Hart an der Grenze

eine Spielerezension von Anita Borchers - 31.12.2006
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Hart an der Grenze von Anita Borchers

„Guten Tag. Haben Sie etwas zu verzollen?“ Diese Frage hat jeder schon einmal bei der Reise von einem Land in ein anderes beantworten müssen. Wenn zu dem überzeugenden "Nein“ auch der ehrliche Gesichtsausdruck aufgesetzt wird, kann man meistens passieren. Und genau darum geht es in dem Spiel Hart an der Grenze.

Die Spieler versuchen, möglichst wertvolle Waren über die Grenze zu schmuggeln und anschließend gewinnbringend zu verkaufen. Zu diesem Zweck sucht sich die Spieler jeweils einen Reisekoffer aus, der viel Platz für die begehrten Souvenirs bietet.

Reihum schlüpft jeder Spieler in die Rolle des Sheriffs, der in diesem Spiel die Grenzkontrolle übernimmt. Während er sich den Sheriff-Stern ansteckt, verstauen seine Mitspieler die Waren, die sie über die Grenze bringen möchten, sorgfältig in ihren Koffern. Anschließend muss jeder, der die Grenze passieren möchte, die Frage des Sheriffs beantworten: „Was ist in dem Koffer?“

Die Mitspieler behaupten, natürlich mit dem Brustton der Überzeugung, ausschließlich legale Waren eingepackt zu haben, also Krüge, Maracas (Rumbakugeln) oder Sombreros. Aber halt, war da nicht ein verräterisches Zucken im linken Mundwinkel? „Aufmachen!“, heißt es für den Spieler, der den Sheriff am wenigsten überzeugen konnte. Wohl dem, dessen Koffer tatsächlich die angesagte Ware enthält. Er darf seine Waren wieder einpacken, den Koffer schließen und weiterreisen. Er enthält sogar eine geringe Entschädigung, da er zu unrecht verdächtigt wurde.

Viel lukrativer ist es jedoch, die verbotenen Waren, nämlich Zigarren, Tequila und Statuen, über die Grenze zu bringen. Aber was tun, wenn diese sich bei einer Kontrolle im Koffer befinden? Nur keine Panik! Auch der Sheriff ist nur ein Mensch. Und wenn alles Jammern und Flehen nicht hilft, lässt sich gewiss mit ein paar Dollarnoten alles regeln. Bestechung? Na klar! Einen Versuch ist es in jedem Fall Wert, denn schließlich winkt hinter der Grenze der fette Profit für diese Waren.

Kann man sich trotz allem nicht einigen, da der Sheriff ganz andere Vorstellungen über die Höhe der „Zuwendung“ hat oder gar zur unbestechlichen Sorte seines Berufszweiges gehört, muss man wohl oder übel den Koffer öffnen. Alles wird ausgepackt und je nach Inhalt drohen saftige Strafen für die geschmuggelten Waren, die natürlich an der Grenze zurückbleiben müssen.

Nachdem jeder einmal Sheriff war, endet die erste Runde. Die Spieler können ihre Waren, die sie erfolgreich über die Grenze gebracht haben, sofort für harte Dollar verkaufen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, auf das sichere Einkommen zu verzichten und eventuell am Spielende den doppelten Verkaufspreis zu erzielen. Aber Vorsicht! Die Absatzmöglichkeiten zu diesem Zeitpunkt sind begrenzt und man bleibt vielleicht auf der einen oder anderen Kostbarkeit sitzen. Nach zwei weiteren Runden endet das Spiel und es gewinnt der Spieler, der die meisten Dollar scheffeln konnte.

Wer gerne blufft, etwas Verhandlungsgeschick mitbringt und auch gegen etwas Glück nichts einzuwenden hat, ist bei diesem Spiel gut aufgehoben. Und das Pokerface nicht vergessen! Sehr bemerkenswert ist der Erfindungsreichtum, den die Spieler an den Tag legen, um bloß den Koffer nicht öffnen zu müssen.

Besonders gut haben allen Spielern die sechs Koffer (Metallkisten) gefallen. Jeder in einem anderen Design: Vom edlen Lederkoffer über das in die Jahre gekommene Modell, welches nur noch mit Hilfe eines Koffergurtes richtig schließt bis zum etwas ramponierten Alukoffer mit Zahlenschloss ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Etwas mehr Kleingeld dürfte es sein. Der Geier mit dem breiten Lächeln, der den 100-Dollarschein ziert, wird in ähnlicher Stückzahl geliefert, wie alle anderen Werte, wurde aber in den bisherigen Partien so gut wie nie benötigt. Sein etwas bescheidener dreinblickender Kollege auf der Eindollarnote hingegen, entpuppte sich mit steigender Spielerzahl als echte Mangelware. 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
3 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45 - 70
Jahrgang: 
2006
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
Fotos
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