Los Rollos

eine Spielerezension von Christoph Brandt - 12.03.2016
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Los Rollos - Fototeile von HCM Kinzel

Trotz Internet, Computerspielen, Handy und Co. finde ich es beruhigend, dass auch weiterhin eine einfache Murmelbahn Kinder faszinieren kann. Da ist es natürlich naheliegend, das Prinzip einer Murmelbahn in ein Gesellschaftsspiel für Kinder zu integrieren. Das Spiel Los Rollos von HCM Kinzel ist ein mehr oder weniger gelungener Versuch, dies zu tun.

Wie wird Los Rollos gespielt?

Los Rollos besteht aus einem Kunststoffturm mit Dach, an den die Plastikteile einer Murmelbahn wie Balkone angehängt werden. Ziel des Spieles ist es zunächst einmal, dass möglichst viele Kugeln am Ende des Spiels in der eigenen, farblich markierten Auslauffläche am Fuß des Turmes landen. Dabei ist zu beachten, dass es unterschiedliche Kugeln gibt. Die silbernen und goldenen Kugeln geben ein bzw. zwei Punkte in der Endabrechnung, die schwarzen Kugeln hingegen führen jeweils zu einem Punkt Abzug. Gewonnen hat, wer am Ende die meisten Punkte sammeln konnte.

Die Spieler ziehen reihum eine Metallkugel aus einem Beutel und werfen diese in eines der vier Löcher im Dach des Turmes. Die Kugel sucht sich nun über die Balkone wie bei einer Murmelbahn ihren Weg nach unten und landet schließlich in einem der vier farbigen Auslaufbereiche. Nun darf der Spieler, der die Kugel geworfen hat, einen der Balkone am Turm umhängen. Hierdurch ändert sich die Laufstrecke der Kugel - oder eben auch nicht. In wessen Auslauffläche die Kugel landet, ist aber nicht nur von der Stellung der Balkone abhängig, sondern auch davon, in welches der vier Löcher im Dach die Kugel zu Beginn geworfen wird. Jetzt ist der nächste Spieler an der Reihe.

Sinn des Spiels ist es, die Laufwege der Kugeln über die Balkone zu ermitteln und so dafür zu sorgen, dass die „guten“ Kugeln in der eigenen Auslauffläche landen, während die „schlechten“ Kugeln möglichst bei den Gegnern landen sollten. Damit nun nicht jeder Spieler die Laufwege mit dem Finger nachfährt und so diese ermittelt, ist ein Timer in den Turm eingebaut. Habe ich einen Balkon umgehängt und damit womöglich den Laufweg der Kugel verändert, drücke ich auf den Timer und nun hat der nächste Spieler acht Sekunden (oder je nach Schwierigkeitsgrad auch nur fünf oder drei Sekunden) Zeit, die nächste Kugel aus dem Beutel zu fischen und in eines der Löcher im Turmdach zu werfen.

Was sind die Herausforderungen bei Los Rollos?

Selbst für einen Erwachsenen ist es kaum möglich, den Laufweg der Kugel in der kürze der Zeit halbwegs vorherzubestimmen und so bewusst zu entscheiden, in welches der vier Löcher man seine Kugel wirft. Ist dies bei einem Spiel zu zweit noch halbwegs möglich, so ändert sich bei vier Spielern in einer Runde so viel am Turm, dass dies nicht mehr möglich erscheint. Für ein Kind von acht oder neun Jahren ist dies überhaupt nicht leistbar. So verkommt Los Rollos zu einem Glücksspiel, bei dem mehr oder weniger willenlos die Kugeln in die Löcher geworfen werden und man hofft, dass die meisten (und Punkte bringenden) Kugeln bei einem selbst landen. Forciert wird dies zusätzlich durch den Timer, ohne den aber zugegebenermaßen auch das ganze Spielprinzip nicht funktioniert. An ein planvolles, taktisches Vorgehen ist nicht zu denken.

Hinzu kommt, dass der Turm zu jedem Spiel auf- und abgebaut werden muss, weil er sonst nicht in die Verpackung passt. Da der Turm außerdem aus recht "billig wirkendem" Kunststoff besteht, können die Steckverbindungen dabei schnell abbrechen. Der Auf- und Abbau ist also nicht unbedingt etwas für Kinderhände. Außerdem ist der sehr einfache Spielkarton auch für den zerlegten Turm noch zu klein, sodass nach jeder Partie eine ganze private Runde Tetris auf mich wartet mit dem Versuch, alle Turmteile in die Verpackung zurück zu bekommen und diese dann auch noch schließen zu können. Mittlerweile habe ich es entnervt aufgegeben und die Turmteile kommen einfach irgendwie in den Karton und ich lasse ihn offen. Nicht schön, aber nervenschonend. Hätte ich das Spiel nicht in einer verschlossenen Schachtel mit allen Turmteilen bekommen, ich würde behaupten, die Teile passen nicht alle in den Karton …

Wie lautet das Spielefazit zu Los Rollos?

Insgesamt kann ich jedem nur raten, anstelle von Los Rollos lieber eine einfache Murmelbahn aus Kunststoff zum Zusammenstecken zu kaufen. Der Spielspaß ist meiner Meinung nach mindestens genau so groß und lang anhaltend, die Murmelbahnteile bestimmt stabiler und damit langlebiger und einem bleibt das frustrierende Verstauen erspart.

Wertung: 
Bewertung schwach

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
6
Spieldauer (Minuten): 
10
Jahrgang: 
2015
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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