriff und Hort toller Strategiespiele mit einem Minimum an Zufallselementen und ähnlichem Teufelszeug, gibt mit Feudalherren ein Spiel heraus mit Würfeln, was zu einem entsprechenden Zusatz im Logo führte. Herauszufinden ist, ob diese Ausweitung des Verlagsprofils nötig war und gelungen ist, was eher fraglich erscheint, selbst wenn es da auch in unseren Runden durchaus unterschiedliche Stimmen und Meinungen gab.

Feudalherren ist hübsch gestaltet und kommt locker-flockig daher. Die Spieler sollen ihr Lehen verwalten und ein Reich aufbauen, um am Ende das Erbe des alternden Königs antreten zu können. Dagegen ist sicher nichts einzuwenden, nur werden halt mal nicht Worker geplaced oder Karten ausgespielt, sondern eben Würfel geworfen. Das kann rund laufen und auf Anklang stoßen oder eben auch gar nicht. Und genau das ist das Hauptproblem und vielleicht auch das Missverständnis des Ganzen.

Zu Beginn einer Partie Feudalherren erhalten alle ein Lehenstableau mit 49 bebaubaren Feldern. Vier davon werden durch den Bergfried abgedeckt, der Platz für Soldaten und Befestigung bietet, vorerst aber noch kaum vor Angriffen aller Art schützt und daher im Verlauf der Partie ausgebaut werden sollte. Auch der Rest der Länderei steht offen für Bewohner und Gebäude zur Mehrung der eigenen Ressourcen und Siegpunkte. Letztere werden auf einer separaten Wertungstafel vermerkt. Außerdem werden dort jeweilen die Plättchen ausgelegt, die in der anschließenden Spielrunde erworben werden können. Zwei davon dürfen zu Beginn unentgeltlich ins eigene Lehen gelegt werden; zusätzlich erhalten alle je drei Einheiten Nahrung, Stein, Holz, Eisen und Gold als Startkapital.

Jede Runde bestimmen zwei achtseitige Würfel die Koordinaten des Feldes, auf dem und um das herum geerntet werden kann, sofern dort ein Plättchen ausliegt (was zu Beginn der Partie mit den bloss zwei Startplättchen purer Zufall ist). Handelt es sich dabei um ein Plättchen mit Ressourcen, werden diese an den Glücklichen ausbezahlt, während Plättchen mit Siegpunkten zu einer entsprechenden Gutschrift auf der Wertungstafel führen. Dann zieht der aktive Spieler eine Ereigniskarte, die Erfreuliches oder auch anderes für ihn selber und manchmal auch für alle anderen bringen kann.

Anschließend darf jeder reihum ein Plättchen der Auslage kaufen und in seinem Lehen einsetzen. Wird das geschickt getan, ergibt sich irgendwann einmal ein immer dichteres Raster an Plättchen, sodass zuletzt bei fast jedem Würfelwurf irgend eine Ernte möglich wird. Das dauert allerdings eine ganze Weile und führt selbst dann nicht immer zum am dringendsten gewünschten Erfolg, was reichlich Raum schafft für Emotionen aller Art, wenn wieder einmal das falsche Ergebnis gewürfelt wurde, beispielsweise der Abbau von Kohle anstatt Nahrung zur Versorgung der laufend wachsenden Bevölkerung im eigenen Lehen (mit rabiaten Folgen, wenn das mal nicht möglich ist).

Zuletzt gibt es bei Feudalherren noch eine Aktionsrunde, in der der aktive Spieler zwei Plättchen nach eigener Wahl aktivieren und ausführen darf oder aber versuchen kann, zusätzliche Siegpunkte zu erwürfeln oder gar einen Gegner anzugreifen. Letzteres ist allerdings mit einem gewissen Verlustrisiko für den eigenen Bestand an Punkten und Plättchen verbunden und will daher gut überlegt sein. Hauptsächlich rücksichtslose, mit sich und der Umgebung nicht besonders im Einklang stehende oder aber Spieler in aussichtsloser Lage werden daher erfahrungsgemäß zu solchen Manövern neigen. Das alles löst zwar allerlei Betrieb und erneute Gefühlsausbrüche am Tisch aus, sorgt allerdings auch für eine nicht unbeträchtliche Verlängerung der Spieldauer, muss doch Zerstörtes erst wieder aufgebaut werden, während die Konkurrenz davonzieht (und dadurch zum Ziel neuer Kamikaze-Aktionen wird). Das Ganze dauert, bis einer der Spieler die vorgegebene Anzahl Siegpunkte erreicht und die Partie Feudalherren beendet.

Wie unschwer zu erahnen, sorgt Feudalherren für viel Spektakel in der Tischrunde. Leider auch für eine sich immer mehr ausdehnende Spielzeit, birgt doch jede Konfrontation mit einem der Gegner die Gefahr eines Rückschlages für einen der Beteiligten oder allenfalls auch gleich für alle beide. Und wenn dann noch die Würfelergebnisse beim Ernten nicht passen oder die unvorhersehbar über die Spieler hereinbrechenden Ereignisse für zusätzlichen Frust sorgen, beginnt manch einer die Lust am Geschehen zu verlieren und das Ende der Partie herbeizusehnen. Außer man zählte zum Kreis der oben schon erwähnten Haudegen, denen nie genügend gehauen und gestochen werden kann. Sie haben Freude am Spiel, koste es was es wolle. Die anderen eher nicht allzu lange. Da hilft nicht einmal, dass die witzige Gestaltung der Anleitung wie auch der Grafik unmissverständlich darauf hinweist, dass das Spiel eigentlich alles andere als ernst genommen werden möchte.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
90
Jahrgang: 
2011
Spielkategorisierung

Spielbewertung

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