Langfinger

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 29.03.2010
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Langfinger von Reich der Spiele

Kleine, schnittige Karten- und Brettspiele werden immer ihre uneingeschränkte Daseinsberechtigung haben, besonders wenn sie so hübsch aufgemacht und gut sind wie Langfinger. Das Spiel ist von seinem Thema her zwar alles andere als politisch korrekt oder ethisch wertvoll, aber im Ablauf derart schmissig und stimmungsvoll, dass es eine wahre Freude ist.

Die Spieler schicken als Chefs von Gaunerbanden ihre Ganoven auf nächtliche Streifzüge durch die Stadt. Sie haben sich Werkzeuge zu besorgen für möglichst lukrative Einbrüche, um die so erbeuteten Besitztümer anschliessend beim Hehler ihres Vertrauens in Siegpunkte umzuwandeln. Dazu dürfen reihum insgesamt drei Gauner an den einzelnen Schauplätzen des pittoresken Spielbretts eingesetzt werden. Am selben Ort dürfen dabei durchaus auch mehrere Gauner derselben Bande stehen, sofern es genügend freie Plätze hat. Sind alle Ganoven verteilt, beginnen sie in der Reihenfolge des Eintreffens am jeweiligen Schauplatz ihr lästerliches Tun zu entfalten.

In der City dürfen je zwei Werkzeugkarten aus einer kleinen Auslage ausgesucht und auf die Hand genommen werden. Unerwünschte Handkarten sind bei der Ruine gegen hoffentlich passendere eintauschbar. Allerdings weiß niemand, was der verdeckte Nachziehstapel hergeben wird. In der Villa und im Museum können anschließend Wertgegenstände geraubt werden, wobei auf jeder Beutekarte genau vermerkt ist, was an Werkzeugen nötig ist und abgegeben werden muss, um den jeweiligen Gegenstand mitnehmen zu können.

Analoges gilt für die Hehler am Hafen unten. Nicht alle sind an denselben Gegenständen interessiert und nicht jeder zahlt gleich viel. Ganoven, die erst später an der Reihe sind, laufen so Gefahr, das eigene Raubgut gar nicht oder zu einem ungünstigeren Kurs in Siegpunkte umtauschen zu können. Sind so alle Gauner an ihren Standorten zum Einsatz gekommen, werden sie wieder eingesammelt und neue Werkzeug-, Beute- und Hehlerkarten bereitgelegt, worauf die nächste Spielrunde beginnt. Das Spiel ist zu Ende, sobald der erste Spieler 20 oder mehr Siegpunkte erreicht hat. Die laufende Runde wird noch fertig gespielt, worauf der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Die Mechanismen und der Ablauf des Spiels sind keineswegs neu, sorgen aber trotzdem für Kurzweil und Unterhaltung. Viel zu planen und überlegen gibt es dabei nicht, weshalb frisch drauflos gespielt werden kann. Trotzdem ist gut darauf zu achten, dass die Stückelung der Werkzeuge stimmt, um einen Einbruch wagen und die angestrebte Beute dann auch tatsächlich einsacken zu können. Es ist mehr als ärgerlich, wenn ein Konkurrent das Gewünschte bereits abgeschleppt hat, weil er früher vor Ort war, oder wenn der Hehler mit dem lukrativsten Tauschangebot schon mit einem anderen Lieferanten den Deal gemacht hat. Das Spiel sieht nicht nur peppig aus, sondern spielt sich auch so und kommt überall gut an. Sehr hübsch.

 

 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2009
Spielkategorisierung
Spielethema: 
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