Raja

eine Spielerezension von Michael Weber - 31.10.2005
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Raja von Reich der Spiele

In und um Rajasthan, der indischen Provinz, schufen die Architekten des asiatischen Subkontinents im Mittelalter prachtvolle, zum Teil außergewöhnliche Bauwerke. Diese Zeit wird in Raja nachgespielt. Und so prachtvoll wie die Bauwerke ist die schöne, geradezu vorbildliche Ausstattung des Spiels. Lediglich der Schachteleinsatz ist ein Standard, was zu Problemen beim Wegsortieren führen kann.

Jeder Spieler übernimmt einen Fürsten, der mit seinem Architekten von Stadt zu Stadt zieht, hier und da ein Haus baut, aber am liebsten einen oder mehrere Paläste in den wichtigen Städten errichtet. Nur ist ein Palastbau wie vieles andere teuer und so müssen die Spieler erst einmal Gold verdienen. Wer es als erster schafft, sieben Paläste zu errichten, der gewinnt das Spiel. Endet das Spiel vorher, gewinnt der Spieler, der die meisten Paläste gebaut hat.

Wie so oft steckt der Teufel im Detail. Raja ist ein sehr vielschichtiges Spiel, das trotz relativ einfacher Mechanismen etwas Eingewöhnungszeit benötigt. So wählen die Spieler jede Runde aus einer Vielzahl von Aktionen genau zwei verdeckt aus (auf einer sehr komfortablen und schönen Drehscheibe). An diese Aktionen sind sie dann jedoch gebunden, auch wenn der Rundenverlauf andere Wünsche wecken sollte. Aktionen sind zum Beispiel Palastbau, Häuserbau, Geldeinnahme oder Rollentausch. Zusätzlich darf man noch die eigen Spielfigur bewegen. Die Bewegung und die Aktionen können beliebig miteinander kombiniert werden. Das Problem ist nur, dass die Bewegung Gold kostet, wenn die Figur durch Gebiete zieht, in denen kein eigenes Bauwerk errichtet wurde. Da Bauplätze sehr begrenzt sind, werden die Spieler schneller ihr Gold los, als ihnen lieb ist. Viel zu häufig an die Mitspieler, die ihrerseits den benutzten Weg mit Häusern zugepflastert haben.

Entscheidende Aktion ist der Palastbau in den Städten, der wichtige Punkte für die Zwischenwertungen bringt. Und diese Wertungen, die mit Häusern und Architekten noch beeinflusst werden können, bedeuten viel Gold für die Punktbesten. Ohne Gold sind viele der Aktionen nicht möglich. Besonders der Palastbau ist kostspielig.

Gewertet wird gemäß einer Leiste, auf denen Stadtwappen platziert sind. Die Reihenfolge ist jederzeit klar ersichtlich und lässt sich beeinflussen. Entweder wandert nach einer Wertung das eine Stadtwappen ans Ende der Reihe (womit das Spielende näher rückt) oder man verschiebt eins innerhalb der Reihe um zwei Plätze, wenn man eine solche Aktion gewählt hat. Diese Wertungsleiste ist sehr wichtig für den Spielverlauf, denn man hat nicht in allen Städten gleich viele Punkte und ist deshalb bemüht, die Städte zu werten, die das meiste Gold bringen. Häufig versuchen die Spieler deshalb ihre Paläste in der Stadt zu bauen, die als übernächstes gewertet wird, um einen kleinen Vorsprung vor der Konkurrenz zu erzielen. Denn der erste Palast in jeder Stadt zählt dreifach.

Ist Raja so schon vielschichtig, kommen mit den Personenkarten, von denen jeder Spieler eine auswählt, zusätzliche Möglichkeiten ins Spiel. Diese bestimmen die Zugreihenfolge und lassen sich nur mit einer Aktion tauschen. Pro Runde darf man gewisse Vorteile nutzen. Der Großfürst zum Beispiel gewinnt bei Gleichstand immer die Wertung, ein Händler bringt zusätzliches Gold, der Baumeister zahlt für einen Palast drei Gold weniger. Insgesamt gibt es sechs, in einer der sehr empfehlenswerten Variante sieben dieser Personenkarten, die das Spiel mitbestimmen und allesamt in bestimmten Situationen äußerst reizvoll sind.

So zieht man die eigene Figur und baut, so oft man kann, um Punkte und damit Gold zu bekommen. Am Ende darf man aber den Palastbau nicht vergessen, denn nur der entscheidet über den Sieg. Unglaublich vielschichtig und nach einer Eingewöhnungszeit doch ganz einfach zu spielen, bietet Raja eine gelungene Mischung aus Komplexität und einfachen, wenn auch fast schon zu vielen, Mechanismen. Das Spiel fordert und offenbart seinen ganzen Reiz, wenn man sich die Zeit nimmt, um sich selbst zu quälen. Denn es grenzt fast schon an Masochismus, aus den vielen möglichen und vor allem vielen gewünschten Aktionen nur ganze zwei wählen zu dürfen. Mangelverwaltung pur. Das ist nicht jedermanns Sache und endet mitunter in langwierigen Entscheidungsprozessen zu Lasten der Mitspieler. Davon abgesehen ist Raja ein sehr gutes und schönes Spiel, das hoffentlich irgendwo zwischen den spielenden Familien und der Szene seine Liebhaber finden wird.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
90
Jahrgang: 
2004
Spielkategorisierung
Auszeichnungen: 
Spielethema: 
Spielegattung: 
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