Im Schatten des Drachen

eine Spielerezension von Carsten Pinnow - 31.10.2005
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Im Schatten des Drachen von Reich der Spiele

Im Schatten des Drachen ist die erste Erweiterung zum erfolgreichen Fantasy-Brettspiel Rückkehr der Helden und ermöglicht mit neun zusätzlichen Regionen ein Riesenspielbrett mit insgesamt 25 Spielfeldern für nunmehr bis zu sechs Spieler.Im Schatten des Drachen ist aber auch gleichzeitig ein abgeschlossenes Zwei-Personen-Spiel, das man völlig ohne das Basisset benutzen kann.

Der Spielablauf ist hierbei derselbe wie bei Rückkehr der Helden: Jeder Spieler besitzt einen Charakter, dessen Kampfeigenschaften (Nahkampf, Fernkampf, Magie) verbessert werden müssen, um den „Endgegner“ besiegen zu können. Hierfür wird durch die Gegend gezogen (gewürfelt), gegen Monster gekämpft (gewürfelt), ab und zu mal ein Auftrag (Quest) angenommen oder eingelöst und hier und da mal ein Gegenstand erworben, verkauft, gefunden oder irgendwie in Besitz gebracht (meist durch würfeln). Sobald man sich stark genug fühlt, würfelt man sich zum Endgegner hin und versucht ihn zu bewürfeln, äh, besiegen.

Und was macht man sonst noch, außer würfeln? Man erfreut sich am Spielplan, den wirklich gelungenen Plättchen und Charakterkarten. Alles ist hübsch gezeichnet, bunt und macht den Eindruck, ein hochwertiges Spiel in den Händen zu halten. Das Spiel selbst enttäuscht dagegen und ist trotz der vielen Ähnlichkeiten mit dem Basisspiel irgendwie anders.

Irgendwie anders? Ja, leider. Vielleicht waren Autor und Verlag der Meinung, ein Spiel mit nur zwei statt vier Spielern dürfe deshalb nicht automatisch nur halb so lange dauern und erhöhte den Schwierigkeitslevel deutlich. Gerade zu Beginn ist es für die Charaktere äußerst schwierig, mal einen Kampf zu gewinnen. Doch gerade dies ist absolut notwendig, um Erfahrungspunkte zu sammeln und somit später besser kämpfen zu können. Dies und die unübersichtliche Anleitung führen dazu, dass eine Spielzeit von vier Stunden leicht erreicht werden kann. Dies ist jedoch für ein Zwei-Personen-Spiel, dessen Ausgang hauptsächlich vom Würfelglück abhängt, einfach viel zu lang.

Insbesondere die Anleitung ist ein Ärgernis: Wichtige Informationen sind ausschließlich im Glossar zu finden, sodass man gezwungenermaßen wirklich alles durchlesen muss, im Zweifelsfall aber beim Nachschlagen nicht findet. Auch hier gilt, dass der Spielreiz dafür einfach nicht reicht.

Neben diesen offenbaren Schwächen gibt es noch ein paar andere Faktoren, die erst bei genauerer Betrachtung das Spiel deutlich beeinflussen und vom Grundspiel unterscheiden. Beispielsweise gibt es keine drei verschiedenen Meister mehr, bei denen man seine Kampfwerte verbessern kann (würfeln), sondern nur noch einen einzelnen: Kerberos, den Höllenhund. Diesen muss man mit Erfahrungswerten „bezahlen“ (und würfeln!), anschließend wird man quer übers Spielfeld teleportiert. Ergo: Schwerer, weiter, länger. Entscheidend ist jedoch, dass es deutlich weniger Entscheidungsspielraum gibt. Bei dem genannten Beispiel kann sich ein Spieler nicht mehr entscheiden, zu welchem Meister er geht (es gibt ja nur einen!) und damit wohin (zu welchem Gebietsplättchen) oder wie sehr man sich verbessern will. Es sei denn, es macht Spaß, zigmal sinnlos quer übers Spielbrett zu laufen (würfeln) ... Damit entsteht insgesamt mehr der Eindruck, gespielt zu werden, statt selbst Einfluss auf das Spielgeschehen zu haben, als es bei Rückkehr der Helden der Fall war.

In Form der Ergänzung zu Rückkehr der Helden ist der Einfluss der schwierigen Aufgaben und Monster bei weitem nicht so groß, das Spiel funktioniert wie gewohnt. Die zusätzlichen Gebietsplättchen und Monster bieten interessante Abwechslung, allerdings können sich manche Aufgaben auch als langwieriger erweisen, da die Wege unter Umständen einfach weiter sind.

Egal, ob man Im schatten des Drachen nun zu zweit oder als Erweiterung spielt, man sollte dafür viel Zeit einplanen oder die Charaktere gleich von vornherein zumindest mit zusätzlichen Erfahrungspunkten ausstatten. Als Zwei-Personen-Spiel bietet es durchaus (vor allem optischen) Reiz für eine Hand voll Partien. Für mehr? Weiß nicht, da muss ich erstmal würfeln ...

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
240
Jahrgang: 
2004
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
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