Palais Royal

eine Spielerezension von Carsten Pinnow - 25.03.2009
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Palais Royal von Reich der Spiele

Am Königshof versammeln sich die Adligen. Die Spieler schicken ihre Diener durch das Schloss, um Adlige anzuwerben und Privilegien zu sammeln. Dafür gibt es nälich Ruhmespunkte. Die gibt es auch für bestimmte Mehrheiten im Schlosspark. Doch nur wer insgesamt den meisten Ruhm ernten konnte, wird das Rennen um die Gunst des Königs gewinnen.

Das Spielfeld besteht aus dem Schlosspark und neun Räumen, die in einem beliebigen drei Mal drei Felder-Raster ausgelegt werden. Die eigentlichen Aktionen finden alle in den Räumen des Schlosses statt, manche erlauben jedoch das Anwerben von Adligen im Park.

Die Aktionen im Schloss sind einer vorgegeben Reihenfolge unterworfen, die der Spieler am Zug einzuhalten hat. Seine erste Aktion besteht darin, zusätzliche Diener ins Schloss zu schaffen, um künftig noch mehr Aktionen durchführen zu können. Auf das Feld "Tor" werden so viele neue Diener gesetzt, wie sich auf dem Feld "Ehrenhof" befinden. Es folgt die Bewegung: Alle Diener düfen insgesamt so viele Felder weit bewegt werden, wie sich auf dem Feld "Treppenhaus" befinden.

Danach sind Münzerei, Kabinett, Madame Pompadour und Schreibstube an der Reihe. Für die entsprechende Anzahl Diener werden Goldmünzen und Siegel gesammelt. Die Stube erlaubt die Anwerbung von Adligen im Park, wofür es am Ende die meisten Punkte gibt. Im Park tummeln sich 36 verschiedene Adlige auf weitesgehend gitterförmig angeordneten Feldern. Um einen solchen Adligen nehmen zu dürfen, müssen die abgedruckten Kosten (Geld, Siegel) bezahlt werden. Je mehr benachbarte Felder bereits zuvor abgeworben worden, desto weniger Gold muss gezahlt werden. Manche Adlige bringen einen sofortigen oder dauerhaften Bonus mit, zum Beispiel ein zusätzliches Einkommen pro Runde.

Eine besondere Rolle spielen die Randfelder des Parks. Wer sich dort einen Adligen schnappt, muss seinen angestammten Platz mit einem eigenen Diener besetzen, der fortan für weitere Aktionen im Schloss nicht mehr zur Verfügung steht. Für Mehrheiten in den vier Randreihen gibt es allerdings Extrapunkte am Spielende.

Zusätzliche Mehrheitenboni gibt es auch bei manchen Räumen. Das äußert sich dann in weiteren Bewegungsschritten, Goldstücken oder Siegeln. Doch es gibt auch eine Möglichkeit, Diener aus dem Schloss wieder herauszubekommen. Dazu werden sie zum "Hintereingang" gezogen und zum Ziehen von Privilegkarten eingesetzt. Um solche Privileg-Karten ausspielen zu können, muss der entsprechende Goldpreis entrichtet werden. Auch dafür gibt es dann wieder extra Bewegungen, Diener oder Gold. Sobald weniger als zwölf Adlige im Park übrig sind, endet das Spiel am Rundenende. Und dann zählen nur noch die Punkte.

Auch wenn es viele Grübler gibt, die vor allem gegen Spielende den genauen Punkte-Zwischenstand ermitteln und ihre Züge optimieren wollen: So einfach ist das nicht! Im Gegenteil, es ist alles unübersichtlich genug, um eben nicht vernünftig planen zu können. Ständig mangelt es überall an Dienern und die verfügbaren Adligen im Park diktieren das Vorgehen bei der Jagd nach den Siegeln. Dennoch will der Funke nicht recht rüberspringen, vielleicht weil gerade bei hartem Dienermangel Mehrheitsboni schon recht nützlich sein können, aber bei steigender Spielerzahl nicht mehr planbar sind? Oder weil die große Auswahl an Aktionen im Schloss die Geduld mancher Spieler überfordert?

Auf jeden Fall bedeutet Palais Royal eine Menge Planungsarbeit, verpackt in einem stimmigen Outfit. Vergleiche mit Louis XIV drängen sich auf, allerdings verliert der Palais hier klar nach Punkten. Eigentlich hätte Palais Royal ja "Versailles" heissen sollen, was aber aus rechtlichen Gründen dann leider geändert wurde. 

Palais Royal präsentiert sich als thematisch sehr ansprechendes Werk für Freunde komplexerer Spiele. Der große "Aha!"-Effekt bleibt nach der ersten Partie zwar aus, jedoch bessert sich dies im Laufe der Zeit. Unter der Vielzahl großartiger Neuheiten kann sich Palais Royal jedoch trotzdem nur im Mittelfeld positionieren.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
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