Gonzaga

eine Spielerezension von Tobias Brouwer - 05.09.2010
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Gonzaga von Reich der Spiele

Europa im 13. bis 18.Jahrhundert - mächtige Adelsfamilien streben nach Macht über den Kontinent und nehmen immer mehr des Landes in Anspruch. Dabei verfolgt jede ihre eigenen Ziele, doch auch die Häfen wollen miteinander verbunden werden. Und wenn alles nichts hilft, wird der König bestochen oder eine Hochzeit angezettelt.

Und so übernimmt jeder Mitspieler die Herrschaft über ein Haus, das er zum Ruhm in Form von Siegpunkten führen will. Dazu erhält jeder einen identischen Satz aus so genannten "Lehen", Plastikspielsteine, die aus drei oder vier zusammengesetzten Sechsecken bestehen. Zu Beginn jeder Runde wird für jeden Spieler ein Lehen ausgelost, das er auf dem Spielplan platzieren soll. Und um dieses Platzieren reizvoller zu gestalten, wurden einige recht effektive Kniffe vorgenommen.

Denn jeder Spieler muss vorher bestimmen, in welches der sechs Länder er seinen Spielstein setzen will, zusätzlich ob er Häfen, Städte oder beides bedecken will. Einmal festgelegt darf nicht mehr von den Vorhaben abgewichen werden. Was ärgerlich sein kann, denn die Spieler entscheiden gleichzeitig mittels Karten, die Lehen werden aber nach einer bestimmten Reihenfolge platziert, weswegen auch schon mal ein anvisierter Platz von einem Mitspieler überdeckt wurde. Desweiteren darf sich eine Auswahl nicht direkt wiederholen - wer gerade ein Plättchen nach Francia gelegt hat, muss im nächsten Zug auf diese Option verzichten.

Doch wozu das Ganze? Bedeckte Städte bringen drei Siegpunkte, bedeckte Häfen ebenfalls. Je nach Szenario werden jedoch bestimmte Regionen als inaktiv gekennzeichnet, dann ist nur ein Punkt pro Stadt oder Hafen drin. Zusätzliche Punkte gibt es für drei Häfen mit gleichem Symbol sowie am Spielende für die meisten zusammenhängenden Spielsteine und vorher geheim zugeloste bestimmte Städte.

Herausgekommen ist ein Spiel, das einiges an Planungsgeschick abverlangt. Denn jeder verfolgt seine Ziele, die nur allzu oft von den Mitspielern durchkreuzt werden. Zusätzlich wird jeder Spieler in die Situation kommen, das perfekte Lehen gezogen zu haben, es aber aufgrund der Beschränkung des vorigen Zuges nicht dort einsetzen zu können, wie er es gern hätte. Eine Hilfe bieten da die sechs Ringe jedes Mitspielers, mit denen man den König bestechen und so als erster sein Lehen platzieren darf. Alternativ können diese mit einer bestimmten Auswahl auch auf dem Plan platziert werden - dann auch auf dem Lehen eines Mitspielers. Das garantiert mehr Planungssicherheit, aber die Ringe gehen schneller weg, als man denken mag.

Ein paar Worte noch zur Ausstattung: Spielplan und Karten sind schön gestaltet, stabile Pappteilchen ergänzen dies. Alles verbreitet mittelalterliches Flair - mit Ausnahme der quietschbunten Plastikteile, die ebenfalls von hoher Qualität sind. Ein krasser Gegensatz, der einigen Mitspielern sauer aufgestoßen ist. Zudem sind einige Details des Spielplans und die kleinen Nummern unter der Lehen nur bei guten Lichtverhältnissen von Leuten ohne Sehschwäche zu erkennen. Diese dienen jedoch alle zur als zusätzliche Hilfe und stören nicht den Spielfluss.

Der Mechanismus ist eingängig und nach wenigen Zügen verinnerlicht, trotzdem fühlt er sich auch nach vielen Partien nicht abgenutzt an. Räumliches Vorstellungsvermögen sollte aber schon mitgebracht werden, denn die unterschiedlich geformten Lehen dürfen vorher nicht "probegelegt" werden. Besonders in direkten Duell mit nur einem Kontrahenten kann das Spiel überzeugen. Ansonsten kann es zu einer etwas chaotischen Situation und einem leicht gehemmten Spielfluss kommen, man kommt sich einfach zu oft in die Quere.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2009
Spielkategorisierung
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