Indigo

eine Spielerezension von Axel Bungart - 30.09.2012
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Indigo von Ravensburger

Bei Indigo versuchen zwei bis vier Spieler, Edelsteine in drei verschiedenen Farben in Bahnen zu lenken, die diese geradewegs in eines ihrer eigenen Tore führen. Das Spielfeld ist nahezu rund und besteht aus sechseckigen Feldern, auf die später entsprechend geformte Plättchen gelegt werden. In der Mitte des Spielfelds liegt bereits ein Plättchen aus, das sechs Edelsteine (fünf grüne und einen blauen) beherbergt. Am Spielfeldrand liegen in regelmäßigen Abständen weitere sechs Plättchen, auf denen sich je ein weiterer (gelber) Edelstein befindet. Die Farben geben Aufschluss über den Wert der Edelsteine.

Wer den Zugmechanismus von Tsuro kennt, weiß schon, wie Indigo funktioniert. Man zieht ein Sechseckplättchen, dass drei verschiedene Wege zeigt, die immer von einer Kante des Plättchens zu einer anderen führen; sechs Kanten, sechs Weg-Endungen - jedes Plättchen passt also an ein beliebiges anderes. Dieses Plättchen legt man irgendwo auf dem Spielplan ab. Am besten legt man es aber entweder an das zentrale Plättchen an, oder an eines der Randplättchen, denn dann darf (bzw. muss) man einen der Edelsteine, für den sich nun ein Weg eröffnet, in Richtung des Spielfeldrandes ziehen. Die Bereiche zwischen den sechs Randplättchen bilden dabei Tore, durch die man die Steine vom Spielfeld ziehen muss, um Punkte zu erhalten. Allerdings hat man bei Indigo nur im Spiel zu zweit und zu dritt ein eigenes Tor sowie zwei weitere, die man sich mit den Mitspielern teilt. Das bedeutet, dass man einen Stein, wenn man ihn aus einem Tor herauszieht, das man sich mit jemandem teilt, ebenfalls teilt oder genauer gesagt: verdoppelt. Der Tormitinhaber profitiert also in gleichem Maße von meinem Gewinn. Im Spiel zu viert hat man sogar gar kein eigenes Tor.

Legt man ein Plättchen so an, dass mehrere Steine gezogen werden können, müssen auch alle Steine bewegt werden. So kann es passieren, dass zwei Steine aufeinander treffen und damit aus dem Spiel genommen werden.

Sobald alle Steine vom Spielfeld verschwunden sind, endet das Brettspiel und es gewinnt, wessen Steine am meisten wert sind (blau = 3, grün = 2, gelb = 1 Punkt).

Indigo gehört zu den Spielen, die man innerhalb von fünf Minuten erklären und in weiteren 20 Minuten spielen kann. Autor Reiner Knizia versucht gar nicht erst, eine phantastische Hintergrundgeschichte zu konstruieren, die dann sowieso nur aufgesetzt wirkt, und das ist gut so. Vielmehr ist das Motto „Verschlungene Pfade – überraschende Wendungen – zauberhaft einfach!“, und das trifft es auf den Punkt! Indigo plätschert im ersten Drittel etwas dahin, wenn jeder die ersten Plättchen legt und kein anderer sich darum bemüht, die Wege zu „korrigieren“. Doch schon bald laufen die Wege kreuz und quer, und es ergeben sich in jedem Spielzug diverse Möglichkeiten, die Edelsteine in Richtung eines eigenen Tores umzulenken. Im letzten Drittel wechseln die Edelsteine dann fast in jedem Zug die Richtung, und da sind es dann tatsächlich die zum Teil abenteuerlichen Wendungen, die einen manchmal schier verzweifeln lassen, weil ein sicher geglaubter Stein plötzlich an einer Ecke des Spielfelds landet, in der man ihn sicher nicht haben wollte.

In dieser Phase macht Indigo die beste Figur, auch wenn man eine gewisse Planlosigkeit unterstellen muss. Es überwiegt aber das schöne Gefühl der Rache, wenn man, als Antwort auf den Winkelzug eines Gegners, den umworbenen Stein mit einer ebenso atemberaubenden Gegenkurve wieder in eigene Gefilde lenkt. Zum Ende hin wird das allerdings immer schwerer. Auch, dass das nicht immer gelingt, weil einem vielleicht im rechten Moment mal das passende Plättchen fehlt, trägt durchaus zum Spielspaß bei. Ärgern kann man den/die Gegner übrigens auch, in dem man zwei Steine, an die man sowieso nicht mehr heran kommt, einfach gegeneinander laufen lässt. „Ich nichts – ihr auch nichts!“

Als Familienspiel ist Indigo bestens geeignet. Auch zu zweit funktioniert es gut, jedoch würde ich eine Partie zu mehreren vorziehen, weil das Konkurrenzgehabe größer ist. Vielspieler werden es eher als Abschluss verstehen, um den Kopf nach zweieinhalb Stunden Grübelei wieder frei zu kriegen. Und in gewissem Maße unterhaltsam ist es ein jedem Fall. Dazu tragen auch das farblich harmonisch gestaltete Material, die Spielsteine aus Glas und nicht zuletzt die erwartungsgemäß perfekten Spielregel bei. Indigo stand zu Recht auf der Empfehlungsliste Spiel des Jahres 2012.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
25
Jahrgang: 
2012
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
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