Noblemen

eine Spielerezension von Axel Bungart - 11.05.2013
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Noblemen von Axel Bungart

Noblemen spielt im England des 16. Jahrhunderts. Als Adelsfamilien versuchen 3-5 Spieler ihren Einfluss auf die Königin zu mehren, um somit deren Gunst zu gewinnen. Wer am Schluss durch den Bau von Gebäuden und das Erringen von Adelstiteln die meisten Siegpunkte machen konnte, gewinnt.


Anfangs stolpert man einmal über den Namen: Heißt das wirklich Noblemen (Adlige, Edelleute)? Und schon ist man eingefangen. Ein zweiter Blick auf das Cover, dann einer in die Kiste, und spätestens jetzt ist die Neugier geweckt. Denn der Spielplan ist schon mal ein Hingucker. Eine Art Palastgarten dient gleichermaßen als Spielplan und Ablagefläche für die zu bauenden Gebäude und gespendeten Geländeplättchen. Er beherbergt nicht weniger als vier Zählleisten und das alles in bemerkenswert übersichtlichem und adrettem Design. Das restliche Spielmaterial ist üppig im Umfang, ausnahmslos von sehr guter Qualität (Holzfiguren) und ebenfalls schön gezeichnet. Besonderheit: Nicht nur schön sondern auch funktionell sind die Sichtschirme. Sie verdecken den Blick auf zu Verheimlichendes und präsentieren prunkvoll den aktuellen Adelstitel (in Form einer Sichtschirmerhöhung) sowie die daraus erwachsenden Vorteile. Zur Spielregel genügt ein Wort: ausgezeichnet!


Ausgestattet mit ein paar Geländeplättchen, etwas Geld und zwei Rittern geht jeder Spieler bei Noblemen an den Start. Wer an der Reihe ist, darf (muss) sich für eine von sieben möglichen Aktionen entscheiden. Damit fühlt man sich nur kurz überfordert, denn schnell ist klar, dass nicht alle Aktionen anfangs Sinn machen. Die wichtigsten Aktionen bei Noblemen sind zunächst: Anwesen vergrößern (bis zu drei Geländeplättchen in die eigene Auslage legen) und Gebäude bauen (Burg, Palast, Kapelle oder Folley auf einer Wiese errichten).


Für ausgelegte Haine gibt es bei Noblemen neue Plättchen aus dem Beutel, Äcker füllen hingegen den Geldbeutel. Erstellt man in seiner Auslage ein Quadrat aus zweimal zwei gleichartigen Plättchen, gibt es dafür noch einen Bonus in Abhängigkeit der jeweiligen Landschaft. Für vier Gärten (= ein Brunnen) erhält man z. B. die Königin, welche einem jedes Mal einen Siegpunkt beschert, wenn man sie am Zugende noch hat.


Gebäude darf man grundsätzlich nur auf Wiesen bauen. Das bringt einen schon mal in den Zwist der Entscheidung, bonusträchtige Wälder, Äcker und Brunnen zu bauen oder aber lumpige Wiesen, die man eben unbedingt für Gebäude benötigt. Immerhin bringen Gebäude direkte Siegpunkte bei den Wertungen - wenn sie komplett von Geländeplättchen umgeben sind! Und als wäre das noch nicht genug, dürfen Burgen und Paläste nicht aneinander grenzen. Kapellen hingegen müssen daran angrenzen, damit sie überhaupt zählen. Und Folleys? Egal. Sie bringen einmalig Siegpunkte und sollten nur nicht im Weg stehen.


Zweimal pro Dekade findet bei Noblemen ein Maskenball statt. Bis dahin sollte man für Prestigepunkte gesorgt haben, die nun ausgewertet werden. Wer mit seinen Prestigepunkten bestimmte Grenzen überschreitet, bekommt einen Adelstitel, der einem sofort bis zu sieben Siegpunkte und, solange man ihn hat, u. U. Rabatt beim Kauf von Gebäuden einbringt. Kurz nach dem zweiten Maskenball in einer Dekade findet noch eine Gebäudewertung statt. Paläste und Burgen müssen aber von Geländeplättchen vollständig umringt sein, um zu punkten.


Nach drei Dekaden ist bei Noblemen Schluss. Wann das ist, lässt sich schwer voraussagen, denn der Rundenzähler geht immer einen Schritt weiter, wenn der Besitzer der Königin seinen Zug beendet. Wechselt die Königin in einer Runde mehrfach, geht auch die Dekade schneller zu Ende.


