Professor Pünschge

alles ist umdenkbar

eine Spielerezension von Anita Borchers - 11.01.2009
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Professor Pünschge von Reich der Spiele

Hallo Leute, ich bin Professor Pünschge. Ihr habt bestimmt schon von mir gehört. Was? Nicht? Verwunderlich! In der Gegend, in der ich wohne, kennt mich jeder. Ich bin ein erfolgreicher Professor. Bekannt geworden bin ich jedoch aus einem anderen Grund.

Wenn ich mich abends auf den Heimweg mache, folgt der Weg, den ich einschlage, immer einer strengen Logik. Aber ich nehme nicht etwa jeden Abend den gleichen Weg. Nein! Das würde mein geniales Hirn hemmungslos unterfordern, ja geradezu beleidigen! Ich liebe die Abwechslung.

Mal haben es mir die Himmelskörper angetan, dann folge ich dem Weg, von wo aus ich Mond und Sterne sehen kann. Ein anderes Mal haben es mir grüne und rote Wolken angetan. Mein Heimweg lässt sich aber noch nach vielen anderen Aspekten bestimmen. So hüpfe ich manchmal von Wiesenfeld zu Wiesenfeld oder kraxele durchs Gebirge. Besonders gerne richte ich meinen Heimweg an den vielen Tieren aus, die es unterwegs zu sehen gibt. Mal betrete ich nur Felder, auf denen Eulen zugegen sind, mal nur diese, auf denen genau zwei Tiere sind. Neulich habe ich entdeckt, dass ich auch nach Hause komme, wenn ich mich von Gartenbank zu Gartenbank hangele oder die Handwagen am Wegesrand in meine Betrachtung einbeziehe.

Eine Zeit lang haben die Bewohner der umliegenden Dörfer mich verwundert beobachtet. Seit ich ihnen erklärt habe, dass ich mir immer eine besondere Logik für den Heimweg überlege, betrachten sie mich zwar nicht weniger verwundert, sind aber neugierig, welchen Weg ich wohl den jeweiligen Abend nehmen werde. Mit der Zeit haben sie die eine oder andere Logik durchschaut und inzwischen haben wir daraus sogar ein Spiel gemacht. 

Wir legen einige Kristalle zusammen, sozusagen als Wetteinsatz. Dann teile ich den Mitspielern mit, welches die ersten beiden Felder meines Heimwegs an diesem Abend sind. Und schon geht es auch los. Gemeinsam überlegen die Hobbylogiker, welche Aspekte und gegebenenfalls Gemeinsamkeiten die beiden Felder aufweisen, und versuchen, eine Logik daraus abzuleiten. So haben sie dieses Mal zum Beispiel bemerkt, dass man von den ersten beiden Feldern hervorragend die Sterne sehen kann und schlagen schnell vor, dass wohl das nächste Sternfeld meinen Weg fortsetzen wird. Hähä, reingelegt. Mit einem lauten "Mööööb" verkünde ich, dass diese Vermutung falsch ist. Ich markiere das falsche Feld mit einem schwarzen Stein und schnappe mir einen von den Kristallen. So lautet die Vereinbarung. Verwirrt wegen des sicher geglaubten Sieges beginnen meine Mitspieler wieder zu diskutieren. Was sie nämlich übersehen haben ist, dass das Feld nicht nur ein Sternfeld ist, sondern auch über einen weißen Hintergrund verfügt. Ich habe dieses Mal für meinen Heimweg alle weißen Felder ausgewählt. Leider sind meine Mitstreiter inzwischen schon gut trainiert, sodass sie nach weiterer Diskussion zu eben diesem Rückschluss kommen. Sie vermuten, dass das nächste Feld die weiße Sonne ist und liegen verdammt richtig. Mit einem lauten "Brummbrumm" gebe ich zu verstehen, dass sie das richtige Feld gewählt haben. Ich markiere das richtige Feld mit einem weißen Stein, entferne alle schwarzen Steine und das Spiel geht weiter. Dieses Mal sind sie mir sehr schnell auf die Schliche gekommen und bringen mich auf dem richtigen Weg nach Hause, noch bevor ich weitere Kristalle einsacken kann. Nun bekommen die Gegenspieler jeder fünf Kristalle als Belohnung. Und morgen Abend steigt die Party auf ein neues.

Da meine Assistenten, wie ich sie inzwischen zu nennen pflege, die einfachen Regeln schnell durchschauen, greife ich inzwischen zu härteren Kopfnüssen. Wie findet ihr die? Jedes Feld unmittelbar vor einem Stern-Feld. Oder: Alle Felder, die weder Fisch noch Wolke zeigen. Für diese Aufgabe haben sie mich fast verhauen: Immer ein Feld springen, aber von einem Wiesenfeld aus vier Felder springen. Inzwischen habe ich mir angewöhnt, zu jeder Logik auch einen Hinweis bereitzuhalten, den ich verkünde, wenn mir partout keiner auf die Schliche kommen mag.

Nun habe ich alle Regeln und Hinweise, die meinen bisherigen Heimwegen zugrunde lagen, aufgeschrieben und bin auf die stolze Zahl von 702 gekommen. Ich habe sie in fünf Schwierigkeitsstufen aufgeteilt und daraus diese Spiel gemacht. Ich habe es natürlich nach mir benannt: Professor Pünschge. Ehre, wem Ehre gebührt! Auf einem Spielplan habe ich meinen Heimweg aufgezeichnet. Natürlich fehlen die schwarzen und weißen Markierungssteine nicht und jede Menge verschieden farbiger Kristalle habe ich auch noch spendiert. Die beiliegende Holzfigur soll natürlich mich darstellen. Ich bin übrigens ganz gut getroffen.

Anders als im richtigen Leben habe ich die Regeln etwas abgeändert. Jeder darf mal den Professor Pünschge spielen und eine meiner genialen Logikregeln auswählen. Außerdem dürfen die Mitspieler nicht nur miteinander sondern auch gegeneinander rätseln. Was mir allerdings weniger Spaß bereitet, da so wesentlich weniger diskutiert wird und ich mich nicht mehr so herrlich über die vielen Trugschlüsse amüsieren kann.

Tja, das ist also meine Geschichte. Ich wünsche euch viel Spaß beim Knacken meiner Gedanken.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2 - 7
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
30 - 45
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
Fotos
Professor Pünschge von Reich der Spiele
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