Flash Point

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 15.09.2013
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Flash Point von Heidelberger Spieleverlag/Indie Boards & Cards

Feuerwehrmann zu werden, ist für viele Kinder und auch Jugendliche ein Traumberuf, denn insbesondere in den ländlichen Bereichen oder speziell den USA haben die Firefighters aufgrund ihres gefährlichen Jobs sowie der vielen Berührungspunkte mit Menschen im alltäglichen Leben einen großen Rückhalt in der Bevölkerung. Auch bei den Mädels stehen die durchtrainierten Jungs natürlich hoch im Kurs. Ein dankbares Thema also für ein Brettspiel, und wenn es noch dazu kooperativ wird, steht meistens sofort der Begriff Familienspiel im Raum.

Das von der Ausrichtung vergleichbare Spiel Pandemie konnte aber in dieser Beziehung nicht punkten, zu speziell und zu fordernd war das Thema und damit also zu wenig geeignet für Familien. Wird Flash Point: Flammendes Inferno von Indie Boards & Cards (Heidelberger Spieleverlag) für Familien besser geeignet sein?

Bis zu sechs Spieler schlüpfen bei Flash Point: Flammendes Inferno in die Rolle von Feuerwehrleuten und versuchen, alle Bewohner, egal ob Menschen oder Tiere, aus einem brennenden Haus zu retten. Das Problem an der ganzen Sache ist aber, dass sich das Feuer stetig ausbreitet, größer wird und damit die Bewohner des Hauses zunehmend stärker bedroht und gleichzeitig die Tragstruktur durch Explosionen so stark beschädigen kann, dass das Haus schlussendlich einstürzt und alles unter sich begräbt.

Der Spielplan von Flash Point: Flammendes Inferno zeigt auf seiner Vorder- bzw. Rückseite jeweils in der Draufsicht ein Haus mit seinen unterschiedlich genutzten Räumen und Türen. Um das Haus herum gibt es mögliche Stellplätze für das Feuerwehrauto und den Rettungswagen. Der Spielplan ist mit einem achtmal sechs Felder messenden, quadratischen Raster versehen, so dass jeder Bereich eindeutig definiert werden kann.

Jeder Feuerwehrmann hat bei Flash Point: Flammendes Inferno bis zu vier Aktionspunkte zur Verfügung, die er in seinem Zug benötigt, um sich z. B. zu bewegen, Türen zu öffnen, Personen zu retten, Feuer in den jeweiligen Bereichen zu löschen oder trennende Wände einzuschlagen. Im Anschluss an die Aktionsphase würfelt der Spieler mit einem acht- und sechsseitigem Würfel, um ein Feld zu bestimmen, in welchem sich das Feuer ausbreitet. Liegt noch kein Marker auf diesem Feld, entsteht als allererstes Rauch. Liegt aber schon ein Rauchmarker, so entzündet sich dieser und wird zu einem offenen Feuer. Ist auch dieses schon vorhanden, kommt es auf diesem Feld zu einer gewaltigen Explosion und das Feuer breitet sich orthogonal in vier Richtungen aus und kann unter Umständen auch Wände beschädigen oder Türen aufsprengen. Diese Situationen werden durch entsprechende Marker angezeigt. Liegen z. B. zwei Schadensmarker auf einem Abschnitt, ist dort die Mauerwerkswand eingestürzt. Auch Gefahrenstoffe können eine Explosion auslösen wenn sie mit offenen Flammen in Berührung kommen. Wurden im Verlauf der Aktion Personen geborgen oder falsche Alarme ausgelöst, kommen jetzt neue Einsatzmarker auf den Spielplan, so dass sichergestellt ist, dass immer drei davon verdeckt ausliegen. Leider ist es aber auch möglich, dass sich unter so einem Einsatzmarker keine Person sondern nur ein falscher Alarm verbirgt. Das jedoch ist bei Flash Point: Flammendes Inferno Feuerwehrmann-Alltag.

Ziel des Spiels ist es, sieben Personen aus dem brennenden Haus zu retten, bevor dieses einstürzt oder mehr als drei Personen Opfer der Flammen werden.

Während die Einsteiger-Regel-Variante vor allem dazu dient, die Spieler mit dem grundlegenden Spielablauf von Flash Point: Flammendes Inferno vertraut zu machen, kann die Fortgeschrittenen-Variante sehr fordernd werden. Zum Glück gibt es genügend Stellschrauben, um den Schwierigkeitsgrad individuell an die jeweiligen Spielstärken der Mitspieler und ihre Erfahrungen mit solcherart Spielen anzupassen. So sind z. B. die beiden Spielpläne unterschiedlich gewichtet und auch die drei Anfangssituationen, welche bestimmen, wie stark sich das Feuer schon ausgebreitet hat und wie viele gefährliche Stoffe noch im Haus sind, geben einen Schwierigkeitsgrad vor. In der Fortgeschrittenen-Variante von Flash Point: Flammendes Inferno kommen zudem noch weitere Spielelemente zum Einsatz, die das Spielerlebnis deutlich intensivieren. So können die Spieler u. a. in die Rolle eines von acht vorgefertigten Charakteren wie z. B. den Rettungssanitäter, den Gefahrenstoffspezialisten oder den Einsatzleiter schlüpfen oder mittels Rettungswagen bzw. Löschfahrzeug Unterstützung von außerhalb des Hauses leisten.

Das Thema Feuerwehr ist im bei Flash Point: Flammendes Inferno vorgelegten kleinen Maßstab sehr stimmig umgesetzt. Dazu tragen nicht unwesentlich die toll gestalteten Charakterkarten und die der Neuauflage beiliegenden plastischen Miniaturen bei. Allerdings wirkt der Spielplan trotz oder gerade wegen seiner eher funktionalen Gestaltung demgegenüber etwas steril. Ständig ist der Spieler im Zwiespalt, ob sein Hauptaugenmerk der Rettung der Personen oder doch lieber der Brandeindämmung gelten soll.

Da die Grundspielregel schnell verinnerlicht ist, wird in vielen Spielrunden wahrscheinlich vorzugsweise mit der Regel für Fortgeschrittene gespielt werden. Die Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad stufenweise zu erhöhen sollte besonders hervorgehoben werden. Kontraproduktiv kann sich allerdings in dieser Beziehung der Würfeleinsatz bei einer Partie Flash Point herausstellen. So ist es durchaus möglich, dass ein Löscheinsatz auf schwierigster Stufe zu einem launigen Sonntagsnachmittagsspaziergang wird, ein anderer in der niedrigsten Schwierigkeitsstufe aber zu einem schier auswegslosen Kampf gegen die Flammen mutiert. Darauf sollten sich die Spieler allerdings einlassen können, denn auch im realen Leben sind die Abläufe gerade in solchen Beziehung nie vorhersehbar.

Flash Point: Flammendes Inferno kann vorbehaltlos allen Freunden kooperativer Spiele empfohlen werden und braucht den Vergleich mit Die verbotene Insel nicht zu scheuen. Auch Familien mit Kindern ab cirka acht Jahre können bedenkenlos zugreifen und werden mit einem gut funktionierenden und sehr atmosphärischen Spiel belohnt. Vielspieler hingegen werden sich vorzugsweise dem auch vom Thema her deutlich anspruchsvolleren Spiel  Pandemie zuwenden.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
1 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2012
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
Spielethema: 
Spielegattung: 
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