Fürstenfeld

eine Spielerezension von Silke Groth - 05.09.2011
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Fürstenfeld von 2F

Einer der kleinen Trends der Spiel '10 waren Brettspiele rund um das Thema Weinanbau und -produktion. Zumindest für Deutschland könnte man eigentlich sagen: Absolut am Markt vorbei produziert. Laufen die Deutschen im weltweiten Pro-Kopf-Verbrauch doch nur unter ferner liefen, wohingegen es beim Bier doch deutlich anders aussieht. Friedemann Friese trägt diesem Rechnung und lässt in seinem Wirtschaftsspiel (nein, hier sind keine Kneipen gemeint) Fürstenfeld Bier brauen.

Hier verkörpern die Spieler junge, adlige Großbauern, die nur eines im Sinn haben: einen eigenen Palast zu besitzen. So ist die Produktion der drei Grundpfeiler des Brauereiwesens Wasser, Gerste und Hopfen auch nur Mittel zum Zweck und die Erlöse des Verkaufs an die lokalen Brauereien werden fast augenblicklich in die Protzbauten gesteckt. Der Spieler, der zuerst seinen Palast mit allen sechs Teilen fertig gestellt hat, gewinnt das Spiel.

Alle Jungbauern besitzen ein Fürstenfeld, das sechs Bauplätze bietet und bekommen zudem ein identisches Kartendeck. Zu Beginn einer Runde ziehen die Spieler Karten auf die Hand, danach produzieren die Felder ihre Erträge. Die produzierten Güter können im Anschluss an eine der Brauereien verkauft werden, wobei sich die Erlöse sich nach Angebot und Nachfrage richten. Im Anschluss sind bis zu zwei Baukarten aus der Hand für einen zu entrichtenden Münzbetrag spielbar. Da sechs Bauplätze nicht wirklich viel sind, müssen im Laufe der Partie zwangsläufig immer wieder ausgelegte Karten überbaut werden. Im Kartendeck finden sich Felder, die höhere Erträge erwirtschaften oder unterstützende Gebäude, die beispielsweise billiger bauen lassen, das Handkartenmanagement unterstützen oder festes Einkommen garantieren. Palastteile sind für das Jungfüstenego und den Spielsieg gut, generieren aber dummerweise weder Einkommen noch sonstige Boni und da sie nicht überbaut werden dürfen, nehmen sie auch noch wichtigen Platz weg. Folge: Nach und nach sinkt das Einkommen wieder. Gutes Timing ist alles. Wer bei Fürstenfeld zu früh am Palast baut, muss mangels Liquidität mit einem stockenden Endspiel rechnen. Wer zu lange zögert, verliert nicht nur den Anschluss, sondern muss auch noch draufzahlen, da gemeinerweise die Palastpreise stetig steigen.

Am Ende des Zuges muss die Kartenhand wieder auf eins reduziert werden, also nur eine Karte darf mit in die nächste Runde genommen werden. Die restlichen, nicht gebauten Karten werden unter den Nachziehstapel gesteckt, kommen also erst recht spät wieder zum Vorschein. Ein weiteres Dilemma für den angehenden Palastbesitzer: Wer im falschen Moment ein Palastteil nicht in seinem Fürstenfeld platzieren kann, verspielt so unter Umständen seine Siegchance.

Bei Fürstenfeld gibt es neben dem Grund- noch das Expertenspiel. Mit dem Lumpensammler (lässt ungewünschte Handkarten abwerfen und entschlackt so das Deck) und Reiseführer (generiert Einkommen durch Palastteile) kommen zwei weitere Karten ins Spiel. Eine Regeländerung sorgt für erhöhten Planungsaufwand: Die Palastteile haben nun feste Bauplätze und dürfen nicht mehr frei platziert werden. Der letzte Unterschied kommt in der Spielvorbereitung zum Tragen: Hier erhalten die Spieler zu Beginn nun 10 Karten von ihrem Stapel, von denen sie aber nur eine mit ins Spiel nehmen. Die restlichen Karten dürfen aber in beliebiger Reihenfolge unter dem Deck platziert werden, sodass die Spieler die Reihenfolge etwa eines Drittels ihrer Karten bereits kennen. Dies entschärft eine teilweise frustrierende Glückskomponente des Grundspieles. So kann es dort passieren, dass ein Spieler durch eine glücklichere Anordnung seiner Karten einen nicht einzuholenden Vorsprung erarbeitet. Je nach persönlichem Geschmack oder spielerischem Background haben aber beide Fürstenfeld-Varianten ihre Vorzüge. Das Expertenspiel verlangt bessere Planung, ist aber vielen Spieler zu grüblerisch und trocken. Das Grundspiel ist, auf Kosten der Planbarkeit, etwas "leichtgängiger" und so durchaus für Gelegenheitsspieler geeignet. 

Das Brettspiel Fürstenfeld bietet einen relativ leichten Einstieg, da die einzelnen, eingängigen Mechanismen schnell verinnerlicht werden können und lässt sich in der "Grundvariante" recht locker aus dem Bauch heraus spielen. Der Markt bietet Raum zur Preismanipulation und regelt über das Einkommen in einer Runde die Spielerreihenfolge. Der Kartenmechanismus ist eine Art Dominion verkehrt herum: Jeder Spieler startet mit dem gleichen, etwa 30 Karten umfassenden Deck, bei dem keine Karten hinzu kommen, sondern nach und nach, entweder durch Bau oder Einsatz des Lumpensammlers der Nachziehstapel verkleinert wird. Die Karten bieten Raum für verschiedene Strategien und Wechselwirkungen, diese auszuloten ist wie bei Dominion und Co der eigentliche Spielspaßgarant.

In Fürstenfeld wird das Rad beileibe nicht neu erfunden (oder in diesem Fall das Bier), thematisch könnte es auch jede andere Form der Rohstoffbeschaffung und -verkauf behandeln, auch die Mechanismen wirken vertraut. Die einzelnen Zutaten sind aber derart stimmig zusammengerührt, dass sich ein gut bekömmliches Ganzes ergibt. Zudem gibt es schönes Material (viel Holz), die Spieldauer liegt mit meist unter einer Stunde in einem für das Spiel angenehmen Rahmen und es spielt sich mit jeder Spielerzahl gleichermaßen gut. Bleibt nur zu sagen: Zum Wohl!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2010
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
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