Hilfe, Hai!

eine Spielerezension von Jörg Hagel - 23.09.2012
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Hilfe Hai von Reich der Spiele

Als ich mit diesem Karton in die Freizeiteinrichtung gekommen bin, hatte ich sofort sieben Mitspieler, obwohl ich die Jacke noch nicht mal aufgehängt habe. Hilfe Hai kennen alle aus dem Fernsehen.

Als der große Plastikhai dann in der Mitte des Tisches liegt, wird mir klar, was an dem Spiel "cool" sein könnte. Das Spielbrett ist schnell montiert, die Abdeckplatte der Batterien muß verschraubt werden. Damit versichert man sich bei kleineren Kindern, dass sie sich aus dem Hai lösen. Ich lese noch schnell die Anleitung, doch da ist nicht viel zum Lesen. Ein Spieler würfelt für alle und sagt die Farbergebnisse an. Alle anderen und der Würfler setzten eilig ihren Fisch vor, wenn sie dazu angehalten werden. Bei Beginn wird der Hai eingeschaltet, der ab jetzt gnadenlos seinen Kreis zieht und jeden Fisch verschlingt, der das Pech hatte, nicht oft genug nach vorne setzen zu dürfen.
 
Kurz vor der Massenpanik. Dabei ist das Kinderspiel Hilfe Hai durchaus realistisch. In den knapp 1,5 Sekunden die der Hai für eine Runde braucht, müssen die Spieler schnell setzen, das heißt, es muss schnell gewürfelt werden. Häufig schnauzen dann die Spieler, deren Farbe lange nicht gewürfelt wurde, den Würfler/in an. Je näher der Hai kommt, desto verzweifelter halten die Finger den eigenen Fisch auf dem Brett fest, desto häufiger kommen sich andere Spieler mit den Armen ins Gehege und nicht wenige versuchen gar, dem Hai den Fisch wieder aus dem Maul zu ziehen. Damit allein diese Situation gleichberechtigt ist, wird besser ein fünfter Spieler zum Würfler gemacht. Nun haben zumindest die Fischversetzer eine gleichberechtigte Chance zu reagieren. In einer anderen Runde haben wir versucht, die Würfel immer weiterzugeben, das jeder für seinen Fisch würfelt. Das Problem: Der Hai ist zu schnell, alle Schreien "Schneller" oder "Gib die Würfel".
 
Lesen Sie diese Worte laut vor:  "Rot - Grün, Weiß - Weiß, Gelb - Weiß, Rot - Gelb, Grün - Weiß, Gelb - Rot, Gelb - ... und so weiter. Etwa in diesem Tempo müssen die Ergebnisse bei Hilfe Hai kommen, damit es eines der Fischlein auch nur eine Runde über den Parcour schafft. Die Würfler müssen sich hochgradig konzentrieren, um stumpf zu würfeln, anzusagen und erneut zu werfen, anzusagen, bis ein eine Farbe übrig ist.
 
Je jünger die Mitspieler, desto länger brauchen sie, um zu Verarbeiten, den Handlungsbedarf zu erkennen und zu reagieren. In einer nicht homogenen Gruppe sind sie automatisch die Loser bei diesem Kinderspiel.
 
Das Spiel ist purer Zufall, denn die Würfel bestimmen einzig, welcher Fisch weiter nach vorne rückt. Der Stressfaktor Hai sorgt sozusagen für die panische Dynamik. Nicht nur, dass das Spielprinzip überflüssig, die Kinder dazu verdammt sind, stumpfe Farbcodes abzuarbeiten, die ihnen keinerlei Möglichkeit geben, aktiv das Spiel zu beeinflussen, außer ihren Fisch zu verrutschen, Hilfe Hai funktioniert einfach nicht. Der individuelle Erfolg ist dem Zufall überlassen. Spätestens dann, wenn die Kinder das verstehen, ist es vorbei und Hilfe Hai liegt in der Ecke. Unser Hai läßt sich nur nach vehementen Bearbeiten der Aus-Taste stoppen, was übrigens zu mehr Erheiterung beiträgt als das gesamte Spiel.  Teilweise dauert das Abschalten länger als eine Spielrunde.
 
Liebe Leute von Hasbro, liebe Eltern! Glaubt ihr wirklich, Kinder empfinden es als Spaß, wenn sie sich während eines "Spiels" streiten müssen, ob alle alles richtig gemacht haben?  Wenn also der Spaß schon auf der Strecke bleibt ... Lernen tun sie hier auch nichts. Das Spiel hat überhaupt keine Langzeitmotivation. Nach einer Runde Stress, mal wieder etwas richtiges spielen, etwas zum Lac hen und Spaßhaben, etwas zum Nachdenken oder zum Fällen einer Entscheidung. Liebe Eltern, bitte überlegen Sie sich, welche Geräusche sie am liebsten aus dem Kinderzimmer hören. Da die Spielmechanik der von Tempo kleine Schnecke bis auf das Verfolgungselement entspricht, ist ein Bezug notwendig, denn hier kann man wenigstens vorher noch Wetten auf Gewinner und Verlierer abschließen und alle sind beim Würfeln einbezogen. Fazit: Hilfe hai ist kein gutes Spiel - Finger weg von diesem Plastikquatsch.   

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
1 - 4
Spieldauer (Minuten): 
2
Jahrgang: 
2012
Spielkategorisierung
Spielethema: 
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