Fluss der Drachen

eine Spielerezension von Frank Riemenschneider - 13.07.2008
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Fluss der Drachen von Reich der Spiele

"Ich bin ein Drache und quäle einen Erwachsenen." Dieses Quälen bezieht sich auf die Vorbereitung zum ersten Spiel. Es gibt nämlich Erwachsene, die haben einfach kein Talent, Aufkleber auf eine glatte Oberfläche zu kleben. Die Landschaftsbilder, die man auf die Flusslandschaft kleben muss, sind mit einem Kleber versehen, der grobe Fehler nicht verzeiht. Mit Drachen sind die Spieler gemeint, die mit ihrem Atem dafür sorgen, das sich gleich ein Schiff in einer Schlucht bewegt. Um zu gewinnen, müssen Edelsteine gesammelt werden. Diese Schlucht aus Plastik muss aber vorher noch mit Wasser gefüllt werden. Richtig gelesen lieber Erwachsener, du wirst nochmals bemüht und sollst deinem Nachwuchs rund 0,75 Liter Wasser aus dem Hahn in die Schlucht kippen. Natürlich benutzt du beim ersten Spiel noch einen Messbecher. Später, mit wachsender Sicherheit, wird die Schlucht unter dem Hahn gehalten und so mit dem Nass gefüllt. Oder die Kinder nehmen eine Flasche Mineralwasser aus dem Kasten.

Ein kleines Schiff, mit Mast und Segel, wird in den vorgesehenen Hafen gesetzt und wartet darauf, dass man es mithilfe eines Strohhalmes auf die Reise schickt. Die Spieler erhalten noch fünf Drachenfiguren, die das erwähnte Volljähriges Opfer vorher noch unten drunter – insgesamt nur zwanzig Mal - mit Aufklebern beklebt hatte. Diese Drachen werden auf die fünf Landschaften am Fluss verteilt. Es gibt drei mögliche Aktionen: Nehmen, Schenken, Stehlen – fast wie im richtigen Leben. Es werden noch wasserfeste Karten verteilt. Sie zeigen eine halbe Schatzhöhle mit verschieden farbigen Edelsteinen, diese müssen gesammelt werden! Edelsteine, da war doch was. Aus einer Schatzkiste werden zufällig sechs bunte Steinchen gezogen und auf eine Karte gelegt. Es gibt zwei Sorten von Schatzkarten: Wer ein kürzeres Spiel bevorzugt, nimmt die Karten auf denen drei Edelsteine abgebildet sind. Für ein längeres Spiel werden die Karten mit vier Klunkern genommen.

Wenn einer unserer Drachenspieler dran ist, muss er vorher ansagen, an welche Landschaft er anlegen will. Da gibt es nämlich noch einen Würfel, der, es wird mit Sicherheit schon geahnt, mit Landschaftsaufklebern versehen worden ist, wobei es - wegen der sechs Seiten auf dem Würfel - eine neutrale Landschaft gibt. Während mithilfe des Strohhalmes das Schiff in Richtung gewählte Anlegestelle gepustet wird, würfeln reihum die Mitspieler. Sollte vor anlegen des Schiffes die angesagte Landschaft erwürfelt werden, muss das Pusten unterbrochen werden und der nächste Spieler ist an der Reihe. Beim rechtzeitigen Anlegen wird unter dem Drachen nachgeschaut, was für eine Aktion erfolgt. Am beliebtesten sind natürlich die Aktionen: Einen oder zwei beliebige Edelsteine von der Schiffskarte nehmen. Von einem Mitspieler Klunker klauen ist auch noch okay. Aber einen Edelstein von der Schiffskarte einem Mitspieler schenken, macht keiner gerne. Falls nötig wird danach die Schiffskarte wieder auf sechs Edelsteine ergänzt. Wem es gelingt, seine Karte zu erfüllen, erhält als Belohnung eine zweite. Erst wenn die Sammelaufgabe der zweiten Karte erfüllt ist, ist man Sieger und wird zum König oder zur Königin der Drachen ernannt.

Das Spielgefühl ist wunderbar und zieht Spieler in jedem Alter in seinem Bann. Wobei das Spiel mit dem Wasser keinen irritiert oder als tolle Innovation - die es ja ist - wahrgenommen wird. Als wenn diese Spielidee in der Luft lag und nur kein Verlag den Mut hatte, so etwas zu veröffentlichen. Selbst größere Spielemuffel haben ihren Spaß und vergessen zwischendurch ihre coole Fassade. Die Kleberei ist schnell vergessen und bisher hat sich noch keiner über die Verschwendung von Ressourcen beschwert. Wer mag kann noch ein Erwachsenenhandicap einbauen: Der Spielzug wird dann auch dann beendet, wenn die neutrale Seite gewürfelt worden ist. Trotz aller Begeisterung war meistens nach einem Spiel Schluss. Das lag aber wohl an dem subjektiven Zeitempfinden, das ein Spiel Fluss der Drachen als genug erscheinen lässt. Als Abschluss bleibt noch zu sagen: Bitte mehr von solchen außergewöhnlichen Ideen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
6
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
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