Louis XIV

eine Spielerezension von Silke Groth - 31.10.2005
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Louis XIV von

Zur Zeit Louis XIV versuchen die Spieler, am Hofe des Sonnenkönigs Einfluss auf die nächsten Angehörigen und Vertrauten des Königs zu nehmen, um so in dessen Gunst weiter aufzusteigen. Dafür ist beinahe jedes Mittel recht, es darf also fröhlich intrigiert werden.

Das Spiel läuft über vier Runden. Zu Beginn jeder Runde erhalten die Spieler Geld und Einflusskarten. Die zwölf Personen des engsten Vertrautenkreises des Königs werden durch Personentafeln repräsentiert, die im Spiralmuster ausliegen.

Einflusskarten, die entweder ein Bild einer dieser Person zeigen oder einen Vorhang (Joker), sind auf zweierlei Arten einsetzbar. Entweder nimmt der Spieler Einflusssteine aus dem allgemeinen in den eigenen Vorrat, denn nur mit diesen ist eine Einflussnahme möglich, oder er platziert Einflusssteine auf den Personentafeln. Hierbei können bis zu drei Steine auf die Person gesetzt werden, deren Karte gespielt wurde. Zusätzlich darf nun auf angrenzende Personentafeln gesprungen werden, mit der einzigen Einschränkung das mindestens ein Stein auf der Ausgangskarte verbleiben muss.

Nun kommt es zur Auswertung. Nacheinander werden bei allen Personen die Mehrheitsverhältnisse ermittelt. Hier gibt es unterschiedliche Bedingungen, wer die „Ausschüttung“, sprich die Belohnung, erhält. Bei einigen Personen findet nur dann eine Ausschüttung statt, wenn ein Spieler die alleinige Mehrheit an Einfluss besitzt. Andere hingegen lassen sich auch noch von Spielern mit geringem Einfluss gerne schmieren. Manchmal reicht es aber schlicht, mit einer bestimmten Anzahl Steinen bei der Person vertreten zu sein. Als Belohnung erhalten die Spieler zum Beispiel so genannte Missionschips, Wappen, Geld oder zusätzliche Karten. Jede Personentafel ist beidseitig bedruckt, allerdings mit unterschiedlichen Bedingungen. Da bei jeder erfolgten Ausschüttung die Tafeln umgedreht werden, ändern sich so die Vorraussetzungen von Runde zu Runde.

Mittels der ergatterten Missionschips können die Spieler Missionen erfüllen. Diese Missionen, die es in drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden und Güteklassen gibt, bringen nicht nur fünf Siegpunkte am Spielende, sondern haben auch weitere Vorteile im Spielverlauf wie zum Beispiel Geld, Einflusssteine oder auch das Recht, in der Einflussphase auszusetzen, um so besser auf die Gegner reagieren zu können. Weitere Siegpunkte gibt es am Spielende für jedes Wappen, gegebenenfalls Bonuspunkte für Mehrheiten in einer Wappenart, Geld und nicht eingesetzte Karten. Am Ende der vierten Runde gewinnt der Spieler mit den meisten Siegpunkten.

Louis XIV ist ein rundum spannendes Spiel um Mehrheiten mit einem schön eingebundenen Thema. Jede Runde läuft anders ab und ständig muss man um die Verwirklichung der eigenen Pläne bangen. Da heißt es, den Gegner beobachten und dessen Ziele erahnen, damit er einem nicht einen Strich durch die Rechnung macht. Die Mehrheitsverhältnisse ändern sich häufig, wodurch ein gewisses Maß an Flexibilität erforderlich ist, um auch mal kurzfristig auf Plan B oder gar C zurückgreifen zu können. Auch sind die eigenen Einflusssteine im Blick zu behalten. Nichts ist ärgerlicher als im entscheidenden Moment nicht agieren zu können.

Durch die Erfüllung der Missionen hat das Spiel sogar einen gewissen Aufbaucharakter, da sie im weiteren Spielverlauf zum Teil sehr große Vorteile bieten. Bei Louis XIV gibt es aber mehr als einen Weg, um das Spiel zu gewinnen, schnell wird klar, dass eine zu einseitige Taktik kaum Erfolgsaussichten hat. Oftmals entscheiden am Ende sogar die im Laufe des Spieles häufig vernachlässigten Wappen.

Mit seinen vielfältigen Möglichkeiten ist Louis XIV ein sehr komplexes, aber nie kompliziertes Spiel. Es richtet sich eher an "Vielspieler". Allerdings kann das gute Regelwerk vielleicht den einen oder anderen Gelegenheitsspieler für anspruchsvollere Kost begeistern. Es macht in allen Besetzungen Spaß, lediglich die Zweier-Variante kann das Spielgefühl in der Form nicht vollständig vermitteln. Alles in allem hat Rüdiger Dorn vielleicht nicht das Rad neu erfunden, dafür aber eines der besten Mehrheitenspiele überhaupt!

 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
100
Jahrgang: 
2005
Spielkategorisierung
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