Ming Dynastie

eine Spielerezension von Silke Groth - 16.09.2008
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Ming Dynastie von Reich der Spiele

Nachdem China sich Mitte des 14. Jahrhunderts sich von der Herrschaft der Mongolen befreit hat, werden die Machtverhältnisse im Land neu geordnet. Die Spieler verkörpern Prinzen, die versuchen durch den Einsatz ihrer Familienmitglieder möglichst viel Einfluss zu erlangen.

Das China der Ming Dynastie ist in sechs Provinzen aufgeteilt, die in jeweils drei Bezirke aufgeteilt sind und eine zentrale Hauptstadt besitzen. Darüber hinaus ist allen Provinzen ein Feld am Spielfeldrand zugeordnet. Neben jedem Feld liegt eine offene Bewegungskarte aus. Das Spiel läuft über sechs Runden, die in verschiedene Phasen unterteilt sind. Alle zwei Runden kommt es zu einer Wertung. Jeder Spieler erhält ein paar Familienmitglieder und seinen Alter Ego, den Prinzen, der in einen beliebigen Bezirk gestellt wird.

In der ersten Phase werden die Familienmitglieder in die Provinzfelder gesetzt. Diese Felder haben zwei Funktionen: Zum einen legen sie die Provinz fest, in die sie später eingesetzt werden dürfen, zum anderen bestimmen sie, welche Karten in der zweiten Phase auswählbar sind, denn man kann eine Karte nur aufnehmen, wenn sie neben einem Feld liegt, in dem eine eigene Spielfigur steht. Diese Karten zeigen Symbole, die in der folgenden Phase von Bedeutung sind – der Bewegungsphase. Hier reist der Prinz von Bezirk zu Bezirk und benötigt für eine Bewegung eine Karte mit dem Symbol, das zwischen den Bezirken zu finden ist. Alternativ kann auch eine Drachenkarte gespielt werden, die als Joker fungiert, aber nur auf Kosten eines Familienmitgliedes erlangt werden kann. Letztlich finden die Familienmitglieder zu ihrer eigentlichen Bestimmung und dürfen sich nach einer Bewegung der Prinzenfigur zu ihm auf den Plan gesellen, aber natürlich nur wenn sie in dem richtigen Provinzfeld stehen. Jeweils ein Familienmitglied hat die Wahl eine religiöse Karriere anzustreben und kann sich im örtlichem Bezirkskloster häuslich einrichten.

Befinden die Spieler nun in der zweiten, vierten oder sechsten Runde findet eine Wertung statt. Wie in vielen Spielen, bei denen es um Einfluss und Macht geht, kommt es auch bei Ming Dynastie auf Mehrheiten an. Jeder Bezirk wird einzeln gewertet, wer hier die Mehrheit besitzt, darf Familienmitglieder in die Stadt senden. Mönche zählen bei der Mehrheitsbestimmung nicht, geben dafür aber bei jeder Wertung Punkte, so sie denn im Kloster verweilen. Für jede entsandte Spielfigur gibt es als Belohnung ein passendes Provinzplättchen, die sobald man ein Set aus allen sechs Provinzen besitzt in massig Punkte umgewandelt werden. Sind alle drei Bezirke einer Provinz gewertet, kommt es zur Stadtwertung. Hier wird nun verdeckt entschieden, ob die Figuren in der Stadt bleiben und dort einmalig Punkte bringen sollen um danach aus dem Spiel zu verschwinden, oder ob sie zurück in die Bezirke gehen um dort auch in der nächsten Runde für Einfluss zu sorgen. Nach der dritten Wertung gewinnt der Spieler mit den meisten Punkten.

Ming Dynastie besitzt interessante und geschickt verflochtene Mechanismen. Es dauert ein paar Partien, bis man ein Gespür für die „richtigen“ Aktionen bekommt. Um sich auf dem Plan bewegen zu können, benötigt man die richtigen Karten. Die Wahrscheinlichkeit, diese zu erlangen, kann durch eine breitere Streuung der Familienmitglieder auf verschiedene Provinzfelder erhöht werden, da so mehr Karten zur Verfügung stehen. Gleichzeitig wird so die eigene Position auf dem Spielplan geschwächt, da es schwieriger wird Mehrheiten in den Bezirken zu erlangen.

Im Laufe des Spieles leistet man einen nicht unerheblichen Denkaufwand, da es natürlich auch mehrere Wege gibt an Punkte zu gelangen. Leider sind viele Planungen letztlich Makulatur, weil es im Spiel dann doch anders kommt. Entweder kommen die dringend benötigten Karten nicht (oder ein anderer Spieler war schneller) oder das anvisierte Feld auf dem Spielplan ist schon besetzt (zwei Prinzen dürfen nie im gleichen Bezirk stehen bleiben). Das ist nicht planbar und kann auf Dauer etwas frustrierend sein.

Ming Dynastie sicherlich kein schlechtes Spiel, kann aber nicht komplett überzeugen. Der Einstieg fällt schwer (nicht nur aufgrund der schlecht strukturierten Spielanleitung) und es spielt sich zu anstrengend, woran auch die Wertungen einen großen Anteil haben. Es ist zu viel Klein-Klein-Rechnerei dabei (18 Bezirke, sechs Städte, 18 Klöster), was den Spielspaß deutlich mindert, zusätzlich verschärft durch die Tatsache, dass es bei jeder Wertung unterschiedliche Punkte für Sets und „Städter“ gibt. Auch die Zwei-Spieler Variante, mit einem neutralen dritten Spieler ist nicht wirklich zu empfehlen. Mit einem etwas strafferen Spielverlauf und einer vereinfachteren Wertung wäre mehr drin gewesen – so bleibt Ming Dynastie Durchschnittskost.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
90
Jahrgang: 
2007
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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