Nottingham

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 31.12.2006
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Nottingham von Reich der Spiele

Der Titel des pfiffigen Ablegespiels weckt spontane Assoziationen mit Robin Hood, dem legendären Rächer der Armen und Unterdrückten aus dem Sherwood Forrest, die indessen im Spiel selber in keiner Weise aufgenommen und weitergeführt werden. Stattdessen gilt es den (ebenfalls weder als korrupt noch als grausam dargestellten) Sheriff von Nottingham zu unterstützen durch Einfordern ausstehender Geldbeträge, um dessen Wiederwahl für eine weitere Amtszeit zu sichern. Der Sheriff stellt dabei dem erfolgreichsten Gehilfen die Ernennung zum Stellvertreter in Aussicht, was dazu führt, dass sich die Gesellen unterwegs gegenseitig auszunehmen suchen.

So weit die etwas gesuchte, für alles Weitere aber nicht relevante Hintergrundgeschichte des Spiels. Dieses besteht aus insgesamt 84 Aktions- und einigen Hinterhalts- und Aufgabenkarten sowie einer kleinen Tafel, auf welcher der Weg des Inkassotrupps des Sheriffs durch die Grafschaft von Nottingham in 22 Etappen eingezeichnet ist. Die Spieler erhalten alle drei Aktionskarten ausgeteilt, der Rest bildet den Zugstapel.

Die Aktionskarten weisen neben einer Wertangabe je einen von insgesamt sieben Übergriffen auf, die gegen einen auf unterschiedliche Weise zu bestimmenden anderen Spieler begangen werden können. Das Spektrum reicht dabei vom Tauschhandel über den Raub bis zum Hinterhalt, unter Einschluss einer Abwehrmöglichkeit des Opfers zur Vermeidung unerwünschter Konsequenzen. Das Ganze ist allerdings weniger dramatisch als erwartet, da dem Opfer stets die eingesetzte Aktionskarte überlassen werden muss.

Anstatt die Handlung der Aktionskarte auszuführen, kann der aktive Spieler sie auch behalten, um sie sofort oder zu einem späteren Zeitpunkt zusammen mit weiteren Handkarten gegen Gewinnpunkte einzutauschen. Dazu sind drei oder mehr Karten derselben Kategorie oder eine von vier Kombinationen gemäß den verfügbaren Aufgabenkarten abzulegen. Jede Aufgabe steht dabei maximal zwei Spielern offen, alle übrigen gehen leer aus und müssen ihre Karten anderweitig einzusetzen versuchen. Mit jedem Eintauschen von Gewinnpunkten wird die Figur des Sheriffs auf der Spieltafel eine Etappe weiter gezogen. Erreicht sie dabei das Zielfeld oder sind alle acht Aufgabenkarten erfüllt worden, ist das Spiel zu Ende. Der Spieler mit den meisten Gewinnpunkten darf sich als Sieger feiern lassen.

Entscheidend ist also letztlich immer der möglichst optimale Einsatz der jeweils gezogenen Aktionskarten. Die einzelnen Etappen auf dem Weg des Sheriffs sind mit unterschiedlichen Handlimiten verbunden, sodass die Aktionskarten nicht nach Belieben gehortet werden können. Weitere Unwägbarkeiten entstehen beim Auslegen eines Hinterhalts, bei dem im voraus eine bestimmte Spielfarbe beziehungsweise Güterkategorie bestimmt werden muss. Soll ein entsprechender Drilling abgelegt werden, ist eine der Karten abzugeben im Tausch gegen die Hinterhaltskarte des Angreifers. So kann der Erwerb von Siegpunkten durch einen der gegnerischen Spieler verhindert oder zumindest auf später verschoben werden. Bei der Erfüllung von Aufgaben kommt der Hinterhalt dagegen nicht zum Tragen, doch sind da die Anforderungen tendenziell höher.

Das Spiel ist kurzweilig und macht großen Spaß, selbst wenn die Einflussnahme auf das Geschehen relativ eng begrenzt bleibt. Besonders in Vollbesetzung herrscht viel Betrieb, was auch das Memorieren der Handkarten der anderen Spieler zum Abschätzen der eigenen Erfolgschancen erschwert. So spielt jeder frisch drauflos und amüsiert sich köstlich, beispielsweise wenn ein Gegner dem eigenen Hinterhalt zum Opfer fällt - ein hübsches Fun- und Ärgerspiel halt, nicht mehr und nicht weniger!

 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3 - 7
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2006
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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