Portobello Market

eine Spielerezension von Michael Weber - 31.07.2007
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Portobello Market von Reich der Spiele

Portobello Market ist trendy. Und zwar deshalb, weil es in etwas mehr als in einer halben Stunde spielbar ist und dennoch ein komplettes Brettspiel mit Anspruch ist. Es passt in die schnelllebige Zeit, ohne zum Fastfood mit Mangel an Spielspaß zu werden.

Die Spieler haben die Aufgabe Gassen mit Marktständen zu besetzen, um möglichst lukrative Geschäfte zu machen. Am Ende der Gassen tauchen im Laufe des Spiels Kunden wie Gehilfen, Bürger oder der Lord auf, die je nach Kombination im Laufe des Spiels unterschiedlich viele Siegpunkte bringen können. Eine Gasse, an deren Ende je ein Bürger steht ist dabei zum Beispiel wesentlich einträglicher für die Ladenbesitzer als eine, an deren Enden "nur" Gehilfen stehen. Die beiden Kunden an den Endpunkten geben dabei einen Multiplikator vor, der den Wert der in der Gasse gebauten Läden vervielfacht. Der Wert eines Ladens wiederum ist abhängig von seinem Platz in der Gasse.

Wer am Zug ist, kann beliebig je einen Laden oder einen Kunden platzieren. Die Zahl der Aktionen ist jedoch abhängig von den verfügbaren Aktionsplättchen. Diese erlauben zwei, drei oder vier Aktionen, werden danach aber umgedreht und stehen erst wieder zur Verfügung, wenn die anderen Plättchen ebenfalls gespielt wurden. Während ein Kunde beliebig auf ein freien Platz am Ende einer Gasse gestellt werden kann, muss der erste Laden auf eines der äußeren Felder der Gasse platziert werden. Die nachfolgenden Läden in dieser Gasse müssen jeweils daneben gebaut werden. Das Problem ist nun, dass die Wertigkeit der Gassenplätze in einigen Gassen zur Mitte hin zunimmt, in anderen ab. Man muss also sehr genau überlegen, wohin man seine Läden baut und wer davon im nachfolgendem Zug gegebenenfalls profitieren kann. Zum anderen ist das Platzieren der Läden von dem sogenannten Bobby (Polizist oder Aufseher) abhängig. Der muss sich neben der Gassen im Innenhof eines von Gassen umschlossenen Distriktes befinden. Diesen darf man zwar - zusätzlich zu seinen Aktionen - beliebig weit in seinem Zug versetzen, das kostet aber Siegpunkte, wenn man dabei Gassen überqueren muss, die unbebaut oder mit einer Mehrheit fremder Läden bestückt sind. So verliert man selbst wichtige Punkte (die zum Teil an die Mitspieler gehen), um lukrative Plätze zu erreichen. Und vor allem muss man seine Züge jeweils optimieren. Gewertet werden die Gassen jeweils, wenn sie vollständig bebaut sind und an ihren Endplätzen jeweils ein Kunde steht. Am Ende des Spiels werden noch unvollständige Gassen gewertet, an deren Ende der Lord steht.

Zusätzlich erhält jeder Spieler die Möglichkeit, zweimal alle Gassen um einen Distrikt herum zu werten, wobei pro Viertel insgesamt nur eine Wertung möglich ist. Diese bringt die Summe der Werte der mit eigenen Läden besetzen Gassenfelder als Punkte. Diese werden noch mit zwei oder vier multipliziert. Dafür muss ein entsprechendes Aktionsplättchen gegen ein anderes getauscht werden. Zu Beginn des Spiels erhält man ein gleichwertiges oder besseres, gegen Ende ein schlechteres. Deshalb versuchen viele Spieler, diese Sonderwertungen möglichst früh zu spielen, laufen aber dabei Gefahr, eine relativ geringe Punktzahl zu erhalten (es sind noch recht wenig Läden auf dem Brett platziert), was für den Spielausgang meist von großen Nachteil ist. Andererseits sind gegen Ende des Spiels möglicherweise die für einen selbst besten Distrikte bereits gewertet.

Portobello Market ist mit seinen sehr überschaubaren Regeln ein schönes Familienspiel, das aber mit viel Kalkül gespielt werden kann. In Runden mit Zugoptimierern macht sich das besonders bemerkbar, da gern mal berechnet wird, welcher Zug die meisten Punkte bringt oder eben den nachfolgenden Spieler beeinträchtigt. Und genau hierin ist eine der Schwächen des Spiels: Zum einen muss jeder Zug optimiert werden, zum anderen sind die Punkteabstände bis kurz vor Schluss häufig relativ knapp, sodass es ungewollt oder beabsichtigt nicht selten zum Königsmachersyndrom kommt - ein Spieler verhindert ohne zu profitieren Punkte für einen möglichen Sieger oder gibt einem anderen eine Steilvorlage zum Gewinn der Partie. Das ist ärgerlich, ändert aber nichts an den fein aufeinander abgestimmten Mechanismen, dem ausgeklügelten Wertungssystem und der kurzweiligen Unterhaltung bei verständlichem Regelwerk und angemessenen Material. Mit leichten Abstrichen ein sehr gutes Spiel für jedermann.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
35
Jahrgang: 
2007
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
Fotos
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