Kampf der Kulturen

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 31.10.2005
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Kampf der Kulturen von Reich der Spiele

Der Titel dieses Spiels ließe zwar auf eine abendfüllende Monumentalschlacht a la Civilization oder dergleichen schließen. Die Schlacht in der Petrischale, so die Unterzeile des Ganzen, entpuppt sich jedoch als wunderbares Strategiespiel, das rasch erklärt, von angenehm kurzer Dauer ist und trotzdem keinerlei Wünsche offen lässt.

Gespielt wird in einer richtigen Petrischale, die auch gleich als Verpackung dient. Der Spielplan teilt den Boden der Schale in eine Mittelzone und vier so genannte "Hervorragende Regionen" ein, die alle mehrere Positionspunkte, die Nährstoffbereiche, aufweisen. Die beiden Spieler erhalten je 16 schwarze beziehungsweise weiße Filzmarker. Diese stellen Bakterienkulturen dar, die auf den Nährstoffbereichen leben. Ziel des Spiels ist es, die Vorherrschaft in mindestens drei der vier "Hervorragenden Regionen" zu erringen.

Zu Beginn platzieren beide Spieler abwechselnd je eine einzelne Bakterienkultur auf einen der Nährstoffbereiche. Gespielt wird Zug um Zug, wobei jeweils eine der Kulturen auf ein freies Nachbarfeld bewegt, wachsen gelassen oder geteilt werden kann. Durch Wachstum verdoppelt sich die Höhe einer Kultur, wobei maximal vier Marker aufeinander gelegt werden dürfen. Durch Teilung halbiert sich eine Kultur, was zum Belegen eines zusätzlichen Nährstoffbereiches führt.

Voraussetzung für ein derartiges Manöver sind genügend freie Nährstoffbereiche um die betreffende Kultur herum, die so genannten Freiheiten. Jede Kultur braucht mindestens eine Freiheit, um existieren zu können. Ist dies nicht mehr der Fall, so stirbt die Kultur und wird augenblicklich vom Spielplan entfernt. Die Spieler versuchen so beidseitig, den Gegner an der Ausbreitung seiner Kulturen durch Teilung zu hindern und einzelnen Ablegern die Freiheiten zu beschneiden, um sie so abzutöten. Nur wer die Mittelzone einigermaßen kontrolliert, kann erfolgreich in die hervorragenden Regionen vorzudringen versuchen. Dabei ist indessen sicherzustellen, dass nicht durch gezielte gegnerische Attacken auf strategisch wichtige Kulturen die eigene Stellung in der Mittelzone unterlaufen werden kann. So wogt der Kampf in der Petrischale hin und her, bis endlich einer der Spieler den Gegner genügend weit zurückzudrängen und drei der vier "Hervorragenden Regionen" zu kontrollieren vermag.

Kampf der Kulturen fasziniert und begeistert. Die reich illustrierte Übersetzung der englischsprachigen Originalanleitung ist gut verständlich und lässt keine Fragen offen. So gestaltet sich der Einstieg ins Spiel recht unkompliziert und spätestens nach einer ersten (Probe-) Partie hat man auch die Aktionsmöglichkeiten der Kulturen gut im Griff, worauf sich eine Spieltiefe öffnet, die schier unglaublich ist. Offensiv- und Defensivstrategien sind sorgfältig abzuwägen, um entschlossen zuschlagen zu können, sobald sich in der gegnerischen Stellung eine Lücke öffnet. Die Spieldauer ist dabei angenehm kurz und lädt zu einer sofortigen Revanchepartie ein, die normalerweise gerne gewährt wird. Wer Schach, Dame oder Go liebt, wird am Kampf der Kulturen seine helle Freude haben. Aber auch allen übrigen Fans strategischer Herausforderungen sei dringend empfohlen, sich mal auf eine Schlacht in der Petrischale einzulassen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2003
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