Schwarz Rot Gelb

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 01.01.2012
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Schwarz Rot Gelb von Amigo Spiele

Solche Spiele sollten eigentlich gar nicht erlaubt sein. Wirklich nicht. Spiele, die den Anschein erwecken, einfach, um nicht zu sagen banal zu sein, und die dann doch Hürden und Anforderungen stellen, die kaum zu meistern sind. Wenigstens ich selber bin dem Spiel nicht gewachsen. Aber mit mir ganz viele andere auch nicht. Alle machen Fehler. Solche, für die es nachträglich keine Erklärungen gibt. Wirklich keine. Und das Spiel lacht sich dabei ins Fäustchen. Irgendwie triumphierend. Und sonst tun es die Mitspieler. Hämisch und unschön. Bis sie selber drankommen und es nicht besser können. Schadenfreude pur. Und ein Vergnügen, das kaum zu stoppen und noch weniger zu verstehen ist.

Schwarz Rot Gelb ist so ein Spiel. Innert Kürze erklärt und verstanden. Ausserdem kann es überall mitgenommen und gespielt werden. Einzig ein Tisch oder eine andere gemeinsame Spielfläche sind nötig. Ausserdem Mitspieler, die nicht gleich aus dem Fenster springen wenn etwas nicht rund läuft. Die mit dem eigenen Scheitern umgehen können. Die vielleicht sogar Spaß an der Unzulänglichkeit aller haben. Soweit überhaupt von Spaß gesprochen werden kann, wenn man an seine Grenzen geführt wird. Oder darüber hinaus.

Schwarz Rot Gelb besteht aus einem Haufen Karten. Auf den meisten sind Farbwörter. Zum Beispiel viermal "Gelb", gedruckt in Schwarz. Oder zweimal "Grün" in Blau. Gespielt wird nur mit einer Hand, dafür alle gleichzeitig. Jeder hat eine erste Karte, die er offen vor sich auslegt, der Rest kommt in die Tischmitte. Es gilt, möglichst schnell eine gültige Reihe von Farbkarten zu bilden. Als Belohnung gibt es Zahlenkarten. Soweit so einfach und klar. Zumindest theoretisch. Für die Praxis gilt das oben Gesagte. Es ist kaum zu glauben.

Reihen sind gültig, wenn keine Farbkarte Übereinstimmungen mit der unmittelbar vorangehenden aufweist. Dabei ist auf alles zu achten, angefangen von der Anzahl Wörter über die Druckfarbe bis zum Farbwort der Karte. Nicht einmal das Farbwort und die Druckfarbe der benachbarten Karte dürfen gleich sein. Wer eine genügend lange Reihe hat, ruft laut Stopp und beendet so die laufende Runde. Der Spieler mit der längsten Reihe erhält die Zahlenkarte mit dem höchsten Wert. Alle übrigen folgen nach, bis der letzte nehmen muss, was noch übrig ist, im schlimmsten Fall gar Minuspunkte.

Vorher aber wird geprüft, ob alle Karten der Reihen korrekt sind. Das ist zugleich der Moment der Wahrheit. Oder der Verzweiflung. Es ist jedenfalls verrückt, wie schnell sich in der Hitze des Gefechts Fehler einschleichen konnten. Blöde Fehler, die doch eigentlich hätten vermieden werden sollen. Sie zwingen nämlich dazu, sämtliche nachfolgenden Karten abzuräumen. Das kann ganz schön schmerzen. Besonders wenn der Fehler ganz zu Beginn einer Reihe passierte. Häufig erhält so nicht der schnellste Spieler die wertvollste Punktekarte sondern ein anderer, dessen Reihe länger (geblieben) ist.

Wenn nach mehreren Runden keine Zahlenkarten mehr da sind, gewinnt der Spieler mit der höchten Anzahl Punkte. Allerdings ist das meist nicht das Ende des Spiels. Sondern vielmehr der Auftakt zu einer Revanchepartie. Schwarz Rot Gelb hat jedenfalls Suchtpotential. Gerade weil es so simpel ist. Und so brutal und schonungslos. Man muss es selber erlebt haben. Immer wieder neu. Manche halt am Rand des Nervenzusammenbruchs. Aber das hatten wir weiter oben schon. Es ist ein Wahnsinn. Wahnsinnig gut. Bis auf den Titel und die Schachtelgrafik. Aber das soll uns für einmal egal sein.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2011
Spielkategorisierung
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