Heads Of State

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 10.06.2009
  Spiel bewerten Spiel kaufen kommentieren
Head Of States von Reich der Spiele

Der groß angelegte Spielplan zeigt Westeuropa in der Zeit des 16. - 18. Jahrhunderts, eingeteilt in die vier Großmächte Britannien, Frankreich, Spanien und Deutsche Staaten. Es gilt, als königliche Dynastie eigene Gefolgsleute an den einzelnen Adelshöfen zu positionieren, um so Macht und Prestige in den jeweiligen Großmächten zu erringen.

Die Adligen weisen eine siebenstufige Rangordnung vom König bis zum Baron hinunter auf. Sie können durch Ausspielen von Attributskarten der Spieler in der jeweils vorbestimmten Kombination erworben werden. Je höher der Rang des jeweiligen Adligen, desto mehr Attributskarten sind nötig zu dessen Erhalt. Attributskarten gibt es in neun unterschiedlichen Kategorien. Jeweils sechs Karten liegen offen, der Rest in Form eines verdeckten Nachziehstapels bereit. Pro Zug können eine oder mehrere Attributskarten aufgenommen und Adlige eingesetzt oder je eine Verrats- und eine Attributskarte behändigt und anschließend ein Attentatsversuch gestartet werden.

Wählt ein Spieler die Attributskarten, kann er drei Karten der offenen Auslage aussuchen oder aber die ganze Auslage erneuern und anschließend noch eine Karte aufnehmen. Erreicht er so die benötigten Kartenkombinationen, kann er danach einen oder auch mehrere Adelsmarker in seiner Farbe erwerben und diese auf einem freien Feld des Spielbretts ablegen.

Jede der Großmächte ist unterteilt in den Hauptort und mehrere Provinzen, die alle ein oder zwei Felder aufweisen, auf denen die Adligen platziert werden können. Dabei ist genau vorherbestimmt, welcher Adelstyp wo eingesetzt werden darf. Daraus resultiert eine Art Wettlauf um die Platzierung der eigenen Marker, da Siegpunkte vergeben werden, wenn in einem Gebiet der erste Adlige eingesetzt wird. Oder wenn ein Spieler als erster in jedem Gebiet eines Landes einen Adligen platziert hat. Oder wenn er von jedem der sieben Adelstypen mindestens einen Vertreter erworben hat. Die Siegpunkte werden laufend auf einer großen Punkteleiste nachgetragen und zeigen auf einen Blick den momentanen Stand des Spiels.

Besonders in Vollbesetzung beginnen die freien Adelsplätze auf dem Spielbrett rasch knapp zu werden, was das Interesse an den ebenfalls ausliegenden Verratskarten zu wecken pflegt. Einzig mit ihrer Hilfe kann nämlich ein bereits eingesetzter gegnerischer Adelsmarker nachträglich wieder aus dem Spiel genommen werden. Auch hier sind allerdings passende (Verrats-) Karten nötig, kommt doch beispielsweise die Guillotine einzig in Frankreich und der Galgen in den Deutschen Staaten zum Einsatz. Zudem ist der Ausgang des Attentats auszulosen, wobei vom bedrohten Adligen ein einziges, vom Angreifer dagegen drei Holzklötzchen in den Beutel gelegt werden.

Zieht der aktive Spieler ein eigenes Klötzchen, entfernt er den liquidierten Adligen und kann ihn im Idealfall (so er die entsprechenden Attributskarten zur Hand hat) durch einen eigenen Adligen ersetzen. Erwischt er dagegen das gegnerische Klötzchen, ist der Anschlag gescheitert und der angegriffene Adlige unverändert im Spiel. Auf diese Weise verlagert sich das Geschehen allmählich vom reinen Einsetzen der Adelsmarker zum Verdrängungskampf um die besten Adelsplätze.

Jedesmal wenn der Nachziehstapel der Attributskarten bis zum Auftauchen der Revolutionskarte durchgespielt ist, wird eine Spezialwertung über die Mehrheitsverhältnisse in den vier Großmächten durchgeführt. Jeder eigene Adelsmarker auf dem Spielbrett trägt Einflusspunkte ein. Der höhere bzw. stärkere Adlige in Regionen mit zwei Adelsplätzen ist zwei Punkte wert, der andere einen, wobei die jeweiligen Hauptstädte doppelt zählt. Nach der dritten Spezialwertung gibt es zudem Punkte für die Spieler mit einer Mehrheit bei den einzelnen Adelskategorien, worauf der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt.

Das Spiel bedingt einiges an Planung, ist aber doch ziemlich glücksabhängig. Können die benötigten Attributs- oder Verratskarten einfach nicht nachgezogen werden, ist ein erfolgreicher Ausbau der eigenen Positionen auf dem Spielbrett kaum möglich. Zudem verlaufen die einzelnen Spielrunden einigermassen schematisch und gleichförmig trotz der hübschen Dynamik im Spiel mit dem Übergang vom Platzierungs- zum Verdrängungswettkampf. Entscheidend ist dabei, die Konkurrenten gut im Auge zu behalten im Hinblick auf die Wertung der Mehrheiten in den Regionen und bei den einzelnen Adelskategorien am Spielende. Hier kann ein gut vorbereitetes Attentat kurz vor Schluss noch zu nicht mehr für möglich gehaltenen Umstürzen führen, was durchaus zu gefallen vermag.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
120
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
Mehr zum Spiel
Brettspiele-Newsletter von Reich der Spiele abonnieren