Noblemen hat mir schon beim Lesen der Regel gefallen, was auch schon mal für die Spielregel spricht, denn sie vermittelt ein Gefühl für dieses Brettspiel. Das erlaubt trotz der etwas umfänglicheren Regeln einen gutmütigen Einstieg ins Spiel. Die sieben Optionen, die man Runde für Runde zur Auswahl hat, hat man stets im Auge und im Sinn. Zusätzlich helfen kleine Spielhilfekarten sehr gut, wenn es doch mal wo hakt.


Erst wenn das Anwesen wächst, lohnt es sich, zwei weitere Aktionsmöglichkeiten (Steuern eintreiben/Land gewinnen) einzusetzen. Die Ausführung ist denkbar einfach wie auch die restlichen Aktionsmöglichkeiten. Der Sichtschirm von Noblemen gibt auf der Innenseite eine Hilfestellung, wofür man was erhält.


So kann man sich schnell auf seine Ziele konzentrieren, und das ist durchaus auch notwendig, denn Planung ist bei einer Partie Noblemen schon erforderlich. Wichtig ist es vor allem, seine Gegenspieler zu beobachten. Fangen andere früh mit dem Bau von prestigeträchtigen Gärten an, sollte man sich entscheiden, ob man mitzieht, um nicht den Anschluss zu verlieren oder aber seine Strategie ändert und den Bau von Gebäuden verstärkt.


Die Königin zu besitzen, bringt einem jedes Mal, wenn man an der Reihe ist, einen Siegpunkt. Das läppert sich. Um sie zu erhalten gibt es verschiedene Möglichkeiten. Doch entscheidend ist hier auch wieder die Beobachtung der Gegner. Steht ein Mitspieler kurz vor Vollendung eines Brunnens (der ihm die Königin bringt), sollte man versuchen, die Königin erst nach dessen Fertigstellung zu erhalten, weil sie sonst gleich wieder weg ist.


Da man seine Marker für Steuerneintreibung und Landgewinnung jeweils nur einmal pro Dekade einsetzen kann, ist das Timing des Einsetzens sehr wichtig. Dem Steuereintreiben kommt dabei besonderer Bedeutung zu, denn es ist die einzige Möglichkeit, bei Noblemen gezielt an größere Mengen Geld zu kommen. Daher spielt man sie, wie auch die Landgewinnung, am besten zum Ende der Dekade hin aus. Aber Achtung: Wechselt die Königin munter ihre Besitzer, ist die Dekade schneller vorbei als man denkt. Und ungenutzte Marker sind Verschwendung!


So gibt es noch ein paar Feinheiten wie die Bestechungsmarker, welche einen bei drei verschiedenen Aktionen unterstützen können, die Landspende an die Kirche, welche einem sofort Siegpunkte bringt oder die Ritter, die, bei den Gegnern eingesetzt, ihnen Boni oder Prestige klauen. Und schließlich gibt es noch Handkarten mit diversen positiven Effekten.


Noblemen ist ein Strategiespiel, das nicht alle Fehler verzeiht. Baut man z. B. sein Anwesen von grundauf falsch auf, wird man seine Gebäude nur schwer sinnvoll miteinander verknüpfen können. Das kostet Spielzüge und verringert das Optimum der Punkteausbeute. Das Timing der Aktionen und die Beobachtung der Mitspieler sind sehr wichtig. Dennoch hält sich die Interaktion sehr im Zaum; lediglich mit den beim Bau einer Burg einzusetzenden Rittern pfuscht man seinen Gegnern unmittelbar ins Handwerk.


Mein erster guter Eindruck hat sich nach ein paar Partien Noblemen voll bestätigt. Es lädt durch gutes Material, schönes Design und eine eingängige Regel zum Spielen ein. Das dürfte trotz des erhöhten Anspruchs auch Wenigspielern Anreize geben. Nichtsdestotrotz richtet sich Noblemen eher an Vielspieler. Einem meiner Mitspieler (Vielspieler) waren die Möglichkeiten zu punkten zu vielfältig (ähnlich wie bei Trajan). Ich teile diese Meinung nicht, obwohl das Potenzial an Aktionen im letzten Drittel des Spiels das Maximum erreicht. Was grenzwertig ist, ist die Spieldauer, denn unter zwei Stunden sind wir selbst zu dritt noch nicht fertig geworden. Zu fünft wird’s ein langer Abend.


Noblemen ist bei Pegasus erschienen und das erste veröffentlichte Spiel von Dwight Sullivan. Er gewann damit den Hippodice Autorenwettbewerb in 2009. Da kann man sich nur wünschen, dass es nicht sein letztes war.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
ab 12 Jahren
Spieldauer (Minuten): 
90
Jahrgang: 
2012
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
Fotos
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