Gangster

eine Spielerezension von Carsten Pinnow - 30.09.2007
  Spiel bewerten Spiel kaufen kommentieren
Brettspiel Gangster - Foto von Amigo Spiele

Chicago, 30er-Jahre. Gangsterbanden treiben ihr Unwesen. Doch nur der erfolgreichste Gangster-Boss wird am Ende gewinnen! Dieses Thema kennen Sie schon? Und das Cover kommt ihnen ebenfalls bekannt vor? Vielleicht sogar die eine oder andere Illustration? Dann haben Sie vielleicht schon einmal das Gangster von rank Czarnetzki in den Händen gehabt. Doch keine Angst, das Spiel von Thorsten Gimmler ist ganz anders – im Grunde genommen gibt es neben dem Illustrator überhaupt keine Gemeinsamkeiten.

Als Pate ihrer persönlichen Gang sind die Spieler bei Gangster hauptsächlich damit beschäftigt, mit ihrer dicken Benzinkutsche von Stadtviertel zu Stadtviertel zu fahren und diese unter ihre Kontrolle zu bringen. Zu diesem Zweck verfügen sie über jede Menge Bandenmitglieder (kleine Holzwürfel), die sie vor Ort einfach abladen. Praktischerweise hat die Limousine Platz für locker 20 oder 30 Mann - so genau weiß das niemand, aber bisher haben immer alle reingepasst! Und weil das nicht reicht, kann im Kofferraum ein zusätzlicher Mann einer anderen Gang verstaut werden. Dies aber selbstverständlich nur, um im Hafenbecken ein leckeres sizilianisches Frühstück serviert zu bekommen!

Die verschiedenen Stadtviertel sehen zwar alle irgendwie gleich aus (OK, auch das passt prima zu Chicago. Oder jeder anderen beliebigen US-Stadt …), doch sie sind unterschiedlich wertvoll. Dabei entscheidet die Anzahl der Gangmitglieder über die Reihenfolge der Punktevergabe. Dummerweise ist es nicht in allen Viertel so, dass die Gang mit den meisten Leuten auch die meisten Punkte erhält, manchmal ist es auch genau umgekehrt, oder wild durcheinander. Damit das ganze nicht langweilig wird, hat eine schöne Idee ihre Umsetzung gefunden: Die Stadtviertel sind große Pappplättchen, die zu Spielbeginn zufällig auf dem Plan verteilt werden.

Dafür sind die Bewegungen eingeschränkt: Mittels Bewegungskarten kann man nur 1, 2 oder 3 Felder weit fahren und erst nach Nutzung aller drei Karten darf man sie erneut benutzen. Das führt zu gewissen Zugzwängen, aber sicherlich auch zu ruhigen Stopps und längeren Ausladephasen. Diese müssen aber im Laufe des Spiels immer mehr bedacht werden, denn jedes Mal wenn ein Spieler seine drei Karten eingesetzt hat, wird ein Wertungsmarker in einem zufälligen Stadtviertel platziert. Dort werden die Punkte bei der Wertung verdoppelt – ein Umstand, der häufig den kleinen Unterschied bei der Punktevergabe ausmacht! Denn Viertel mit einfachen Punkten bringen leider nicht viel.

Ein anderes Instrument zur Punktemehrung ist die fachgerechte Entsorgung der Konkurrenz. Da es ohnehin viel zu wenige Gangmitglieder gibt, gibt es gewissen Handlungsfreiraum – Zeit genug, um mal hier oder da ein Würfelchen des Gegners einzupacken und im Hafenbecken abzuladen. Zur Belohnung wird das eigene Fahrzeug sogar aufgemotzt! Schade dass nur zwei verschiedene Modifikationen erlaubt sind, denn manche sind besser/wichtiger als andere. Ein guter Motor und ein großer Kofferraum lassen das Herz jedes Hobby-Mafiabosses höher schlagen. Vielleicht mal eine ordentliche Knarre oder zur Not ein Bodyguard. Extra große Türen oder eine Rammbock-Stoßstange kann man dagegen vernachlässigen. (Leute hat man eh nicht genug und fahren kann man auch so gut wie überall hin.)

Sobald acht der zehn Wertungsmarker platziert wurden, endet ein Durchgang. Falls sich jetzt jemand wundert, wofür wohl die Fragezeichen bei der Punktevergabe stehen: Dies sind Platzhalter für den Wert, der erst jetzt bei der Wertung zufällig ermittelt wird. Das kann man entweder mit einem herkömmlichen Würfel auswürfeln, oder stilecht eine der sechs mitgelieferten Karten umdrehen. Auf jeden Fall sind hier Ärgernisse vorprogrammiert, denn ob man in einem Viertel nun zwei oder zwölf Punkte erhält, ist schon ein heftiger Unterschied. Besonders unangenehm, wenn dies einen Spieler gleich mehrfach trifft. (Doch wer weniger Zufall mag, kann sich hier ja eine Hausregel schaffen und den Wert früher definieren oder auf eine andere Weise ermitteln.) Nach insgesamt drei Durchgängen (und drei Wertungen) ist es dann vorbei mit dem Bandenkrieg. Wer nun auf der Punkteleiste ganz vorne steht, hat den Titel des größten Gangsters bestimmt auch verdient.

Zugegeben, das Thema „Bandenkrieg“ wurde hier ausgesprochen friedlich umgesetzt und auch der Einfluss auf das Geschehen nimmt mit zunehmender Spielerzahl stark ab, zumal es mit voller Besetzung recht einfach ist, gemeinsam gegen den Führenden zu spielen und seine Spielsteine - pardon: Gangster - fachgerecht im Hafen zu entsorgen. Doch dank des stimmungsvollen Ambientes und des flüssigen Ablaufes handelt es sich bei Gangster um ein Spiel, das ganz sicher nicht zu den schlechtesten Werken gehört, sondern guten Gewissens als Volltreffer in der Kategorie Familienspiel bezeichnet werden kann.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielkategorisierung
Mehr zum Spiel
Brettspiele-Newsletter von Reich der Spiele abonnieren