Geheime Welt Idhun

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 30.09.2007
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Geheime Welt Idhun von Reich der Spiele

In Deutschland sind die ersten Bände der Trilogie über die „Geheime Welt Idhun“ aus der Feder der spanischen Autorin Laura Gallego Garcia erschienen. Die Bücher verkaufen sich international sehr gut, darin wird vor den interessierten Lesern eine neue, wunderbare Fantasywelt mit unverbrauchten Charakteren ausgebreitet. Eine ideale Vorlage also für ein opulentes Brettspiel. In diesem übernehmen die Spieler die Rolle eines der Helden aus den Büchern - Jack, Victoria, Kirtash, Aslan, Shail und Kitara, die sich auf den gefährlichen Weg durch die Welt Idhun, einer phantastischen Parallelwelt auf einem anderen Planeten mit einer Verbindung zur Erde, machen, um den Sieg über den Schwarzmagier Ashran und seine Kreaturen, die Shreks, zu erringen und dem Land die Freiheit zu bringen.

Das Spielmaterial ist sehr gut verarbeitet und entspricht damit dem mittlerweile vorherrschenden Standard. Die Grafik der Verpackung nimmt Anleihen bei der Einbandgestaltung der Bücher auf, Kenner derselben sollen hier zweifelsohne auch optische Verbindungen herstellen. Das Spielbrett ist mit Abstand das schönste und grafisch am besten gelungenste, was ich seit langer Zeit gesehen habe, auch die Spielkarten sind sehr schön gestaltet. Leider haben sich aber doch ein paar negative Punkte eingeschlichen, die den ausgezeichneten Eindruck trüben. Kann man sich mit dem vom Spielplan abweichenden Grafikstil, in dem die Spielfiguren gehalten sind, noch anfreunden, sind die Gestalter des Spieles mit der Größe der Figuren weit über das Ziel hinausgeschossen. Die Spielfiguren wirken deplatziert, die Aufsteller bedecken in jedem Fall zwei Kästchen auf dem Spielplan, der im Idealfall doppelt so groß hätte sein müssen. Das Chaos bei der Begegnung zweier oder mehrerer Charaktere ist vorprogrammiert. Ein weiteres Manko: Sollte das Spiel bei stimmigen Kerzenlicht stattfinden, müssen die Spieler gute Augen haben, um die Texte auf den Spielkarten lesen zu können. Nicht alles was grafisch toll aussieht, ist auch praktikabel. Aber das alles ist Jammern auf hohem Niveau. Unter dem Strich bleibt ein grafisch toll gestaltetes Spiel mit einigen wenigen ärgerlichen Komfortschnitzern, welche nicht hätten sein müssen. Die Spielregel hingegen ist gut verständlich und knapp gehalten auf fünf Seiten beschrieben. Hier sollte es trotz einer gewissen Einarbeitungszeit keine Schwierigkeiten geben.

Nun zum Spiel selbst. Es ist laut Verlagsangaben für zwei bis sechs Spieler geeignet. Idealerweise sollten allerdings mindestens drei Spieler teilnehmen, je mehr je besser. Die Spieler wählen verdeckt einen von sechs Helden aus, welchen sie für den Rest des Spieles verkörpern. Die relevanten Daten und besonderen Fähigkeiten sind auf den entsprechenden Heldenkarten festgehalten.

Ziel des Spieles ist es, sich mittels Würfelwurfes durch Idhun fortzubewegen und nach reichlichem Sammeln von Erfahrung und Ausrüstung dem Schwarzmagier Ashran in dessen Behausung zum Kampf zu stellen und ihn drei mal zu besiegen, denn genau so viele Leben hat der Bösewicht. Der Würfelwurf gibt die maximale Bewegungsreichweite vor, wie und wohin man sich bewegt, bleibt dem Spieler selbst überlassen. Beendet er seinen Zug auf einem Feld das er noch nicht betreten hat, zieht er eine Begegnungskarte. Diese können Begegnungen mit Feinden, Prüfungen oder Ereignisse verbergen und sind in Ihrer Schwierigkeit, diese zu meistern, den drei unterschiedlichen Gebieten von Idhun angepasst. Es gilt der einfache Grundsatz, je näher man dem Wohnsitz von Ashran kommt, je schwieriger werden die Herausforderungen. Trifft man auf einen Feind, kommt es zum Kampf. Vor jedem kann der Bereich entschieden werden, in welchem man sich mit dem Gegner messen will, physische oder psychische Stärke. Einer der Mitspieler übernimmt die böse Kreatur. Der Kampf wird über einen einfachen Würfelwurf zuzüglich einiger Boni oder Mali entschieden. Gelingt es, die Kreatur zu besiegen, erhält man einen Sieg- und entsprechende Erfahrungspunkte. Unterliegt man, verliert man einen Lebenspunkt. Sollte der letzte Lebenspunkt verloren sein, weil man sich zwischenzeitlich nicht in ausreichendem Maße heilen konnte, muss man im Startgebiet von Neuem beginnen, behält aber alle Erfahrungspunkte und Ausrüstungskarten.

Überall auf Idhun verstreut befinden sich Türme und Orakel, so genannte Zufluchtsorte. Hier kann man sich heilen oder aber in das Gebiet teleportieren, in das man Siegpunkte gegen bessere Ausrüstungskarten eintauschen kann. Das maximale Limit, was der Held tragen kann, entspricht drei Ausrüstungskarten. Hat ein Spieler mindestens 15 Erfahrungspunkte angesammelt, kann er versuchen, Ashran zu vernichten und die geheime Welt Idhun zu befreien. Wem dies gelingt, ist der erklärte Sieger des Spieles.

Kenner der Buchvorlage sind im Vorteil, alle anderen werden sich stark an den Herren der Ringe erinnert fühlen, letztendlich ist es hier wieder ein lauwarmer Aufguss der Geschichte von den Gefährten, welche ausziehen das Böse zu bekämpfen. Das Spiel orientiert sich locker an der Buchvorlage und ist insgesamt grafisch hervorragend umgesetzt, dieses allein reicht hier aber nicht aus. Mit viel Würfelglück und wenig Interaktion kämpft und würfelt man sich als Einzelkämpfer über die Karte, bis einem aus der Runde der Helden nach einer bis anderthalb Stunden der Sieg über den Schwarzmagier gelingt. Richtig spannend ist das nicht, ein ähnliches Spielschema ist schon zu oft eingesetzt worden, taktische Einflussnahmen selbst durch Ereignisse tendieren gegen Null, den meistens heißt es nur: aussetzen. Hinzu kommen die Designschnitzer die das spielen in der Praxis schwer machen.

Der Verlag hat das Alter der Spieler mit ab zehn Jahren angegeben. In dieser Altersgruppe bis zirka 16 Jahre und den Fans der Romantrilogie liegt meiner Meinung nach auch die Hauptzielgruppe des Spieles. Kenner und Liebhaber der Bücher sollten in jedem Fall ein Probespiel wagen, erfahrene Rollenspieler werden hingegen zu alternativen Produkten wie Runebound, Talisman oder Die Rückkehr der Helden greifen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2007
Spielkategorisierung
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