Samarkand

Karawane zum Reichtum

eine Spielerezension von Michael Weber - 14.09.2010
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Samarkand von Reich der Spiele

Samarkand hätte so ein schönes Eisenbahnspiel werden können. So dachten sich wohl die Autoren David Peters und Harry Wu, Letzter bekannt von Chicago Express. Herausgekommen ist aber ein Brettspiel, das zwar hier und da und immer wieder an ein Eisenbahnspiel erinnert, letztlich aber fast mehr mit Durch die Wüste gemein hat. Kamelkarawanen statt Züge und Hochzeiten statt Aktienfusionen sowie Handels- statt Streckenverbindungen. Es geht eben um Samarkand, Stadt an der Seidenstraße und lange Zeit Inbegriff orientalischer Schönheit und märchenhaften Daseins.

Samarkand spielt im Gebiet um die Seidenstraße herum. Die Spieler stellen Kaufleute dar, die in reiche Handelsfamilien einheiraten wollen, um dann den Weg der Karawanen zu bestimmen. Unterwegs gilt es Schätze (Rohstoffe) zu finden und die Karawanen der Familie günstig zu lenken. Für fast alles gibt es am Spielende Dirham und die entscheiden über den Sieg bei Samarkand.

Wer an der Reihe ist, kann bei Samarkand entweder in eine Kaufmannsfamilie einheiraten oder eine Handelsroute einer Familie verlängern. Natürlich klingt das einfacher als es ist. So muss man ein ordentliches Vermögen für die Familienkasse mitbringen und jede Familie hat nur zwei heiratsfähige Kinder (Gender Mainstream in Samarkand: Man darf jeweils zwischen Mann und Frau wählen!). Dafür gibt es aber immerhin neben der oder dem Angetrauten auch Warenkarten vom Nachziehstapel und die Berechtigung, die zweite Aktion später überhaupt ausführen zu dürfen. Denn das Verlängern der Handelsroute ist bei Samarkand auf Familienmitglieder beschränkt. Maximal zwei Spieler bestimmen also die Geschicke der Familie bzw. Karawanen.

Die Karawanen starten in den Heimatstädten der Familien. Samarkand hieße nicht Samarkand, wenn es keine Kamele wären, die auf Felder platziert werden. Das Brettspiel erinnert hier in der Tat an Durch die Wüste, da die Setzregeln ähnlich sind. Ziel ist es aber mit der Aktion „Handelsroute verlängern“ die eigene Karawane sich mit möglichst vielen anderen Karawanen treffen zu lassen. Denn dafür gibt es für die beteiligten (maximal vier) Familienmitglieder ordentlichen Gewinn, der nicht in die Familienkasse, sondern in die Spielerkasse wandert. Außerdem erhält der, der die Verbindung schafft je ein Verbindungsplättchen von beiden Familien, die am Spielende einen Dirham einbringen. Wer es eilig hat, darf auch zwei Kamele setzen, muss das zweite Tier aber aus der Familienkasse bezahlen. So ist das bei der Hochzeit eingebrachte Vermögen irgendwann aufgebraucht, was die schnelle Ausdehnung einer Karawane etwas bremst.

Dann waren da noch die Handkarten. Darauf sind Plätze mit Rohstoffen verzeichnet. Setzt ein Spieler hierauf auf ein Kamel einer seiner Familien, bekommt er das dort liegende Rohstoffplättchen, das immerhin am Spielende einen Dirham bringt. Noch wichtiger ist aber, dass Kamele auf solchen Plätzen richtig viel Punkte (= Dirham) in der Endwertung bringen. Die Handkartenzahl ist aber begrenzt. Mit einer geschickten Karawanenführung kann ein Spieler hier sehr viele Punkte machen. Weitere Feinheiten bringen mehr taktische Möglichkeiten in das sehr zugängliche, aber durchaus fordernde Samarkand. So lässt sich zum Beispiel das Spielende beeinflussen, indem eine Karawane möglichst häufig Verbindungen schafft oder alle Karawanen einmal eine Verbindung eingegangen sind.

Samarkand ist ein schön aufgemachtes und leicht verständliches Spiel, das einige Möglichkeiten taktischen Agierens ermöglicht. Die Spieldauer ist mit rund 45 Minuten angenehm kurz und lädt zu einer Wiederholung ein. Die will man auch gerne Spielen, obwohl für ein so kurzes Spiel wie Samarkand der Aufwand an Spielvorbereitungen mit vielen zu sortierenden Plättchen doch relativ groß ist. Ebenso sind einige Punkte der Spielstory etwas unausgegoren, was aber spielmechanisch keinen Einfluss hat. Vielleicht wäre Samarkand doch besser ein Eisenbahnspiel geworden.

Letztlich ist Samarkand ein sehr gutes Spiel, das für gelegentlich spielende Familien genauso interessant ist wie für sogenannte Vielspieler. Ein mulmiges Gefühl bleibt bei mir aber wegen einer kuriosen Situation in einer der ersten Partien, in der das Spiel aufgrund der Situation am Spielbrett nicht regulär beendet werden konnte. Das hat sich aber nicht wiederholt und scheint eher durch unsinnige Manöver der beteiligten Spieler ermöglicht worden zu sein. So heißt es für Samarkand: Daumen hoch.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2010
Spielkategorisierung
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