Patrizier

eine Spielerezension von Michael Weber - 30.09.2007
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Patrizier von Amigo Spiele

Der Michael Schacht mal wieder. Ich weiß nicht, warum. Aber irgendwie schafft er es immer wieder Spiele zu entwickeln, die ich mag. Bei Patrizier dachte ich am Anfang: Och, klingt nach einem langweiligen und simplen Türmchenbauspiel. Zur Mitte der ersten Partie war ich schon sehr angetan und als dann urplötzlich das Ende nahte, war ich begeistert, aber auch perplex, wie schnell Patrizier gespielt ist. Wie man nur aus so wenig Spiel so viel Spaß machen kann ...

Es geht thematisch um den Ausdruck von Macht und Einfluss der Patrizierfamilien, was sich an der Höhe von Wohnhäusern darstellt. Spielerisch sind dies Türme, die aus verschiedenen Stockwerken gebildet werden, die von den Spielern im Laufe der Partie platziert werden.

Auf dem Spielplan sind Stadtviertel eingezeichnet, die je zwei Bauplätze beinhalten. Je nach Viertel können dort auf beiden Bauplätzen zusammen insgesamt fünf, sieben oder neun Stockwerke errichtet werden. Ist diese Summe erreicht, wird das Viertel gewertet und die dort ausliegenden zwei Punkteplättchen gehen an jeweils den Spieler mit den meisten Stockwerken im Turm. Das bessere Plättchen natürlich an den Spieler, der den höheren Turm für sich gewinnt. Dabei kommt es aber weder auf die genaue Höhe des Turms, noch darauf an, am Ende das obere Stockwerk zu halten, sondern "nur" die meisten Stockwerk im Turm zu haben - was bei höheren Türmen schnell mal zur Ressourcenverschwendung werden kann. Dumm nur, dass einige Auftragskaten das Umschichten des obersten Stockwerkes zum anderen im gleichen Viertel erlauben, womit Mehrheiten kurzfristig kippen können.

Fragt sich jetzt nur, wie bekommt man die Stockwerke aufs Brett. Auch das ist so simpel gelöst, wie es nur sein kann. Zu jedem möglichen Stockwerk gibt es eine Auftragskarte. Davon hat jeder Spieler drei auf der Hand. Sie geben an, wo man eine Etage setzen muss. Legt man diese vor sich ab, darf man eine Etage in dem darauf angegebenen Viertel bauen und bekommt in der Regel die Auftragskarte, die gerade offen neben diesem Viertel liegt, auf die Hand und platziert dort eine neue vom Vorratsstapel. So muss man immer sehr genau überlegen: Erstens kommt es darauf an, in den Stadtvierteln Mehrheiten zu schaffen. Zweitens kommt es darauf an, dort Etagen zu platzieren, wo Karten ausliegen, die man zum Erlangen dieser Mehrheiten benötigt. Das klingt auf dem ersten Blick sehr nach Zufallsprinzip - und ein bisschen spielt der Zufall zumindest anfangs auch eine Rolle - spätestens im letzten Spieldrittel werden aber Spieler, die planlos mal hier mal dort gebaut haben, hoffnungslos zurückliegen. Zu schnell wird dann deutlich, dass bestimmte Karten und bestimmte Mehrheiten nicht mehr zu holen sind. Der frühe Vogel fängt eben den Wurm.

Sind die Auftragskarten aufgebraucht, endet das Spiel und es gewinnt der Spieler mit den meisten Punkten aus den Punktechips und Zusatzpunkten. Zusatzpunkte gibt es für bestimmte Kombinationen von abgelegten Auftragskarten. Auch hier lohnt beim Etagenbau eine vernünftige Planung.

Es ist erstaunlich, dass ein Spiel so viel Tiefgang hat, das mit zwei Seiten Regelwerk auskommt und anfangs wie eine seichte Herausforderung aussieht. Das schöne an Patrizier ist eben, dass es einen sehr, sehr leichten Einstieg erlaubt und dennoch auch erfahrenen Spielergruppen Spaß macht. Und wenn es nur mal zwischendurch ist - Patrizier ist eben ein vollwertiges Brettspiel mit maximal 30 bis 40 Minuten Spieldauer - in unseren Runden zum überwiegenden Teil sogar deutlich unter 30 Minuten. Eine runde Sache!

Ein Manko soll aber nicht unerwähnt bleiben: Die neben den Stadtvierteln ausliegenden Karten behindern den Blick auf das Spielbrett beträchtlich und schaffen immer wieder Fehlerquellen. In unseren Partien wurde deshalb so manche Etage falsch gesetzt oder vorher in Gedanken platziert: Liegt beispielsweise eine rosa Auftragskarte neben dem gelben Stadtviertel, muss das Auge schon konzentriert schauen, um das Viertel korrekt als gelbes wahrzunehmen, da die Karten den Blick stark auf sich ziehen. Hier wäre eine etwas elegantere Lösung der Kartenablage einfach besser gewesen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2007
Spielkategorisierung
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