Powershot Fussball

eine Spielerezension von Carsten Pinnow - 22.10.2008
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Powershot Fußball von Reich der Spiele

„Ultimatives Fussball-Kartenspiel“, „Action-geladenes 2-Personen-Spiel“, „Non-Stop-Action“ und „Jederzeit und überall“ – bei so viel Superlative muss es sich wohl um das beste Kartenspiel aller Zeiten handeln. Oder fühlt sich dabei etwa jemand an TV-Shopping-Kanäle erinnert? „Der beste Staubsauger aller Zeiten, der lockt auch Ihren Mann vom Fernseher weg, wenn Deutschland im Finale spielt! Statt 8.000 UVP jetzt nur sensationelle 1.999 Euro! Rufen Sie JETZT an, wir haben nur zwanzig Stück für Sie bereitgestellt! Dauer-Action auf dem Teppich! Das ultimative Sauberkeitsgefühl! Besser noch als der Staubsauger ihrer Nachbarn! Nie wieder wird es im deutschen Fernsehen etwas derartig megatolles geben!“

Doch halt, es ist ja nur ein Kartenspiel. Und Fussball-Kartenspiele gibt es ja auch gar nicht so viele - geben wir dem Haufen Papier doch eine Chance. Oder besser gleich noch eine zweite, denn bereits beim Auspacken wartet die erste Enttäuschung auf den actionwilligen Fussball-Fan: Das Design der Karten ist schlichtweg einfallslos und wenig motivierend. Immerhin entschädigen die einfachen Regeln ein wenig und bieten einen schnellen Einstieg in die Partie. Jedes Team spielt dabei mit einem eigenen Kartensatz, der länderspezifische Stärken aufweist - bei den Spaniern sind es beispielsweise die Dribblings, bei den Deutschen Passgenauigkeit und Schusskraft. Die Handkarten lassen sich grob in zwei Kategorien einordnen: offensive (rote) und defensive (blaue) Karten. Der übliche Spielaufbau (Pässe und Dribblings) vor einem Torschuss kann durch entsprechende Sonderkarten (gelb) verkürzt werden. Das Grundelement bleibt jedoch konstant: Beide Spieler spielen immer abwechselnd eine Karte und ziehen anschließend wieder nach. Während der Spieler im Ballbesitz also rote Angriffskarten spielt, muss der Verteidiger zwischen seinen blauen Karten wählen. Und bekommt das nächste Problem: Denn um einen Angriff abzufangen oder wenigstens abzuwehren, muss nicht nur eine Karte mit einem höheren Wert gespielt werden, sondern der Typ der Defensivkarte muss auch noch zur Offensivaktion passen. Je nachdem ob der Angreifer nun also dribbelt, passt oder schießt, muss der Verteidiger tackeln, abfangen oder halten. Farblich sind die Karten leider nicht zu unterscheiden, sodass eine genauere Betrachtung und eine gute Sortierung der elf Karten auf der Hand nötig ist. Eine bessere Farbwahl zur klaren Kennzeichnung von Aktion/Gegenaktion wäre sehr hilfreich gewesen!

Eine genaue Analyse der verschiedenen Karten zeigt ansonsten bei der Konstellation Deutschland gegen Spanien ein ausgeglichenes Chancenverhältnis. Während die Deutschen beispielsweise viel mehr rote Passkarten haben, als die Spanier abwehren können, sieht es bei den Dribblings genau anders herum aus. Generell sind Karten mit dem Wert vier oder höher erfolgversprechende Vorbereitungen für einen Torschuss – wenn sie denn einigermaßen gut verteilt nachgezogen werden. Schließlich hilft es wenig gute Defensivkarten zu besitzen, wenn man keine einzige Schusskarte hat, der fiese Gegenspieler aber partout den Ball nicht haben will? Pech hat der Gegner natürlich, wenn er ohne brauchbare Defensivkarten zu Spielbeginn verteidigen muss. („Ein Tor wäre, meine Damen und Herren, in dieser frühen Phase des Spiels sehr hilfreich.“)

Abgesehen von den statistischen Unterschieden zwischen den Teams gibt es jedenfalls kein unterschiedliches Spielgefühl. Der Ablauf ist monoton - Karte spielen und nachziehen -, der Name der Mannschaft schlichtweg egal. Nach einer etwa zehnminütigen Halbzeit (einmal die 56 Karten durchgespielt) kann es auch schon mal 1:3 stehen, weniger als zwei erzielte Tore sind jedoch selten. Ein echter Fußball-Fan lässt sich davon natürlich nicht entmutigen und probiert auch noch ein paar andere der insgesamt zehn verschiedenen Teams aus – letztendlich mit den gleichen Ergebnissen. Auch Schweiz gegen die Türkei ist möglich - spektakuläre Ereignisse sucht man jedoch vergeblich.

Für ein paar Partien „jederzeit und überall“ taugt Powershot Fußball somit durchaus. Die „ultimative“ Erfahrung bleibt aber aus, die „Action“ beschränkt sich auf das Ablegen von Karten. Und so bleibt mir nichts weiter übrig, als zurückzugeben in die angeschlossenen Funkhäuser.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spielerzahl: 
2
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
Spielethema: 
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